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Die neuen Israelis
15 Jahre nach dem Öffnen der Tore in der früheren UdSSR

Zusammengestellt nach einem Artikel von Sever Plotzker, erschienen in der Zeitung Yedioth Ahronoth

15 Jahre nach dem Öffnen der Tore an den Grenzen der früheren UdSSR, die die Aliyah von einer Million neuer Einwanderer nach Israel ermöglichte, berichten wir über eine tiefgehende 4teilige Umfrage, die kürzlich in der meistgelesenen Zeitung in Israel, Yedioth Ahronoth, erschien und von den beiden bekannten Journalisten Sever Plotzker und Natasha Mosgovia verfasst wurde.

Teil 1 Als aus dem “Wir und Du” ein gemeinsames “Wir” wurde
Teil 2 Ein entscheidender Beitrag für die Gesellschaft und Wirtschaft Israels
Teil 3 Fünf Ansichten zur Einwanderer-Integration
Teil 4 Tatsachen und Zahlen

Vor 15 Jahren hat Russland seine Tore geöffnet - Die überwältigende Mehrheit der russisch-jüdischen Einwanderer entschied sich dafür, in Israel zu bleiben - Israelis waren anfangs ablehnend eingestellt, aber heute sagen sie: Diese Einwanderungswelle war von grundlegender Bedeutung - Die Geschichte der größten Einwanderungswelle in der Geschichte von Israel

Teil 1: Als aus dem “Wir und Du” ein gemeinsames “Wir” wurde

Die eine Million an neuen Einwanderern, die in Israel ankamen, seit Michail Gorbatschow die Genehmigung erteilte, dass Juden die UdSSR verlassen durften, haben das Gesicht von Israel völlig verändert. Die Euphorie wich bald einer Feindschaft, aber auch diese hat sich gelegt und heute stimmen 72 % der eingesessenen Israelis darin überein: “Die “russische Einwanderung” war für Israel von grundlegender Bedeutung. Ohne deren Standhaftigkeit ist zu bezweifeln, ob wir die Intifada überstanden hätten. Sie haben neuen Schwung in die Wirtschaft gebracht und die Entwicklungsstädte gerettet. Sie sind mit ihren Mitbürgern zufriedener als eingesessene Israelis. 68% fühlen sich als Israelis ? 85% wollen bleiben. Experten, die von einem Zusammenprall der Kulturen ausgingen, haben sich geirrt

Im Frühjahr des Jahres 1993, als bereits 400.000 Einwanderer aus der UdSSR in Israel angekommen waren, besuchte Israels Ministerpräsident Yitzchak Rabin Moskau. Das Ende der Reise stand ganz im Zeichen einer festlichen Veranstaltung zu Ehren von Israel. Tausende von jüdischen Menschen füllten die große und äußerst unattraktive Halle im Kreml, in der einst die Konferenz der kommunistischen Partei abgehalten wurde. Die Bühne, auf der bis kurzem reihenweise ernst dreinschauende Mitglieder des Zentralkomitees in ihren grauen Anzügen und mit vom Vodka geröteten Gesichtern gestanden waren, war mit israelischen Fahnen und Staatssymbolen geschmückt. In dieser Nacht war die Halle voller junger Menschen aus Tel Aviv und aus Moskau, Reden wurden auf Hebräisch und Russisch gehalten und die "Hatikva", die israelische Nationalhymne, wurde gespielt.

Die Juden tanzten an Breschnews Grab – der Kommunismus war tot, der Zionismus hatte gesiegt. Israel erhielt, wovon es nicht zu träumen gewagt hatte – die letzte Welle einer Masseneinwanderung im 20. Jahrhundert.

Hoffnung und Stolz

Zu Beginn der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts lebten in Russland 2,2 Millionen Juden. Heute gibt es lediglich noch 400,000 Juden in jenen Ländern, die früher zusammen die UdSSR gebildet hatten. Das Gebet "Let my people go" war erhört worden. Die meisten, die die UdSSR verließen, mehr als eine Million Frauen, Männer und Kinder, wanderten nach Israel aus. Die erste relativ kleine Welle bestand aus Einwanderern, die sich an zionistischen Aktivitäten beteiligt hatten und am Widerstand gegen die Regierung beteiligt gewesen waren. Die zweite, riesige Welle, bestand aus jüdischen Menschen aller Richtungen.

Die russischen Tore öffneten sich und ermöglichten die unbehinderte Ausreise im Jahre 1989 und seitdem sind 950.000 Einwanderer in Israel angekommen. Zuerst kamen sie über die Transit-Stationen in Finnland, Ungarn und Rumänien und danach mit Direktflügen aus allen Teilen des zerfallenen Reiches. Auf dem Höhepunkt des Exodus kamen jeden Tag 1000 Einwanderer auf dem Ben Gurion-Flughafen an. Nie zuvor hatte Israel eine derartige Einwanderungswelle erlebt.

Eine weitere Million Israelis. Jeder 6. Jude in Israel war ein neuer Einwanderer aus Russland.

Sie flohen nicht vor der Verfolgung, sie litten auch nicht in den Kerkern des KGB vor ihrer Auswanderung. Sie lernten nicht heimlich Hebräisch und hörten auch nicht "Kol Zion La'Gola" (Israels Radiostation für die Diaspora) hinter verschlossenen Türen. Es waren gewöhnliche Leute, Menschen wie Sie und ich, die eines Tages, aus irgendeinem besonderen Grund, ihre Sachen in einfache Kartons und platzende Plastiktüten zusammenpackten und sich geduldig anstellten, um ihre Einreisevisa nach Israel zu erhalten – in das Auserwählte, wenn auch nicht besonders sichere Land.

Sie brachten mit sich all die Jahre, die sie in Russland verschwendet hatten, ihr Bedauern darüber, dass diese Probleme nicht von ihrer Generation bewältigt werden konnten, sie brachten ihre Kinder mit, die auf der gesamten Reise nach Israel weinten, ihre Gläser mit Gemüse, die ihnen das Überleben in ihren ersten Tagen in der Wüste ermöglichten. Sie brachten auch ihre Großmutter aus irgendeiner Kolchose (kommunistischer Kollektiv-Bauerhof) mit, die ihren Kopf mit einem geschmückten Kopftuch bedeckt hatte, und auch ihren patriotischen kriegserfahrenen Großvater hatten sie dabei, der zwei Reihen von Kriegsauszeichnungen auf seiner Brust zur Schau stellte.

So gewöhnlich und doch so verschieden waren sie, diese Juden, aus denen sich die russische Einwanderungswelle nach Israel am Ende des 20. Jahrhunderts zusammensetzte.

Sie wurden keinen stereotypen Vorstellungen gerecht. Sie waren nationalistisch aber nicht religiös, kultiviert aber nicht des Englischen mächtig, sie waren Handwerker, stammten jedoch nicht aus dem Nahen Osten oder aus Nord-Afrika. Im Gegensatz zu jenen Juden der früheren Einwanderungswellen aus Marokko und Polen, schämten sie sich ihrer Herkunft nicht. Das Gegenteil war der Fall und sie waren auf das Reich stolz, das sie verlassen hatten, auf seine Kultur, seine Sprache, seine Schätze und seine Landschaften. Sie hatten und sie haben nach wie vor zwei Vaterländer und sie leben in Frieden mit beiden.

Überraschung und Freude

Alle wurden von dieser Welle der Masseneinwanderung überrascht, vor allem die Einwanderungs-Fachleute – genauso wie der Zusammenbruch des Kommunismus die kommunistischen Experten überraschte.

Kurz vor dem Pessach-Fest im Jahre 1988 trat Prof. Haim Ben-Shachar an mich heran, der damals den jüdisch-amerikanischen Geschäftsmann Armand Hammer in Israel repräsentierte, und mich bat, Hammer für die Ferien-Beilage der Zeitung zu interviewen. Hammer besaß eine große Ölfirma und hatte weitreichende und umfangreiche Handelsbeziehungen mit russischen Firmen beibehalten. Er war für seine gute Beziehungen zum Kreml bekannt und dafür, wie er auch in den dunkelsten Stunden des Breschnew-Regimes durch dessen Tore ein- und ausgegangen war.

Das Interview wurde über Hammers Büro vereinbart. Seine Stimme klang aufgeregt trotz seines fortgeschrittenen Alters. Wir sprachen über gewöhnliche Dinge, über Geschäfte, Öl und das Ende des Kalten Krieges. Plötzlich sagte Hammer, „ich habe in dieser Woche mit dem neuen Generalsekretär der UdSSR, Michail Gorbatschow, zu Abend gegessen. Ein großer Führer, die Gorbatschow, ich fragte ihn, „Genosse Gorbatschow, warum gewähren sie den Juden nicht die Freiheit, aus ihrem Land nach Israel auszuwandern?“ Er antwortete, „Sie haben recht, Herr Hammer. Ich verspreche Ihnen, dass wir innerhalb weniger Monate die Tore der UdSSR öffnen werden. Jeder Jude, der dies will, wird auch die Erlaubnis haben, zu gehen.“

Das Gespräch wurde in der Yedioth Ahronoth am 22. April 1988 veröffentlicht. Obwohl dies die erste jemals veröffentlichte Äußerung war, die auf eine Änderung der sowjetischen Politik hinwies, wurde dennoch keine Begeisterung laut. Die Jewish Agency und "Verbindungsbüro" –Offizielle maßen ihr keine große Bedeutung zu. Einige von ihnen riefen die Zeitung an und sagten, „sie haben den russischen Juden großen Schaden zugefügt. Sie sollten keine grundlosen Gerüchte veröffentlichen. Hammer ist ein Phantast. Wir verhandeln gegenwärtig mit der neuen Regierung, um eine allmähliche Auswanderung von 100.000 Juden in einem Zeitraum von fünf Jahren genehmigt zu bekommen.“

Zu Pessach 1988 glich die Vorstellung von 100,000 neuen Einwanderern einem Märchen. Die Tore öffneten sich ein Jahr später. Gorbatschow hatte sein Versprechen gehalten.

Wir bezeichneten sie als die „Russen“. Zuerst hießen wir sie mit offenen Armen willkommen. Wir waren davon angetan, dass jemand, der soweit entfernt wohnte, sich auch nur dafür interessierte, sich bei uns hier in Israel niederzulassen. Wir hatten keine große Selbstachtung in dieser Zeit zwischen dem Ende der ersten Intifada und dem Beginn des ersten Golfkrieges. Wir betrachteten ihre Ankunft als eine Art von Kompliment wie auch als eine Möglichkeit, die demographische Balance zwischen Juden und Arabern in Israel zu verbessern.

Feindschaft und Angst

Innerhalb kurzer Zeit veränderte sich die Aufregung in Feindschaft. Was sollen wir mit all diesen Menschen tun, fragten wir uns. Wie sollten wir Hunderttausende von neuen Einwanderern ohne Vermögen oder Wohnungen unterstützen? Wie sollten die Strassen gebaut werden, wie stand es um die Ausbildung, Gesundheitsdienste und vor allem um die Arbeitsplätze? Unser eigenes Fleisch und Blut war zu fremden Objekten in unserer Mitte geworden. Sie waren gekommen, um uns unsere Arbeitsplätze wegzunehmen, unsere Mieten würden steigen, sie würden uns sozial zu Bürger 2. Klasse machen und uns unseres sozialen Status berauben, für den wir so hart in den vergangenen Jahren gearbeitet hatten.

Die Behauptungen der Ökonomen, dass diese neue Welle der Einwanderung zu verstärkter wirtschaftlicher Aktivität führen, das Wachstum beschleunigen, den wirtschaftlichen Kuchen vergrößern, die Arbeitslosigkeit vermindern und nicht verstärken und die Gehälter steigen und nicht abnehmen würden sowie Israels Gesellschaft davon einen Nutzen hätte und keinen Schaden, dies alles war nicht überzeugend.

Das Gefühl der Bedrohung verstärkte sich, es wurde von großen Teilen der Bevölkerung geteilt und erreichte ein Ausmaß, das von einem der führenden Einwanderungsexperten des Landes, Prof. Eliezer Leshem, als "ein Zustand des Wettbewerbes und des Konfliktes zwischen Eingesessenen und Neueinwanderern“ bezeichnet wurde. Ein tiefer, nicht ausgesprochener feindlicher, Bruch entwickelte sich in den Beziehungen zwischen eingesessenen alten Israelis und den Neuankömmlingen aus der früheren UdSSR.

In einer Zusammenfassung über die Lage der Einwanderer in Israel, der für den Joint erstellt wurde, schrieb Prof. Leshem von der Hebräischen Universität für Sozialforschung, „Untersuchungen weisen auf eine Zunahme von Zusammenstössen zwischen Eingesessenen und neuen Einwanderern hin, der sich in negativen Ansichten über die Einwanderer ausdrückt und die an Stärke gewinnt.“ Gewisse Teile der eingesessenen Bevölkerung formulierten schnell eine Einstellung, die neue Einwanderer (im Gegensatz zur “Einwanderung“ als einen abstrakten nationalen Gedanken) eher als eine Belastung als eine Investition für die Zukunft betrachten. Eine Bedrohung also statt einer Gelegenheit.

Von 1995 bis 2000 wurden neue Einwanderer als eine körperliche Bedrohung für die Bevölkerung in den Entwicklungsstädten Israels betrachtet, wo sie teils als Juden, teils als Russen angesehen wurden, die grundlegende soziale Werte aufgegeben hatten und, indem sie Arbeitsplätze einnahmen, diese damit den Eingesessenen wegnahmen. In jenen Tagen, in denen die Stimme der Shas-(Sephardische Torah-Wächter) Partei gehört wurde, beteiligten sich Rabbiner an einer Kampagne, die vor allem daraus bestand, vor Hunderttausenden von “Nicht-Juden” zu warnen, die zwar nach dem israelischen Rückkehrergesetz in das Land gekommen waren, aber nach der Halacha (dem jüdischen religiösen Gesetz) nicht als Juden galten und deshalb für den jüdisch-religiösen Charakter Israels eine ernste Bedrohung darstellten.

Zur gleichen Zeit gab es viele Geschichten über die Mafia, Auftragsmorde, Schmuggel, Alkoholismus, Gewalttätigkeiten und Frauenhandel. Nach Prof. Leshem haben die hebräischen Medien diese Vorurteile mit voreingenommener Berichterstattung noch verstärkt. „Ein großer Schatten legte sich über die Einwanderungswelle, trotz des menschlichen Kapitals, das damit ins Land kam.“

Und dann machte sich die Intifada im israelischen Alltag breit und die Prioritäten änderten sich. Unter dem Schatten des Terrors verflüchtigte sich der angebliche Gefahr, die von Masseneinwanderung drohte. Der Streit, ob Israel als ein „Schmelztiegel“ oder als „ein Ort verschiedener Kulturen“ angesehen werden musste, wurde beigelegt.

Das akademische Argument, das fragte, ob die israelische Gesellschaft von den Neueinwanderern verlangten durfte, dass diese ihre Vergangenheit aufgeben und sich voll in die israelische Kultur einzufügen hätten oder ob die israelische Gesellschaft den Reifegrad, das Mitgefühl und den Realismus hätte, „das Anderssein“ und die einzigartigen Qualitäten der verschiedenen Einwanderungsgruppen, die sich integrieren wollen, zu tolerieren, wurde in eine abgelegene Ecke gestellt. Alle diese Fragen wurden tief unter dem verbrannten Pflaster auf der Promenade von Tel Aviv, vor dem zerstörten Gebäude des Dolphinariums, begraben.

Eingesessene Israelis von heute, auch jene, die es nicht zugeben wollen, haben erkannt, dass Israel die gegenwärtige Intifada nicht ohne die Russen hätte besiegen können. Ihr Durchhaltevermögen hat unsere Widerstandskraft gestärkt. Ihr stilles Leiden ergänzte unsere laute Art zu leiden. In den dunkelsten Stunden Israels während der Terror-Anschläge, zeigte die russische Gemeinschaft in Israel vorbildlich, wie man den Verlust akzeptiert, wie man die Zähne zusammen beißt und wie man mit dem Leben hier weitermacht.

Während Einwohner von Ramat Aviv Gimmel (einer wohlhabenden Wohngegend bei Tel Aviv) über das Ende des Staates sprachen und in der Schweiz Bankkonten eröffneten, führen die Kinder von Afula Illit, von denen die Hälfte “Russen” sind, weiterhin mit dem Bus zur Schule, während die "Babuschkas" zu den frischen Gräbern beten gingen. In einer merkwürdigen Umkehr der Rollen gaben die „Assimilierten“ den „Eingesessenen“ eine Lehrstunde in Sachen praktischen Zionismus

Teil 2: Ein entscheidender Beitrag für die Gesellschaft und Wirtschaft Israels

Fleiß und Lohn

Die Einwanderer aus Russland kamen nach Israel, um hier zu arbeiten, und nicht um von der Sozialhilfe zu leben. Ihr Anteil an der arbeitenden Bevölkerung, besonders jener der eingewanderten Frauen, ist weit höher als der von eingesessenen Israelis und die Arbeitslosenrate liegt unter den Einwanderern bei lediglich 9%. Jene, die im Jahre 1990 kamen, ließen sich ebenso wie jene, die im Jahre 2000 kamen, nicht abschrecken und nahmen jede Arbeit an. Sie sind darauf vorbereitet, ihren beruflichen Stolz zu unterdrücken, ihre eingerahmten Abschluss-Urkunden der Universität von Leningrad zuhause zu lassen und zur Arbeit zu gehen, um Töpfe in Krankenhäusern zu säubern. Dies tun sie alles, solange sie Geld nachhause bringen, um für die Ausbildung ihrer Kinder aufkommen zu können.

Die Einwanderer haben auch ihren Anteil zur Entwicklung des israelischen Hi-Tech-Bereiches beigetragen (ohne sie hätte dieser Bereich niemals seine gegenwärtige Bedeutung erlangen können – etwa 100.000 Ingenieure kamen in Israel zwischen den Jahren 1989 und 2002 an). Ganz im Gegenteil zu vielen falschen Annahmen, arbeiten etwa 1 Drittel der Einwanderer in Dienstleistungsbranchen – in der Industrie, im Handel, im Servicebereich und im Transportwesen. Ihre Gehälter sind wesentlich niedriger als die der eingesessenen Israelis, aber die Zahl der Arbeitstätigen pro Familie liegt höher und die Familien sind kleiner.

Nach einer besonderen Untersuchung, die von Dr. Mina Zemach vom Dahaf-Institut durchgeführt und von der Zeitung 'Yediot Acharonot' in Auftrag gegeben wurde, besitzen die Hälfte der Einwanderer-Familien ein Auto und 63% besitzen ihre eigene Wohnung. Die Einwanderer, die mit der ersten Welle im Jahre 1994 ankamen, haben sich gut eingelebt - 76% besitzen ihre eigenen Wohnungen, fast alle haben einen Arbeitsplatz und ihr Lebensstandard ist erträglich. 67% drückten ihre Zufriedenheit mit ihrer Lage aus – eine erstaunliche Leistung in einem Land, dessen Bürger dazu neigen, mit fast allem unzufrieden zu sein, fast schon aus Prinzip.

Israels Klagen, dass für die Eingliederung der Einwanderer lediglich beschränkte Mittel vorhanden seien, haben sich angesichts der Tatsachen als irreführend erwiesen. Zwischen 1992 und 1996 erhielt Israel finanzielle Beihilfen der US-Regierungen der Amtszeiten von Präsident Bush Sen. und Bill Clinton in Höhe von $ 9 Milliarden zugunsten der Eingliederung von Einwanderern. Das meiste dieses Geldes wurde nicht benötigt und wurde für andere Zwecke verwendet oder kam der Aufpolsterung der nationalen Währungsreserven zugute. Die Geschwindigkeit, mit der sich die neuen Einwanderer in den vorhandenen Arbeitsmarkt eingliederten, verblüffte die Wirtschaftswissenschaftler.

Der verstorbene Yitzchak Modai war der Finanzminister, der die “direkte Integrationspolitik” entwickelte, nach der die Regierung jedem Einwanderer ein “Eingliederungspaket” in bar gewährt, das der Einwanderer für einen Zweck seiner Wahl verwenden kann. Die Verantwortung für die erfolgreiche Eingliederung, soweit dies möglich war, lag beim Einwanderer selbst statt in den Händen von Bürokraten. Der Prozess der direkten Eingliederung erwies sich als unglaublich erfolgreich sowohl für die Neueinwanderer wie für die eingesessenen Israelis, die ihnen bei der Eingliederung zur Seite standen.

Die Welle der Eingliederung aus Russland war wirtschaftlich ein enormer Erfolg für Israel und kann in vielen Milliarden Dollar nachgewiesen werden. Aber es hätte ein noch größerer Erfolg werden können – das menschliche und akademische Kapital, das mit den Einwanderern ins Land kam, wurde verschwendet, da die Bedürfnisse der Wirtschaft anders gelagert waren und diese nicht dazu in der Lage war, für die neuen Berufe die entsprechenden Arbeitsplätze anzubieten, um damit auch einen neuen Markt zu schaffen.

Wenn zum Beispiel Israel sein nationales Eisenbahn-System bereits vor einem Jahrzehnt entwickelt hätte statt erst heute, dann hätten Eisenbahningenieure aus Russland nicht als Tankwarte arbeiten müssen und Israel müsste heute nicht ausländische Experten mit hohen Kosten ins Land bringen.

Das Wachsen und Schrumpfen der Wirtschaft und Geschäftswelt von Israel wird immer auch und sehr direkt von den Einwanderungswellen beeinflusst. Wenn sie wachsen, dann blüht der israelische Markt auf, das Bruttosozialprodukt wächst, die Investitionen nehmen zu, die Arbeitslosigkeit fällt und der Lebensstandart für alle steigt. Wenn die Einwanderung abnimmt, so schrumpft auch die Wirtschaft und die Arbeitslosigkeit steigt dramatisch an. Die stärkste Arbeitslosigkeit ist immer dann zu verzeichnen, wenn es fast keine Einwanderung gibt.

Dies ist die Dynamik des israelischen Marktes, die so zum ersten Mal von Prof. Michael Bruno, einem leitenden Mitarbeiter der Bank von Israel, während der Jahre der Masseneinwanderung beschrieben wurde. Zu dieser Zeit nahm Prof. Bruno an, dass jene am meisten von den Einwanderungswellen haben, die mit den Einwanderern direkt konfrontiert werden – die Einwohner der Entwicklungsstädte.

Einstellung und Ablehnung

Die Einwanderung hat das soziale Gefüge der Entwicklungsstädte in Israel gerettet. Sie hat ihren Niedergang aufgehalten und sie zu gesuchten Wohngegenden gemacht.

Die Bevölkerung in den Städten der Randgebiete wuchs um fast 20%. In Kiryat Gat, Carmiel und Ashdod zum Beispiel machen Einwanderer 30 % der Einwohner aus. Wie würde heute Beer Sheva ohne die Zuwanderung von 55,000 Einwanderern aussehen. Wie würde Ober-Nazareth ohne seine 22.000 Einwanderer aussehen?

Neues Blut, das von Einwanderern, motivierte dazu, sich niederzulassen und erfolgreich zu sein, sie strömten in Randgebiete, wo sie die Vielfalt des Lebens veränderten und zur Verschiedenartigkeit des Lebens und der Kultur beitrugen und dabei zur Hebung des Sozialgefüges beitrugen – bis zum Ausbruch der nationalen Krise in den vergangenen drei Jahren. Die meisten der Entwicklungsgebiete hätten die Krise ohne diese in ihrer Mitte lebenden Einwanderer nicht überstanden.

Fragen Sie jeden Bürgermeister einer Entwicklungsstadt, ob er sich wünscht, dass neue Einwanderer in seine Stadt ziehen. Die Antwort liegt auf der Hand. Es ist deshalb unwichtig, was Einwohner von Lod, Afula oder Hazor Haglilit in Augenblicken des Ärgers und der Nöte über die “Russen” sagen. Was wichtig ist, ist der aktuelle Prozess, der vor sich geht. Das Nebeneinander ersetzt Zusammenstösse und die Einstellung bewältigt die Feindschaft.

Die sephardische gegen die russische Revolution? Nichts dieser Art! Der Krieg zwischen “Russen” und “Marokkanern”, den die Fachleute an palästinensischen, ägyptischen und sogar israelischen Instituten mit Sicherheit voraussagten - angesichts einer möglichen zerfallenden israelischen Gesellschaft, das alles trat nicht ein. Das israelische Mosaik fügte sich zusammen.

Heute glauben drei von vier eingesessenen Israelis (die vor 1989 ankamen), dass die Einwanderung für Israel lebenswichtig ist. 62 % akzeptieren, dass die Einwanderung einen positiven Einfluss auf die Beschäftigungszahlen hat. Lediglich ein Viertel ist nach wie vor der Meinung, dass die Einwanderung die Beschäftigungsmöglichkeiten für eingesessene Bürger verringert. Die ist ein deutlicher Wendepunkt. Vor vier oder fünf Jahren noch waren fast die Hälfte der eingesessenen Bürger Israels der Meinung, dass ihnen die Einwanderer die Arbeitsplätze stehlen.

Fahne und Sprache

"Russische Einwanderung" ist nicht alleine auf die Russen beschränkt. Von der eine Million neuer Einwanderer kamen nur 300.000 aus Russland, die gleiche Zahl kam aus der Ukraine. Andere kamen aus Ländern an der Ostsee und aus islamischen Republiken. Eine Vielzahl von Völkern mit zahlreichen Lebensstilen und komplexen Gemeindebeziehungen. Es ist schwierig, sie in nach bekannten Kriterien einzuordnen – sind die Juden aus Taschkent Aschkenasim? Orientalen? Oder ganz andere?

Diese letzte Gruppe schließt Einwanderer ein, die in Israel nach dem Rückkehrergesetz einwanderten, jedoch nach der Halacha keine Juden sind. Deren Zahl beträgt 250.000 bis 280.000, was etwa ein Viertel dieser Einwanderungswelle darstellt (In den letzten drei Jahren machen Neueinwanderer, die nach den jüdischen religiösen Gesetzen nicht als Juden anerkannt werden, über 55 % aus).

Wer sind diese „Nicht-Juden“? Ein Drittel haben jüdische Väter. Sie betrachten sich selbst als Juden und Kinder von Juden, wie dies auch ihre christliche Umwelt tut. 20% haben jüdische Grosseltern. Die meisten haben jüdische Ehepartner oder Lebensgefährten und alle haben sich dazu entschlossen, ihr Schicksal mit dem von Israel zu verbinden, in der Armee des Landes zu dienen und ein integrierter Teil des Landes zu sein. Ihre Identifikation mit dem Land ist nicht geringer als die der eingesessenen Israelis. Es sind wir, mit unserem Hang zur Vereinfachung sowie die Härte unserer Rabbiner, die sie ablehnen und ihre Entfremdung, Frustrierung und Abschottung verursachen. Dies ist ein unverzeihliches demographisches Verbrechen.

Ist die russische Mafia in Israel aktiv? Einige Banden, die von Russen geleitet werden, sind im Frauenhandel tätig, aber jeder, der die Milliarden an schwarzem russischen Geld sucht, das angeblich in Israel gewaschen worden ist, muss woanders suchen. Sogar die israelische Polizei konnte keine Spur davon ermitteln. Nur ein russischer Geschäftsmann ist in Israel angeklagt worden, für Verbrechen, die Lichtjahre von Mafia-Aktivitäten entfernt sind. Das anhaltende Geschwätz von Anklagebehörden über die „Russische Mafia“ hat lediglich dazu beigetragen, mögliche Investoren zu entmutigen.

Die Einwanderer haben eine neue Art von israelischer Jüdischkeit entstehen lassen, die weniger religiös sondern nationalistischer geprägt ist, weniger hebräisch aber kämpferischer, weniger polnisch-marokkanisch aber russischer. Bücher mögen darüber geschrieben worden sein, ob ihre Einstellung, gleichzeitig russisch, jüdisch oder israelisch zu sein, ein Vorteil oder ein Nachteil ist. Welche Identität mag größer sein und welche Kultur mag wohl “dominieren”? Es ist zu bezweifeln, ob diese Frage jemals zur Zufriedenheit aller beantwortet werden kann oder ob sie sich überhaupt stellt.

Die Studie zeigt, dass 48% aller Einwanderer, die seit 10 Jahren oder mehr in Israel leben, immer noch nicht fließend Hebräisch oder überhaupt kein Hebräisch sprechen. Die meisten benützen russisch als Alltagssprache. Aber sie sind nicht in Ghettos abgeschottet und bleiben auch nicht unter sich. Sie denken wie Israelis, atmen wie Israelis und sie haben ein israelisches Bewusstsein.

Die Einwanderer wurden gefragt, in welchem Ausmaß sie zur israelischen Gesellschaft gehören wollen. 74% sagten, dass sie gerne oder sehr gerne Teil von ihr sein wollen. 68% haben das Gefühl, dass sie bereits dazu gehören. 81% von jenen, die vor zehn oder mehr Jahren ankamen, sind voll akzeptierte Mitglieder dieses merkwürdigen Clubs, der sich israelische Gesellschaft nennt. Sie sehnen sich in gewissem Masse nach ihren Geburtsländern zurück, aber das gibt sich mit der Zeit. Für 97% ist die Rückkehr zu Putin keine Alternative.

Der Anteil der Auswanderung unter diesen Einwanderern ist minimal. Das wichtigste Ergebnis ist die Tatsache, dass 95% ihrer Kinder in Israel geboren sind, für die Israel das Vaterland ist. Für sie sind Blau und Weis die wichtigsten Farben geworden.

Die Zusammenfassung bezüglich der größten Einwanderungswelle in der Geschichte Israels kommt zu einem positiven Ergebnis. Die eine Million Einwanderer, die aus Russland kamen, bevor und nachdem der Staat zerfiel, haben Israel voran gebracht. Sie haben sich in unserer Mitte assimiliert und auch wir haben uns ihnen gegenüber assimiliert.

Diese gegenseitige Synthese ist immer schon ein Eckpfeiler der israelischen Lebensfreude gewesen.

Teil 3: Fünf Ansichten zur Einwanderer-Integration

A. Chiborshke und Koexistenz:

Heute sind 60% der Einwohner von Bnei Ayish, gegründet von Einwanderer aus dem Jemen, neue Einwanderer aus Russland

Die Zufahrt zur südlich gelegenen Gemeinde Bnei Ayish ist kaum zu verfehlen, auch wegen des farbenprächtigen Schildes in Russisch und der darauf gemalten merkwürdigen Kreatur mit den großen Ohren. Das Schild dient als Werbung für einen örtlichen Kindergarten und die merkwürdige Kreatur heißt Chiborshke, Held einer bekannten Zeichenserie im russischen Fernsehen.

Die Anwesenheit von Chiborshke ist nicht überraschend - Bnei Ayish ist die israelische Gemeinde mit dem höchsten Anteil an russisch sprechenden Einwohnern und mehr als 60 % der Einwohner stammen aus Russland. Mark Bessin, in seiner zweiten Amtszeit Vorsitzender des örtlichen Stadtrates, ist ein eingesessener Einwanderer aus Georgien, und war, bis zu den vergangenen Wahlen (bei denen Simcha Yosipov zum Vorsitzenden des Stadtrates von Or Akiva gewählt wurde), der einzige "russische" Stadtratsvorsitzende in Israel.

Bnei Ayish wurde 1958 gegründet, aber bis 1990 gab es dort nur 1200 Einwanderer, die meisten jemenitischer Abstammung. Aber die große Einwanderungswelle änderte dies alles und heute weist die Stadt 7500 Einwanderer auf.

„Es herrscht kein Mangel an Spannungen”, gibt Bessin zu. „Aber es gibt definitiv das Gefühl der Koexistenz. Ich sage immer, dass es Probleme gibt, die nicht offensichtlich sind, lasst uns versuchen, auf unsere besonderen Empfindlichkeiten Rücksicht zu nehmen.“ Eine dieser „Empfindlichkeiten“ war die Eröffnung von drei örtlichen nicht-koscheren Lebensmittelgeschäften. "Zu Beginn der 90er Jahre wurden einige Geschäftsfenster zerschlagen”, erinnert sich Bessin. „Die Einwanderer forderten, dass die Geschäfte an den Samstagen geöffnet bleiben sollten.

Die hier schon eingesessenen Einwohner protestierten natürlich dagegen und stellten die Gegenforderung auf, dass alle Strassen an den Samstagen für den Verkehr gesperrt werden sollten. Beide Forderungen waren extrem. Im Jahre 1999 versuchte eine örtliche Fußballmannschaft ganz aggressiv an Samstagen auf einem Fußballplatz zu spielen, der im Herzen einer älteren Wohngegend lag. Ich musste selbst dorthin gehen und das Spiel abbrechen. Heute gibt es Sportaktivitäten an den Samstagen auf der anderen Seite der Stadt, mit dem Segen des örtlichen Rabbis.“

Bessin arbeitet fortwährend für die Integration. “Ich unterstütze keine Aktivitäten, die ausschließlich in Russisch abgehalten werden, mit Ausnahme der Veranstaltungen im Senioren-Club“, sagt er. Er ist stolz auf die gemischte Folklore-Gruppe von Bnei Ayish, "Etwas Russisch, etwas Jemenitisch". "Zuerst gab es mehrere kleine Gruppe, aber heute haben wir eine gemeinsame Truppe und niemanden kümmert es, woher der andere stammt. Jedes Jahr habe wir eine Geburtstagsfeier für alle Kinder, die hier geboren wurden und die Stadt ist geschmückt in blau und weis – „Gemacht in Bnei Ayish“. Die Einwanderer brachten ihren Sport und ihre Kultur mit und als alle die Resultate sehen konnten, schlossen sich ihnen auch die eingesessenen Israelis an.“

Nach den Worten von Bessin bereitet die hohe Konzentration von Einwanderern Probleme, weil dies “die Eingliederung verlangsamt. Ich weiß nicht, was das Ergebnis des Trends sein wird, den hier geborenen Kindern Russisch zu lernen, aber die Israelis haben gesiegt – Wir sprachen zu den Kindern in Russisch, sie antworteten auf Hebräisch und schließlich gaben wir auf und auch wir begannen zu unseren Kindern auf Hebräisch zu sprechen.“

B. Der Terrorismus hat uns einander näher gebracht:

Die Intifada hat dazu beigetragen, dass sich die neuen Einwanderer schnell in der israelischen Realität zurechtfanden

“Es ist tragisch”, gibt der Vorsitzende der Jewish Agency, Salai Meridor zu, “aber der blutige Pakt, der unter uns in den vergangenen drei Jahren entstanden ist, hat die neuen Einwanderer schneller mit der israelischen Realität vertraut werden lassen.“ Dr. Eliezer Feldman vom Mutagim Forschungs-Institut, der sich auf den russischen Bereich der israelischen Gesellschaft spezialisiert hat, stimmt zu, dass die Intifada einen “neuen Geist der Zusammengehörigkeit und einen hohen Grad der Identifizierung mit der israelischen Gesellschaft“ geschaffen hat.

"Die Art und Weise, mit der neue Einwanderer mit den Realitäten des Terrors fertig werden, ist sicher bewunderungswürdig“, versichert Jewish Agency-Vorsitzender Meridor. “Ich habe Dutzende von trauernden Einwanderer-Familien besucht, und die edle Art und Weise, mit der sie den Schmerz ihrer Tragödie akzeptieren und wie sie mit dem Leid umgehen, lässt in mir immer das Gefühl entstehen, dass wir diesen Menschen jeden Tag dafür zu danken haben, dass sie hier bei uns sind. Nicht einmal habe ich einen unter ihnen sagen gehört, „warum sind wir nach Israel ausgewandert?“

C. „Ich bin nach Hause gekommen"

Ein sehr optimistischer Besuch in einem Hostel für Senioren-Einwanderer in Ober-Nazareth

Gegenwärtig leben etwa 185,000 Senioren-Bürger aus Russland in Israel. Die große Mehrheit hat zu eingesessenen Israelis keinen Kontakt. Viele von ihnen sprechen kein Hebräisch und glauben, dazu auch nicht in der Lage sein zu müssen.

Mehrere Organisationen sind im ganzen Land entstanden, die Hostels unterhalten – eine Art von “Senioren-Bürgerheimen” für ältere Einwanderer, wo diese bequem in einer warmen und unterstützenden Umgebung leben können.

Die Kosten hierfür sind weitaus günstiger als in „offiziellen“ Senioren-Heimen (NIS 2,000 statt NIS 7,000 in Heimen des oberen Marktsegmentes). “Sie haben hier alles", sagt Irena Birman, Vorsitzende der "Neu aus Europa"-Gemeinschaft, die ein Hostel in Ober-Nazareth leitet. „Wenn sie besonders gepflegt werden müssen, dann haben wir keine Alternative als sie in geeignetere Einrichtungen unterzubringen. In der Zwischenzeit haben sie hier ein warmes Heim.“

Das Hostel besteht aus 10 Gebäuden, die von 41 Senioren bewohnt werden. Jeder hat sein eigenes Zimmer, aber sie leben wie in einer großen Familie und machen einen sehr zufriedenen Eindruck. Die Männer diskutieren über Politik während die Frauen sich zusammenfinden und den Garten bearbeiten. Am 9. Mai (dem Jahrestag des Sieges über Nazi-Deutschland), legen die Einwohner ihre russischen Armee-Uniformen an, stellen ihre Tapferkeitsmedaillen zur Schau und erinnern sich an alte Zeiten.

Yosef Iznik, 83 Jahre alt. der aus Cherson in der Ukraine im Jahre 1990 einwanderte, macht jeden Morgen seinen Spaziergang. “Ich stehe jeden Tag um 5.30 Uhr auf und gehe mit meinem Walkman nach draußen, um zu trainieren. Dann höre ich die Nachrichten und lese die Zeitungen, um auf dem Laufenden zu bleiben.”

In der Ukraine arbeitete er als Bank-Manager und als Veteran des 2. Weltkrieges erhielt er viele Zulagen. Iznik hat jedoch nichts zu bedauern. „Einmal habe ich dort nichts zurückgelassen. Meine Kinder leben hier und mein Enkel diente in der IDF. Ich empfinde mich auch als Patriot Israels, dies ist meine Heimat. Gegenüber allen, der etwas über ältere Einwanderer sagen, die hier nie gearbeitet haben, aber dennoch eine Pension erhalten, habe ich folgendes zu sagen – Dies ist meine Heimat, ich bin hier kein Gast.“

Maria Chirolnikov, 80 Jahre alt, bestätigt ebenfalls, dass ihr das Hostel ein warmes Heim bereitet hat. „Ich liebe Israel“, sagt sie, „wir haben hier alles, was wir benötigen. Wir reden, wir essen gemeinsam und wir bereiten aus den Früchten des Gartens Marmelade zu. Wir streiten niemals, denn es gibt nichts, über das wir uns streiten müssten. Ich bin sehr glücklich, dass wir nach Israel ausgewandert sind.“

"Einer unserer Freunde von hier besuchte Israel und entschloss sich dazu, früher als geplant zurückzukehren und sagte, dass er nach Hause zurückgekommen sei.”

"Ich frage mich manchmal selbst, was wir getan haben, um ein derartiges Willkommen zu verdienen. Wir arbeiteten dort, aber hier haben wir nichts geleistet. Aber dann beruhige ich mich wieder, erinnere mich daran, dass ich Jude bin und dass dies offenbar ein gutes Land ist.“

D. Kämpfer – aber keine Offiziere

Junge Einwanderer erkannten, dass ihre Dienst in Kampfeinheiten ihre Akzeptanz in der Gesellschaft Israels erleichtern würde

Die IDF tut sich schwer zu verstehen, wie dies alles geschehen ist. Neue Einwanderer dienen ganz außergewöhnlich gut in den Kampfeinheiten der Armee, nicht jedoch auf Offiziersebene. Die Armee zeigte sich jedoch noch erstaunter nach einer Studie, die von der Personalabteilung der IDF durchgeführt wurde und die zu dem Schluss kam, dass die Personal-Daten der einwanderten Soldaten besser waren als jene der eingesessenen Israelis.

Eine Untersuchung, die von der Armee durchgeführt wurde, zeigt, dass neue Einwanderer es vorziehen, freiwillig in Kampfeinheiten zu dienen, aber darauf verzichten, auf Lehrgänge für Unteroffiziere (Kompanie-Kommandeure) geschickt zu werden und darauf zu Offizierslehrgängen. Statistisch sind über ein Fünftel der Soldaten neue Einwanderer, aber nur einer unter Zwanzig, der Kompanie-Kommandeur wird, ist ein neuer Einwanderer (verglichen mit einem von fünf eingesessenen Israelis). Noch heute gibt es keinen IDF-Oberst, der nicht mindestens 15 Jahre lang in Israel gelebt hat.

Warum lehnen es neue Einwanderer ab, sich an Kommandeur-Kursen zu beteiligen? IDF-Untersuchungen weisen darauf hin, dass der Hauptgrund im Mangel an Selbstvertrauen wegen fehlender Hebräisch-Kenntnisse zu liegen scheint und eine sich daraus ergebende Furcht, mit im Land geborenen Untergebenen fertig werden zu müssen, wie auch mangelndes Selbstbewusstsein und der Wunsch, weiterhin Dienst in einer fördernden Umgebung mit eingewanderten Freunden in der gleichen Einheit oder Division tun zu können, die die gleiche Sprache wie sie sprechen.

Ein Battallions-Kommandeur einer der Infanterie-Einheiten, sagt, dass sich in seinem Regiment einige “Einwanderer-Gemeinden” herausgebildet haben, besonders in den älteren Kompanien. Nach seinen Worten ziehen es eingewanderte Soldaten vor, mit ihren Freunden unter sich zu bleiben statt auf Kommandeurs-Lehrgänge zu gehen.

Die Armee sieht diese eng verbundene Bruderschaft unter Soldaten nicht immer gerne. „Ab einem gestimmten Grad merkt man, dass sich neue Gruppen in den Einheiten gebildet haben, die völlig aus neuen Einwanderern bestehen und es ist sehr schwierig, diese aufzubrechen“, sagt ein weiterer Battallions-Kommandeur. „Einem neuen Offizier kann es große Schwierigkeiten bereiten, mit dieser Art einer eng verbundenen Gruppe von Soldaten umzugehen.“

Oberst Shlomo Dagan, der im Jahre 1973 von Kishiniev nach Israel einwanderte und die nördliche Brigade in Gaza kommandierte, hat eine weitere Erklärung für die Abwesenheit von eingewanderten Soldaten bei Kommandeurs-Kursen. Nach seinen Worten können sich Eltern von Olim nur schwer damit abfinden, dass ihr Sohn eine militärische Berufslaufbahn wählt. „Sie sehen diesen Schritt nicht als wünschenswert an“, sagt er. „Als ich mich dazu entschloss, Offizier zu werden, konnten sich meine Eltern mit dieser Idee nicht besonders anfreunden. Ich glaube jedoch, es ist nur eine Frage der Zeit, bis Eltern damit beginnen, ihre Kinder zu unterstützen, die sich für eine militärische Laufbahn entschlossen haben.”

In den vergangenen Jahren haben sich immer mehr Einwanderer dazu entschlossen, sich den Kampfeinheiten an zu schließen. „Sie haben erkannt, dass es nicht ausreicht, nur den Armeedienst abzuleisten“, sagt Oberst Nissim Barda, der die Armee-Abteilung des Bodentruppen-Kommandos leitet. Der schnellste Weg, sich in die Gesellschaft zu integrieren, ist der Dienst bei den Kampfeinheiten. Sie erkannten, dass es ihnen der Dienst bei den Kampfeinheiten erleichtern würde, in der israelischen Gesellschaft akzeptiert zu werden.“

Und ein weiterer interessanter Gesichtspunkt: Nach Informationen der Schiessausbildungs-Schule der IDF ist jeder zweite Scharfschütze der IDF ein Einwanderer aus Russland. Bei gewissen Lehrgängen liegt diese Zahl bei 70 %. „Diese Soldaten kommen mit einem hohen Grundwissen in Mathematik und Physik hier an“, sagt der leitende Offizier auf diesem Gebiet. „Personen mit einem hohen Grundwissen in Mathematik fällt es leicht, Scharfschütze zu werden. Dieses Gebiet erlaubt keine Nachlässigkeiten. Hier kann niemand schlampig oder sorglos sein. Präzision heißt das Schlüsselwort auf diesem Gebiet.“

E. Erhalten Sie unsere Musik:

Neue Einwanderer brachten Ordnung, Professionalität, Ausbildung und Disziplin ins Land. Aber das hat seinen Preis.

Der große Geiger Isaac Stern sagte einmal: "Die Geige war die Ausreise-Erlaubnis der Juden aus dem Ghetto." Heute kann man sagen, dass die Geige die Einreiseerlaubnis der Juden aus der früheren Sowjet-Union in die israelische Gesellschaft darstellt. Nicht nur die Geige, sondern auch das Piano und das Cello.

Schauen Sie sich um, die “russischen” Musiker, wie sie vor Ihnen sitzen und in unseren Orchestern spielen. Sie sollten dies tun, denn Sie schauen jenen in die Augen, die unser musikalisches Überleben ermöglicht haben. Sie haben die musikalischen Reihen gefüllt, die sich geleert haben. Es waren nicht wir, die Israelis, die dies taten. Es waren sie, die „Russen“, die dies taten.

Als der Staat Israel gegründet wurde, waren wir alle damit beschäftigt, den Mythos des “gesunden, befreiten, jugendlichen” Israelis zu pflegen. Es war ein falscher Mythos. Wie dumm wir waren zu glauben, dass diese Israelis diejenigen seien, die die Schönheit in unserer Musik erschaffen würden, Es ist richtig, dass die größten Geiger der Welt, Perlman und Zukerman, Israelis sind. Aber wie viele Perlmans und Zukermans haben wir hervorgebracht?

Haben wir je berücksichtigt, dass andere musikalische Größen, wie Barenboim, Mintz und Bronfman, nicht in Israel geboren wurden? Der erste wurde in Argentinien geboren, die anderen beiden jedoch wurden in Russland geboren. Keine Israelis. Weil etwas mit unserer musikalischen Erziehung in Israel nicht stimmte.

1974 markierte den Beginn einer großen Einwanderungswelle aus der früheren Sowjet-Union. Damals kamen die „russischen“ Musiker an und sie retteten das israelische Orchester. Mit ihnen kam der Überfluss an ausgezeichneten Pianisten. Ohne diese Lehrer hätten unseren Musik-Akademien und Schulen ihre Tore bereits vor langer Zeit schließen müssen.

Was brachten sie mit sich, was Israelis bis dahin nicht gekannt hatten? Ordnung, Professionalität, Ausbildung, Disziplin.

Das kommunistische Russland hatte tausende von Fehlern, aber es hatte eine gute Sache – sie brachten Menschen das Lernen bei. Und dann kommt der neue russische Musiklehrer und zwingt – Um Gottes willen – die verwöhnten Israelis dazu, zu lernen und zeigt ihnen wie man lernt. Plötzlich gibt es kein „das wird schon werden“ und kein „mach dir keine Sorgen“. Dafür gibt es nur Methodik und Ordnung. Sie lernen die technischen Fertigkeiten – denn die Technik gewährt die Kontrolle über das Instrument. Sie lernen die Mysterien der großen Musik kennen. Es gibt keine Kompromisse, kein schnelle Lösungen.

Die israelische Mutter ist erstaunt, sie glaubt einfach nicht, was vor sich geht. Ihr wertvoller Sohn spielt auf dem Piano und der Lehrer vergibt keine freigiebigen Komplimente. Der Lehrer wird nie „nett“ sagen – das meiste, was sie sagt, wird vielleicht ein „okay“ sein. Sie wird immer höhere Ansprüche stellen und immer mehr Hingabe für das Instrument fordern. Das Ergebnis ist Qualität, große tonale Fähigkeiten, vielleicht sogar Virtuosität.

Diese Leistungen fordern jedoch einen Preis. Das kommunistische Regime hat keine kreative Vorstellungskraft oder Kreativität an sich gefördert. Dies waren verbotene Worte, weil sie zu Möglichkeiten führen und Möglichkeiten, Auswahl, bedrohten das Regime. Russische Musiker sollen bombastische Vorstellungen abliefern, voller Süße und Schmalz. Dies kommt von einem Überfluss an Sentimentalität, die die Emotionen berührt, wie auch die russische musikalische Kultur von dem berühmten ästhetischen Wert bestimmt wird, nach dem Tränen etwas wundervolles darstellen.

Darüber hinaus geschieht etwas Wunderbares und es geschieht in Ashdod. “Das andalusische Orchester" – das gleiche, das die religiöse Musik auf den Minaretten in Marokko erklingen lässt. Die meisten Mitglieder des Orchesters sind russische Einwanderer! Wie ironisch es ist, dass es russische Musiker sind, die das Erbe der marokkanischen musikalischen Tradition bewahren.

Dies ist kein Ausdruck des Einwanderer-Syndroms. Um Erfolg zu haben, muss man mehr mit der Umgebung verbunden sein als die eingesessene Bevölkerung. Also müssen die Russen, um zu überleben, lernen, marokkanische Musik zu spielen, und sie spielen diese gut.

Frage: Welches Orchester ist heute in Israel führend? Antwort: Dasjenige, das die besten russischen Musiker in seinen Reihen hat. Wie bereits vorher gesagt: Trotz aller Versäumnisse hat die Welle der russischen Einwanderer die musikalische Ausbildung und die Qualität der Musik in Israel gerettet.

Teil 4 (Schluss): Tatsachen und Zahlen

aus "Yediot Acharonot" und dem Dachaf-Forschungs-Institut

Aliyah-Statistik

  • Fast eine Million (957,736) neue Einwanderer kamen in Israel aus Russland zwischen 1989 und 2004 an.
  • Sie stellen die größte ethnische Gruppe in Israel dar (gefolgt von den Marokkanern).
  • Die durchschnittliche Einwandererfamilie hat 1.7 Kinder.
  • 35% sind jünger als 24 Jahre alt.
  • Etwa 30,000 Teenager wanderten alleine ein.
  • 14,200 Wissenschaftler kamen in Israel mit der letzten Einwandererwelle an und mehr als die Hälfte (52%) von ihnen haben einen Doktortitel. Deshalb hat Israel den höchsten prozentualen Anteil an Wissenschaftlern in der Welt im Verhältnis zur Bevölkerungszahl.
  • Ein Drittel der Angestellten im Hi-Techbereich sind neue Einwanderer aus Russland.
  • 73,000 Ingenieure wanderten nach Israel ein – diese Zahl ist doppelt so hoch die der israelischen Ingenieure.
  • 15,200 Ärzte und Zahnärzte wanderten nach Israel ein. Viele von ihnen mussten jedoch ihre Berufe wechseln.
  • Nur 20% der neuen Einwanderer arbeiten in ihren eigentlichen Berufen. Etwa 27% arbeiten in "manuellen Berufen".
  • Über die Hälfte berichtete von Diskriminierungen wegen ihrer Herkunftsländer.
  • Nur 21% betrachten das Jüdische Volk als das Auserwählte Volk.
  • 60 bis 70 russisch-sprachige Publikationen werden in Israel gedruckt, darunter 7 überregionale Zeitungen.
  • Einwanderer aus Russland stellen ein Viertel aller Soldaten in Kampfeinheiten dar.
  • 20% berichteten von Eheschwierigkeiten nach ihrer Einwanderung in Israel.
  • 140 Einwanderer, die in den letzten 15 Jahren angekommen sind, arbeiten als Mitglieder der örtlichen Stadtverwaltungen.
  • Nur 1% sprechen Hebräisch zuhause.
  • Ein Achtel, (besonders die Senioren) glauben, dass sie kein Hebräisch sprechen müssen, um in Israel leben zu können.
  • 1,738 Einwanderer sitzen in israelischen Gefängnissen ein. 61 sind zu lebenslanger Haft verurteilt, 2 wurden wegen Sicherheitsvergehen gegen den Staat verurteilt, 85 sind zum vierten Mal verurteilt worden.
  • Etwa 7% entscheiden sich dafür, Israel zu verlassen – entweder, um in ihr Ursprungsland zurückzukehren oder um in ein anderes Land auszuwandern.
  • 18 der 36 Mitglieder der israelischen Delegation bei den Olympischen Spielen in Athen im Jahre 2004 waren Einwanderer aus Russland.
  • Von den drei großen Städten ist Haifa die populärste unter den Einwanderern. 21% der Einwohner von Haifa sind Einwanderer aus Russland (verglichen mit 10% in Tel Aviv und 4.5 % in Jerusalem).
  • Nach Schätzungen ist ein Viertel der Einwanderer aus Russland nach dem jüdischen religiösen Gesetz (Halacha) nicht jüdisch.
  • Nur 8.4% lesen regelmäßig hebräische Zeitungen und weniger als 5% lesen Bücher auf Hebräisch.
  • Ein Achtel der Einwanderer berichteten von einer Liebesbeziehung mit einer oder einem im Land geborenen Israeli.
  • Ein Fünftel der Einwanderer würden es vorziehen, wenn ihre Kinder ein Mitglied aus einer anderen ethnischen Gruppe heiraten würden (nicht russisch).

Umfrage unter Einwanderern

Wir sind Israelis

 

Sehen Sie sich als Teil der israelischen Gesellschaft?

Gesamt-Anteil

Ja 68%
Nein 31%

Ankommende der Jahre 90-94

Ja 71%
Nein 28%

Ankommende der Jahre 2000-2004

Ja 53%
Nein 46%

 

Sehen sich Ihre Kinder als Teil der israelischen Gesellschaft?

Gesamt-Anteil

Ja 90%
Nein 5%

Ankommende der Jahre 90-94

Ja 94%
Nein 1%

Ankommende der Jahre 2000-2004

Ja 60%
Nein 26%

 

Wir werden bleiben

 

Glauben Sie, dass Sie in Israel bleiben werden?

Gesamt-Anteil

Ja 85%
Nein 15%

Ankommende der Jahre 90-94

Ja 87%
Nein 10%

Ankommende der Jahre 2000-2004

Ja 67%
Nein 33%

 

Wir sind zufrieden

 

Sind Sie mir Ihrer Lage in Israel zufrieden?

Gesamt-Anteil

Ja 63%
Nein 36%

Ankommende der Jahre 90-94

Ja 67%
Nein 31%

Ankommende der Jahre 2000-2004

Ja 60%
Nein 39%

 

Sind Ihre Kinder in Israel zufrieden?

Gesamt-Anteil

Ja 81%
Nein 8%

Ankommende der Jahre 90-94

Ja 85%
Nein 7%

Ankommende der Jahre 2000-2004

Ja 58%
Nein 13%

 

Umfrage unter eingesessenen Israelis

Lebenswichtig für Israel

 

Wie wichtig ist die Einwanderung aus Russland für Israel?

Sehr 72%

Nicht so sehr 17%
Überhaupt nicht 10%

 

Die Umfrageergebnisse beruhen auf den Antworten von 465 neuen Einwanderern – eine repräsentative Auswahl aus Einwanderern aus Russland sowie den Antworten von 403 eingesessenen Bürgern – eine repräsentative Auswahl der eingesessenen jüdischen Bevölkerung (die in Israel bereits vor dem Jahr 1990 gelebt hat). Fehler-Abweichungen liegen höchstens bei 4.5%. In den Feldern, bei denen nicht insgesamt 100 % erreicht werden, beruhen die fehlenden Prozentpunkte auf jenen Befragten, die die jeweilige Frage nicht beantworteten.


© Jüdische Gemeinde Mainz