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Eine Schönheit vor dem Verfall

Denkmalpflege will die von Kreyßig gebaute Jüdische Trauerhalle retten

Die Jüdische Trauerhalle in der Unteren Zahlbacher Straße zeigt Spuren des Verfalls.
Das von Eduard Kreyßig errichtete Gebäude im orientalischen Stil wurde 1881 eingeweiht.
Nach wie vor wird es von der Jüdischen Gemeinde genutzt. - Abdruck aus "Allgemeine Zeitung Mainz"


Vom 28.07.2004

Die im orientalischen Stil von Stadtbaumeister Eduard Kreyßig 1881 gebaute Jüdische Trauerhalle an der Unteren Zahlbacher Straße ist akut vom Verfall bedroht. Schwamm, Schädlinge und Wasser setzen der Bausubstanz schon seit Jahren so zu, dass um den Bestand des Kulturdenkmals gebangt wird. Die Landesdenkmalpflege hat Rettungsmaßnahmen eingeleitet.


Von unserem Redaktionsmitglied Bernd Funke

Für Denkmalpfleger Dr. Joachim Glatz steht der Wert der Jüdischen Trauerhalle außer Frage: "Von den 17 Hallen in Rheinland-Pfalz sind die von den jeweiligen Stadtbaumeistern errichteten in Worms und Mainz die aufwändigsten und wichtigsten." Während die Wormser Trauerhalle im Darmstädter Jugendstil gerade restauriert wird (die Außenrenovierung wurde im Mai abgeschlossen), verfällt die Mainzer Trauerhalle, die der Jüdischen Gemeinde nach dem Krieg auch als G"tteshaus diente, bevor sie in die Feldbergschule wechselte, seit Jahren. Das äußere Erscheinungsbild, das vorgaukelt, dass sich das Gebäude in altersgemäßem Zustand befindet, trügt, wie inzwischen längst festgestellt wurde. Das Zinkblechdach ist an vielen Stellen schadhaft, Sandstein platzt ab, Fallrohre münden nicht in der Kanalisation, sondern tragen nach Regengüssen dazu bei, dass die Fundamente mehr und mehr aufgeweicht werden. Risse im Backsteingemäuer wachsen, und wer genau hinsieht, wird erkennen, dass sich der linke Gebäudetrakt abgesenkt hat.

"Wir haben großes Glück, dass wir Kreyßigs Originalbauakten im Centrum Judaicum in Berlin gefunden haben. Das wird die Restaurierung erleichtern", weiß Glatz, der aus den Unterlagen auch Aufschluss über die von Kreyßig verwendeten Baumaterialien erwartet. Kreyßig habe, so unterstreicht Glatz die Bedeutung des Erbauers der Trauerhalle, das Mainzer Stadtbild beispielsweise mit dem Hauptbahnhof, der Stadthalle, der Synagoge, der Christuskirche und zahlreichen Privathäusern geprägt. "Die Jüdische Trauerhalle ist Teil unserer Stadtgeschichte", macht der Landesdenkmalpfleger deutlich.

"Die Trauerhalle, die nach wie vor von der Jüdischen Gemeinde genutzt wird, ist in einem erbärmlichen Zustand", beklagt die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Stella Schindler-Siegreich. Das Gemäuer ist völlig durchnässt. An vielen Stellen ist Wasser in den in der Nachkriegszeit plakativ bemalten Innenraum eingedrungen. Großflächig platzt der Putz von den Wänden. Schwamm und Schädlinge haben unübersehbare Zerstörungen angerichtet.

Schon vor Jahren waren 1,3 Millionen Mark für die Renovierung des Gebäudes ermittelt worden. Jetzt wird die Gebäudewirtschaft Mainz (GWM) eine neue Kostenermittlung anstellen und das Baumanagement übernehmen. Glatz: "Baudezernent Bürgermeister Norbert Schüler hat seine Unterstützung zugesichert." Glatz weiß, dass die Jüdische Gemeinde die dringend notwendigen Arbeiten allein nicht finanzieren kann. Deshalb wurde, nachdem das Landesamt für Denkmalpflege sein finanzielles Engagement zugesagt hat, das Projekt auch bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) angemeldet. Von hier seien weitere Fördergelder zu erwarten.
Erster Schritt soll der bis zum Winter fertig gestellte Bau eines das ganze Gebäude überdeckelnden Schutzdachs sein. Unter dem soll dann vom kommenden Jahr an zunächst mit der überfälligen Dachsanierung begonnen werden, erklärt Glatz. "Unser erstes Ziel ist, den Verfall zu stoppen. Denn selbst wenn die Jüdische Gemeinde das Gebäude nicht nutzen würde, wäre es als wichtiges Mainzer Baudenkmal zu erhalten."

Die Arbeiten seien, so der Denkmalpfleger, "auf Jahre angelegt". Dabei gibt er sich nicht der Illusion hin, dass es ein finanziell einfaches Unterfangen wird - und setzt auf weitere Hilfen. Vom Bund, von der Stadt und (zumindest ideell) von der sich gerade formierenden Initiative zur Rettung Mainzer Baudenkmäler.

Abdruck aus "Allgemeine Zeitung Mainz" mit freundlicher Genehmigung


© Jüdische Gemeinde Mainz