"Eine Neue Synagoge für Mainz e.V."
Veranstaltungsreihe STICHWORT: JÜDISCH
Prominente sprechen über ihr persönliches Verhältnis
zur jüdischen Geschichte und Kultur
"Religiös bedingte Verteufelung"
28.10.2006 - Allgemeine Zeitung
ok. In der Veranstaltungsreihe "Stichwort: jüdisch
- Prominente sprechen über ihr persönliches Verhältnis
zur jüdischen Geschichte und Kultur" referierte jetzt Dr. Heiner
Geißler, Bundesminister a.D., über das Thema "Persönliche
Reflexionen zur jüdischen Geschichte und Kultur" im Plenarsaal
des Landtags.
Mit Geißler konnte der Verein "Eine neue Synagoge
für Mainz" bereits zum achten Mal einen prominenten Referenten
gewinnen. Geißlers Teilnahme belegt seine Verbundenheit mit dem
Synagogenprojekt, bei dem nach dem Willen des Vereins in der Hindenburgstraße
ab 2008 eine neue Synagoge entstehen soll. Dort, wo sich jetzt das Hauptzollamt
befindet, hatte noch bis zur Reichspogromnacht im November 1938 eine Synagoge
gestanden.
Desinformation: In seinem Vortrag setzte sich Geißler
mit der Frage auseinander, wie es zum Holocaust kommen konnte. Diese Frage
habe ihn Zeit seines Lebens beschäftigt. Ursächlich für
den systematischen Völkermord sei vor allem Desinformation gewesen.
"Die Juden sind das Opfer einer Verleumdung geworden, man warf ihnen
vor, sie hätten Gott getötet", so Geißler. Tatsächlich
werde in den neutestamentlichen Evangelien von Markus und Matthäus
den Juden fälschlicher Weise die Hauptschuld an der Kreuzigung Jesu
angelastet. Das sei in der Absicht geschehen, den römischen Statthalter
Pontius Pilatus zu entlasten und die noch junge christliche Gemeinde in
Rom zu schützen. Tatsächlich hätte der Prozess nach geltendem
römischem Recht stattgefunden, von dem die Juden nie hätten
Gebrauch machen dürfen, erläuterte Geißler. "Die
religiös bedingte Verteufelung war Grundlage für die Vernichtungsmaschinerie
der Nationalsozialisten", stellte Geißler fest.
Klaffende Lücke schließen: Vereinsvorsitzende
Irina Wittmer zeigte sich vom Vortrag überaus bewegt. Sie äußerte
zudem die Hoffnung, dass mit dem Neubau einer Synagoge die in Mainz "seit
1938 klaffende schmerzhafte Lücke" bald geschlossen werde. Wittmer
gab bekannt, dass noch Gründungsmitglieder für "Magenza
- die Stiftung für jüdisches Leben in Mainz" gesucht würden.
Spender von mindestens 1000 Euro würden als Gründungsmitglied
in der Stifterurkunde aufgenommen. Eines der ersten wurde Landtagspräsident
Joachim Mertes.

Zarte Fragilität hinter der mächtigen
Gestalt
Salomon Korn unterstützt mit Vortrag Synagogenbau in der Hindenburgstraße
und stellt Plan vor
01.04.2006 - Von Markus Häfner, Allgemeine Zeitung
Mit seinem Vortrag "Synagogenbau nach 1945"
unterstützte Salomon Korn, der Vizepräsident des Zentralrats
der Juden in Deutschland, die Bemühungen des Fördervereins "Eine
neue Synagoge für Mainz" und der Jüdischen Gemeinde Mainz
für eine neue Synagoge.
Selbstbewusst reckt er sich zum Himmel, dieser große
moosgrüne Trichter aus Beton. Durch den schmalen, leicht geneigten
Fuß, auf dem er balanciert, symbolisiert er zugleich auch eine gewisse
Unsicherheit: Eine zarte Fragilität hinter der mächtigen Gestalt.
Dieses futuristisch anmutende, ausgebuchtete Trichter-Dach
fängt das Tageslicht ein und lenkt es in den darunter liegenden Synagogenraum,
an den sich - weniger hoch aufragend, aber dafür mit wild-kantiger
Dachkonstruktion - das jüdische Gemeindezentrum anschmiegt. Oder
genauer: anschmiegen könnte, denn alle diese Gebäudepläne,
die an der Stelle der 1938 zerstörten Synagoge in der Hindenburgstraße
entstehen könnten, sind nach wie vor nur eine Vision. Der Förderverein
"Eine neue Synagoge für Mainz" und die Jüdische Gemeinde
der Stadt werben engagiert für das Projekt, denn noch immer ist die
Finanzierung ungewiss.
Salomon Korns Dia-Vortrag im Plenarsaal des Landtags
zeichnete all jene kulturellen Motive und architektonischen Traditionslinien
nach, in deren Nachfolge das vom Architekten Manuel Herz für Mainz
entworfene, exponierte Modell zu verstehen ist: Die ersten Synagogen-Neubauten
in der jungen BRD und DDR hätten sich hinter einer anonymen, schlichten
Außengestalt versteckt. Korn nannte dies eine "Architektur
der scheinbaren Neutralität und des Schweigens".
Zuerst seien die Folgen des Massenmords und der Zerstörung
noch zu quälend gewesen, um einen öffentlichen, baukünstlerischen
Ausdruck dafür zu finden. In den 70er Jahren habe dann die Architektur
zunehmend selbstbewusster jüdische Symbole wie Davidstern oder hebräische
Buchstaben auch nach außen hin gezeigt. Gebäude in Dortmund,
Essen oder Karlsruhe spielten motivisch mit dem Kontrast zwischen Fragilität
(des Stiftszelts der Israeliten in der Wüste) und Stabilität
(des historischen Tempels Salomos).
Erst seit den 90er Jahren, so sagt Salomon Korn, sei
die "notwendige Erinnerung an die Vergangenheit" zunehmend auch
in der Baukunst zu erkennen. In Mainz könnte ein jüdisches Gemeindezentrum
entstehen, dessen "expressiv aufgesplitterte Silhouette" die
Verletzungen und Brüche in der jüdischen Geschichte nicht verschweigt,
das zugleich aber auch optimistisch in die Zukunft weise und sich als
"Schmuckstück" in die städtische Architekturlandschaft
einfügen würde.

Zwischen zwei Religionen
Verein lässt Prominente über ihr Verhältnis zum Judentum
berichten
07.11.2005 - Von Anne Mareile Moschinski, Allgemeine
Zeitung
Dass Mainz zu den traditionsreichsten jüdischen
Gemeinden Europas gehört, davon zeugten einst die beiden aufwändig
gestalteten Synagogen in der Flachsmarkt- und der Hindenburgstraße.
1938 wurden die religiösen Stätten in der so genannten Reichskristallnacht
komplett zerstört, wieder aufgebaut wurden sie seitdem nicht.
Der Verein "Eine Neue Synagoge für Mainz"
engagiert sich deshalb für den Bau eines jüdischen Gemeindezentrums
in der Neustadt. Um einmal mehr auf die Notwendigkeit eines solchen Wiederaufbaus
aufmerksam zu machen, organisiert der Verein zusammen mit dem Erbacher
Hof (Akademie des Bistums Mainz) einen Gesprächsabend, an dem Prominente
über ihr persönliches Verhältnis zur jüdischen Geschichte
und Kultur sprechen. Am Wochenende fand die fünfte Diskussionsrunde
der mehrteiligen Reihe statt.
Neben dem ehemaligen ZDF-Intendanten, Ehrenbürger
Prof. Dr. Karl Holzamer, erzählten Ehrenbürger Klaus Mayer,
ehemals Pfarrer von St. Stephan, sowie der Theologe Prof. Dr. Andreas
Lehnardt, der an der Mainzer Universität Judaistik unterrichtet,
von ihren Begegnungen mit dem Judentum. Prof. Peter Reifenberg, Direktor
der Akademie des Bistums, moderierte die Gesprächsrunde.
Karl Holzamer wusste gleich zu Anfang von einer unterhaltsamen
Anekdote zu be- richten: Zu seinem 21. Geburtstag schenkte ihm eine befreundete
jüdische Familie ein Buch über Goethe, angeregte wissenschaftliche
Diskussionen entwickelten sich daraus, eine Beziehung, "die von Selbstverständlichkeit
geprägt war", so Holzamer. Mit dem jüdischen Philosophen
Adorno besuchte er gemeinsam das Gymnasium in Frankfurt, auch viele Jahre
später diskutierten sie miteinander gesellschaftliche Fragen.
Pfarrer Klaus Mayer, Sohn einer katholischen Mutter und
eines jüdischen Vaters, erinnerte sich auch an die Zeiten, in denen
die Menschen Juden offen diskriminierten und die Straßenseite wechselten.
Mayers Großvater war Vorsitzender der jüdischen Gemeinde in
Mainz, während seiner Amtszeit wurde die Synagoge in der Hindenburgstraße
gebaut. Für den katholischen Pfarrer Mayer war es eine Selbstverständlichkeit,
zwischen zwei unterschiedlichen Religionen aufzuwachsen.
"In Israel ist mittlerweile die Versöhnungsbereitschaft
gegenüber den Deutschen groß. Angefeindet wird man dort nicht",
fügte Andreas Lehnardt hinzu. Er arbeitete nach dem Abitur in einem
israelischen Kibbuz, heute setzt er sich für einen Austausch zwischen
den Religionen ein.

Leise Ironie und manch Biografisches
Lesung aus "Linda Haselwander" von Irina Wittmer bei "Stichwort:
jüdisch"
Vom 05.08.2005 - Allgemeine Zeitung
fu. Es wird kein Zufall sein, dass Linda Haselwander,
Protagonistin des gleichnamigen neuen Romans der Mainzer Autorin Irina
Wittmer, wie ihre Erfinderin 1953 in einem süddeutschen Dorf geboren
wird, mitten hinein in Nachkriegszeit und Wirtschaftswunder. Manche biografische
Spur mag man erahnen in der Lesung im Rathaus, wo Irina Wittmer in einer
Veranstaltung des Vereins "Eine Neue Synagoge für Mainz"
(dessen Vorsitzende die Autorin ist) mit dem Literaturbüro ausgewählte
jüdische Aspekte des Romans vortrug.
Dr. Sigfrid Gauch, Literaturreferent im rheinland-pfälzischen
Kulturministerium, führte in den Roman ein, in dem die schwärmerisch-verliebte
Linda aus ihrem Heimatdorf nach München zieht, wo sie den jüdischen
Studenten Franz kennen lernt, Sohn einer KZ-Überlebenden. "Lakonisch
und mit leiser Ironie" sei der Roman geschrieben, sagte Gauch und
traf damit einen Teilaspekt. Die beträchtlichen Längen des Romans,
wenn Lindas Alltagsleben in aufzählenden Details geschildert wird,
die Handlung und Charakterisierung nicht vorantreiben, sind auch dem mangelhaften
Lektorat des Rhein-Mosel-Verlags anzulasten.
Irina Wittmer hat nämlich die Fähigkeit zu
schneidender Satire, und in den besten Passagen der Lesung zeigte sie
dieses Können. Nie hätte er sich getraut, so etwas zu sagen,
meinte einer der jüdischen Zuhörer, nachdem Wittmer eine fiktive
in Israel lebende Jüdin heftige Kritik an Schriftstellertreffen üben
ließ, bei denen die deutschen Gastgeber sich zu Schiedsrichtern
zwischen Israelis und Palästinensern aufschwingen. An anderer Stelle
legt Wittmer dem Vater ihrer Protagonistin radikal-antisemitische Äußerungen
in den Mund, die man peinlich berührt als Volkes Nachkriegsstimme
erkennt. Dass Wittmer schreiben kann und Sinn hat für scharfsinnige
Sprachspiele, weiß man seit ihrem Erstlingsroman "Die Stimme
der Königin der Nacht beim Üben". Als Einstiegslektüre
für die eigenwillige Autorin zu empfehlen.
Irina Wittmer: "Linda Haselwander". Rhein-Mosel-Verlag,
12,90 Euro. Der Verlag hat eine Website
zum Roman.

Der Dialog braucht Vorbilder
Kardinal Lehmann sprach bei Vortragsreihe zum "Stichwort: jüdisch"
02.07.2005 - Von David Ditzer, Allgemeine Zeitung
In einem Vortrag über den "Vorrang des jüdisch-christlichen
Gesprächs im interreligiösen Dialog" hat Karl Kardinal
Lehmann im Plenarsaal des rheinland-pfälzischen Landtags für
ein offenes Aufeinanderzugehen von Christen und Juden geworben. Ziel müsse
es sein, intensiv miteinander ins Gespräch zu kommen, ohne eigene
Glaubensüberzeugungen aufzugeben.
Herzlich applaudierten alle Zuhörer gleich welchen
Glaubens im gut gefüllten Rund des Saales, als der Mainzer Bischof
an das Rednerpult trat. "Die drei abrahamitischen Religionen - Christentum,
Judentum und Islam - müssen sich mit deutlich erkennbarem Profil
kennen lernen und dann aufeinander zugehen", so Kardinal Lehmann
zu Beginn seiner Rede, die Teil einer Vortragsreihe mit dem Titel "Stichwort:
jüdisch" war.
Initiiert hatte die Reihe der Verein "Eine neue
Synagoge für Mainz e. V.", der sich den Neubau einer Synagoge
in der Neustadt zum Ziel gesetzt hat. Die Vereinsvorsitzende, Irina Wittmer,
berichtete, dass die Gemeinde von 150 auf über 1000 Mitglieder gewachsen
sei.
Die Vortragsreihe "Stichwort: jüdisch"
soll dem Verein jedoch nicht nur "zu mehr Öffentlichkeit verhelfen",
wie es Elke Hammer, Vizepräsidentin des rheinland-pfälzischen
Landtags, als Gastgeberin formulierte. Sie soll auch bedeutenden Persönlichkeiten
"Gelegenheit geben, über ihr Verhältnis zum Judentum, zu
dessen Geschichte und Kultur Auskunft zu geben."
Der Moderator des Abends, Thomas F. Koch vom Kulturprogramm
des Südwest-Rundfunks (SWR 2), sagte: "Es ist ein Zeichen guter
Nachbarschaft, wenn der erster Vertreter der katholischen Kirche in Mainz
um Spenden für die jüdischen Gemeinde trommelt."
Dass eine weitere Verbesserung des Verhältnisses
zwischen Juden und Christen von historischer Bedeutung sei, betonte auch
Kardinal Lehmann. Vom 1. Jahrhundert an hätten sich Christentum und
Judentum sukzessive voneinander entfernt. Die Nazis hätten dann den
vom Christentum über Jahrhunderte verbreiteten Antisemitismus genutzt,
um in den Juden ein Feindbild mit immer neuen Etikettierungen zu kreieren.
Leider gebe es unter den Christen noch heute einen "Bodensatz antijüdischer
Tendenzen", sagte Lehmann.
Um das Verhältnis zwischen Christentum, Judentum
und anderen Religionen weiter zu verbessern, "braucht es Kraft, Mut
und Vorbilder wie Papst Johannes Paul II", sagte Lehmann. "Das
Gespräch zwischen den Religionen soll Bereitschaft zur Aussöhnung
schaffen und jeglichem Fundamentalismus entgegentreten", so der Kardinal.
Besinnung auf die eine Wurzel
Catherine Rückwardt bei "Stichwort: jüdisch"
Vom 11.03.2005
In der Reihe "Stichwort: jüdisch", in
der Prominente über ihr Verhältnis zur jüdischen Geschichte
und Kultur sprechen, stellte Generalmusikdirektorin Catherine Rückwardt
die Komponisten Leonard Bernstein und Gustav Mahler vor.
Von Carsten Becker
Rund 150 Gäste folgten der Einladung des Vereins
"Eine Neue Synagoge für Mainz" in den Plenarsaal des Landtags.
"Bei den Stichworten 'jüdisch' und 'Musik' kommt man an Bernstein
und Mahler nicht vorbei", sagt Catherine Rückwardt. Dies sei
der Grund, warum sich die 45-jährige Generalmusikdirektorin am Staatstheater
gerade für diese beiden Komponisten entschied.
In einem höchst lebendigen Vortrag, immer wieder
unterbrochen von Klangbeispielen, präsentierte die Dirigentin Lebensabschnitte
der beiden Musiker, die trotz unterschiedlicher Persönlickeit ihr
jüdischer Hintergrund verbinde. Während für den 1918 geboren
US-amerikanischen Dirigenten Bernstein ("Westside Story") sein
jüdischer Glaube immer auch politisch geprägt gewesen sei, sei
der österreichische Dirigent und Komponist Mahler (1860-1911) wenig
politisch gewesen. Mahler, der vom jüdischen zum christlichen Glauben
konvertierte, präge wie auch sein Werk innere Zerrissenheit.
Landtagspräsident Christoph Grimm erinnerte zuvor
an gemeinsame Wurzeln christlicher und jüdischer Religion, "den
Glaube an den einen Gott". Zudem sei die Mainzer Geschichte "mit
tausendjähriger jüdischer Tradition ohne das Judentum kaum zu
schreiben". Begeistert waren am Ende auch die Gäste: "Sehr
anschaulich dargeboten", lobte etwa die Mainzer Politik-Studentin
Stephanie Plata beim anschließenden Empfang. Die Moderation hatte
Musikjournalist Eckhard Roelcke.
Der Verein "Eine Neue Synagoge für Mainz"
unterstützt die Jüdische Gemeinde seit rund zehn Jahren mit
Veranstaltungen und Sammlung von Spendengeldern. Ziel ist der Neubau einer
Synagoge, die auf dem Grundstück des ursprünglichen Gotteshauses
in der Hindenburgstraße entstehen soll, das 1938 von den Nazis zerstört
wurde.
Eine Neue Synagoge für Mainz e.V., Tel. 472778,
E-Mail: irina.wittmer@web.de

Verknüpfungen mit jüdischer Kultur
ZDF-Intendant Schächter für "Neue Synagoge"
Vom 22.01.2005
red. ZDF-Intendant Markus Schächter war Gast bei
der Gesprächsreihe "Stichwort: Jüdisch", die vom Verein
"Eine Neue Synagoge für Mainz e.V." organisiert wird. In
seinem Vortrag schilderte Schächter seine ganz persönlichen
"Verknüpfungen" mit jüdischer Geschichte und Kultur:
Beginnend mit seinem Namen, der auch ein häufiger jüdischer
Name sei, seiner Schulzeit in Speyer mit seinen eindrucksvollen Zeugnissen
jüdischer Geschichte, seinem Hebräisch-Unterricht im altsprachlichen
Gymnasium, späteren Begegnungen mit Vertretern der jüdischen
Kultur- und Geisteswelt wie Hans Jonas und Pinchas Lapide, seine Besuche
in Israel bis hin zu seiner heutigen Mainzer Adresse in einer Straße,
die den Namen des großen jüdischen Schriftstellers Lion Feuchtwanger
trägt. Im Anschluss an seine Rede trat Schächter in den Verein
ein.
Weitere Termine von "Stichwort: Jüdisch":
9. März, Landtag, mit Generalmusikdirektorin Catherine Rückwardt
über Leonhard Bernstein und Gustav Mahler
30. Juni, Landtag, mit Kardinal Lehmann.

"Europa ist viel ärmer geworden"
CDU-Landeschef Böhr erinnert zum Auftakt der Reihe
"Stichwort Jüdisch" an den Holocaust
27.08.2004 - Von unserer Mitarbeiterin Cordula Niederelz
Welche Beziehung hat jeder Einzelne von uns zum Judentum?
Diese Frage würde so manchen ins Grübeln bringen. Nicht anders
erging es dem CDU-Landesvorsitzenden Christoph Böhr. Er eröffnete
im Rathaus die Veranstaltungsreihe "Stichwort Jüdisch",
in der in den kommenden Monaten noch weitere Prominente über ihr
persönliches Verhältnis zur jüdischen Geschichte und Kultur
sprechen werden.
Dazu eingeladen hatte der Verein "Eine neue Synagoge
für Mainz", der die jüdische Gemeinde finanziell und ideell
beim Bau eines neuen Gemeindezentrums unterstützt. Durch ihre Teilnahme
an der Veranstaltungsreihe könnten herausragende Persönlichkeiten
ihre Verbundenheit mit dem Synagogenprojekt zeigen, sagte die Vorsitzende
Irina Wittmer.
Der stellvertretende Chefredakteur der AZ, Peter Königsberger,
führte in den Vortrag von Christoph Böhr ein. Er machte deutlich,
"dass das Verhältnis von Juden und Deutschen immer noch nicht
normal ist." Er betonte jedoch, dass Deutschland vielen Juden nach
dem Zweiten Weltkrieg zur Heimat geworden sei.
An den Holocaust und seine Folgen knüpfte Christoph Böhr an.
"Wenn ich über mein persönliches Verhältnis zum Judentum
nachdenke, dann empfinde ich vor allem Trauer über ein Europa, dass
seit dem Zweiten Weltkrieg unendlich viel ärmer ist." Die europäische
Geistes- und Kulturgeschichte - und hier besonders die Philosophie - ist
nach Meinung Böhrs tief geprägt durch das Judentum. "Wer
sich für europäische Kultur interessiert kommt nicht umhin sich
mit den jüdischen Wurzeln zu beschäftigen", sagte Böhr
und meinte sogar "Wer das nicht tut, kann nicht begreifen, was europäische
Kultur ist".
Als persönlichen Bezugspunkt zum Judentum nannte
Böhr seine christliche Erziehung, bei der er das Judentum als wichtigen
Bestandteil empfunden habe. Darüber hinaus lebt Böhr in Trier
seit mehr als 30 Jahren in unmittelbarer Nachbarschaft zur jüdischen
Gemeinde. Er sei dadurch zwar kein Kenner des Judentums geworden, empfinde
aber Sympathie und Verbundenheit. Als praktische Konsequenz daraus unterstrich
der CDU-Landesvorsitzende seine "sehr parteiliche Sicht der Lage
im Nahen Osten".
Wie sehr diese Problematik das Verhältnis vieler
Deutscher zum Judentum dominiert, zeigte die anschließende, teils
hitzige Diskussion. Fast geriet dabei das eigentliche Anliegen in den
Hintergrund: um Unterstützung für den Synagogen-Bau zu werben.
Deshalb betonte Irina Wittmer: "Der Wiederaufbau von Mainz ist erst
dann vollendet, wenn es hier auch wieder ein jüdisches Gemeindezentrum
gibt." Dafür liege der Entwurf des Kölner Architekten Manuel
Herz vor. Außerdem habe die Stadt 3,5 Millionen Euro zugesagt. Unklar
sei, in welcher Höhe sich das Land an der Finanzierung beteiligen
werde.
Aus: Allgemeine
Zeitung © Mit freundlicher Genehmigung
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