1000 aZ: SH'v'M - Speyer - Worms - Mainz
1084:
Der Erzbischof von Speyer lädt in Mainz verfolgte
Juden ein, sich in Speyer niederzulassen. Er begründet seine Einladung
damit, dass die Anwesenheit der Juden "tausendfach das Ansehen der
Stadt erhöhe". Von ihm stammt die erste schriftlich niedergelegte
Garantie, den Juden weitgehende Rechte und Schutz zu gewähren. Im
Jahr 1090 wird diese Garantie von Heinrich IV. bestätigt und erweitert.
Ähnliche Garantien werden in den folgenden Jahrhunderten von Kaisern,
Bischöfen und Fürsten oft gegeben (und ebenso oft nicht eingehalten
oder verletzt.) (Genaueres finden Sie hierzu im 'Reiseführer durch
das jüdische Deutschland, Stichwort: Speyer.)
1040-1105:
Salomon ben Izhak, besser bekannt unter dem Namen Rashi,
in Troyes in Frankreich zur Welt gekommen, studiert von 1055 bis 1065
in Worms. Einige von seinen Lehrern dort waren Schüler von Gerschom.
Rashi verfasst Kommentare zur Torah und zu Teilen des Talmud, die heute
noch studiert werden. Die Klarheit seiner religiösen Lehren und Schriften
geniessen Jahrhunderte lang die höchste Wertschätzung bei den
deutschen Juden. (Genaueres finden Sie hierzu im 'Reiseführer durch
das jüdische Deutschland, Stichwort: Worms.)
960-1040:
Gerschom ben Jehudah, in Metz in Frankreich geboren,
als 'Licht des Exils - Or haGolah' bekannt, verbringt den größten
Teil seines Lebens in Mainz und ist einer der ersten großen deutschen
Rabbiner. Sein Einfluß macht sich in der Strukturierung des Familien-
und Gemeinschaftslebens und des jüdischen Rechts geltend, aber er
führt auch im Studium des Talmud im westlichen Europa. Dadurch vereinheitlicht
sich der religiöse Unterricht in den deutschen jüdischen Gemeinden
und es entsteht eine spezifisch jüdische Kultur. Auf Gerschoms Wirken
führt man das Scheidungsrecht, das Verbot der Polygamie, das Recht
auf Briefgeheimnis und das Entscheidungsrecht der Mehrheit im Gemeindeleben
zurück.
Die Minderheitsrechte werden dadurch gewahrt, dass Gemeindemitglieder
zu ihrer Anhörung den G"ttesdienst unterbrechen dürfen. Auch
wird Gerschom das Verbot zugeschrieben, Häuser von Christen zu mieten,
die andere Juden unrechtmässigerweise daraus vertrieben hatten; ebenso
wie das Verbot, Juden zu beleidigen, die nach der Taufe sich wieder als
Juden bekennen. Um diese Bestimmung rankt sich die Legende, Gerschoms
Sohn Eliezer wäre bei der Vertreibung der Juden aus Mainz im Jahre
1012 gezwungen worden, zum Christentum überzutreten, sei aber gestorben,
bevor es ihm möglich war, wieder zum Judentum zurückzukehren;
Gerschom habe trotzdem für ein jüdisches Begräbnis gesorgt
und die Totengebete für ihn gesprochen. (Genaueres finden Sie hierzu
im 'Reiseführer durch das jüdische Deutschland, Stichwort: Mainz.)
1034 wird in Worms eine neue Synagoge errichtet. Bis
zu ihrer Zerstörung durch die Nationalsozialisten im Jahr 1938 war
sie die älteste ständig dem G"ttesdienst gewidmete Synagoge
in Europa. (Genaueres finden Sie hierzu im 'Reiseführer durch das
jüdische Deutschland, Stichwort: Worms.)
11. Jahrhundert:
Rabbiner und Vorsteher von jüdischen Gemeinden in
Speyer, Worms und Mainz schliessen sich zu einem Bündnis unter der
Bezeichnung 'Schum - í''åù' zusammen; das sind die
Anfangsbuchstaben der hebräischen Namen dieser Städte. Sie diskutieren
religiöse Fragen und Belange ihrer Gemeinde und entscheiden Streitfälle.
Schum ist schon zu Ende des 11.Jahrhunderts ein wichtiger Faktor im Leben
und in der Vereinheitlichung der Gemeinden im Rheinland und weit darüber
hinaus. Erst im 14. Jahrhundert fällt diese führende Rolle den
durch die Pestepidemie der Jahre 1348-1350 ausgelösten Judenverfolgungen
zum Opfer.
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