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Raschijahr 2005 in Worms

Dem rheinischen Rabbi zu Ehren begeht Worms 2005 das "Raschi-Jahr"
und gedenkt des 900. Todestages des Salomon ben Isaak, genannt Raschi.

Das umfangreiche Programm zum Raschijahr finden Sie bei der Stadt Worms.

Lesen Sie hier eine Auswahl an Presseberichten zum Raschijahr.


Mit Wohlklang und Weisheit


Passagen aus dem Hohelied: Jalda Rebling mit ihrem Ensemble in der Frauensynagoge.
Foto: Uwe Feuerbach

Legenden, die sich um Raschis Leben ranken

16.04.2005 - Von Ulrike Schäfer, Wormser Zeitung

Zum festlichen Auftakt des Raschijahrs in der Synagoge war Historisches und Theologisches über Leben und Wirkung des jüdischen Kommentators zu erfahren, der Abend dagegen gehörte dem Gemüt. Jalda Rebling, die Berliner Kantorin mit der klangvollen Stimme, hatte eigens für diesen Anlass zahlreiche Legenden zusammengestellt, die sich um Raschis Leben ranken, und Lieder ausgewählt, die den Geist der Zeit widerspiegelten. Es war ein Programm voller Wohlklang, Weisheit, Wunder und Frömmigkeit.

Klar, dass bereits die Geburt des Salomon ben Ytzhak unter einem ganz besonderen Stern stand. Seinem Vater wurde geweissagt, dass ihm ein Sohn geboren werde, der die Welt mit dem Licht der Thora erleuchten würde. Bereits im Leib seiner Mutter wurde der Berühmte vom Ewigen selbst vor wilden Pferden gerettet - das war natürlich in Worms, obwohl damals die Frauensynagoge noch gar nicht stand, wie die Sängerin mit augenzwinkerndem Charme berichtete. Wie er nach der Studienzeit dann in Troyes ein eigenes Lehrhaus aufbaute, aber noch durch die Städte zog, um inkognito zu prüfen, ob seine Deutungen auch Anklang fänden, wie man ihn schließlich begeistert als "unseren Lehrer und Meister" erkannte, fehlte ebenso wenig wie die Geschichte vom Bischof von Olmütz, dem Raschi das Leben gerettet hatte, und die berühmte Weissagung über den Ausgang des ersten Kreuzzugs. Auch die Nachkommen des Kommentators kamen bei Jalda Rebling zur Sprache.

Zwischen den hinreißend vorgetragenen Textpassagen sang Jalda Rebling Passagen aus dem Hohelied der Liebe, Lieder von Mathieu le Juif aus Troyes, Stücke aus der Feder Süßkinds von Trimberg, der in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts lebte, und schließlich eine echte Rarität, das Loblied Abraham ibn Ezras auf Raschi. Begleitet wurde die Künstlerin, die das eine oder andere hebräische Wort hätte erklären können, von Hans-Werner Apel und Stefan Maas auf der Laute, Susanne Ansorg auf der Fidel und Michael Metzler, der für sein Spiel mit Tambourin und Maultrommel spontanen Beifall erhielt.


Dr. Salomon Korn, Vizepräsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, ist zusammen mit Kultusminister Professor Jürgen Zöllner Schirmherr des Raschijahres. Raschi habe die Fähigkeit, Augen zu öffnen, betonte er.
Fotos: Uwe Feuerbach


"Zeigt Respekt und Dialogbereitschaft"

Mit zahlreichen Gästen beim Festakt in der Synagoge wird das Raschijahr eröffnet

15.04.2005 - Von Johannes Götzen, Wormser Zeitung

Auf eine Stunde war gestern der erste Teil des Festaktes zu Ehren von Rabbi Salomon ben Isaak, genannt Raschi, in der Synagoge angesetzt. Doch gibt es auch 900 Jahre nach seinem Tod so viel über diesen Schriftgelehrten zu sagen, dass die doppelte Zeit notwendig war.

Die Synagoge bot gerade ausreichend Platz, um alle Gäste aufnehmen zu können. Deren Aufzählung verschlang alleine fünf Seiten im Redemanuskript von OB Michael Kissel. Neben Dr. Salomon Korn, Vizepräsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, und Kultusminister Professor Jürgen Zöllner, die gemeinsam die Schirmherrschaft über das Raschijahr übernommen haben, hob er die Vertreter der Kirchen hervor. Dass Dr. Ulrich Oelschläger, Mitglied der Synode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Dekan Harald Storch, Präses Klaus Martin, Weihbischof Dr. Ulrich Nerymeyer, Dekan Manfred Simon und Dompropst Engelbert Pries gekommen waren, sei "Ausdruck von gegenseitigem Respekt und Dialogbereitschaft." Ebenfalls zu Gast war der türkische Generalkonsul Ahmet Nazif Alpman.

Überhaupt gebe es in der Stadt eine große Bereitschaft, sich einer Kooperation zu öffnen, so Kissel. Dies gelte etwa gegenüber der jüdischen Gemeinde Mainz/Worms, die stetig gewachsen sei und derzeit angemessene eigene Räume im alten jüdischen Viertel von Warmaisa suche. Für ihn steht das Raschijahr daher auch für einen Neubeginn.

Den Festvortrag hielt Professor Daniel Krochmalnik von der Hochschule für jüdische Studien in Heidelberg. Zwar hätten sich auch positive Themen angeboten, etwa zum wirtschaftlichen Aufschwung an Raschis Studienort Worms oder über Raschis grenzenloses Vertrauen in die Vernunft. "Viel Schönes, Verbindendes, Ermutigendes" hätte es über Raschi gegeben, so Krochmalnik. Doch sei Raschis Zeit auch die Zeit der Kreuzzüge und damit der Beginn einer tausendjährigen blutigen Geschichte der europäischen Judenverfolgung gewesen. Deshalb ging der Professor der Frage nach, was Raschi in seinem Werk über den ersten Holocaust von 1096 gesagt hat.

Würdig wie der Ort war das Rahmenprogramm. Der Bachchor Worms bot zwei Psalmen von Louis Lewandowski dar und Jalda Rebling mit ihrem Ensemble sang einen liturgischen Text, der in der Zeit Raschis entstanden war. Meir ben Jitzchak von Worms hatte das Gedicht 1060 geschrieben. Mit dem Friedensgruß "Shalom" beendete Rabbiner Tovia Hod von der jüdischen Gemeinde in Bad Kissingen den Festakt.


Hoch aktuell aus dem Mittelalter

Worms ehrt den vor 900 Jahren gestorbenen Rabbiner und Schriftgelehrten Raschi

15.04.2005 - Von Johannes Götzen

WORMS Der Festakt in der Wormser Synagoge zu Ehren des vor 900 Jahren gestorbenen jüdischen Gelehrten und Rabbiners Salomo ben Isaak, genannt Raschi, endet höchst modern: Rabbiner Tovia Hod, Mitglied der orthodoxen Rabbinerkonferenz, sagt, er trage Raschi immer auf dem Herzen und zieht zum Beweis aus dem Jackett einen dieser kleinen Westentaschen-Computer, der Kalender und Notizblock in einem ist. Hier drin stehe immer auch ein Text aus der Thora - "und darunter dann einer von Raschi." Raschi sei eben nicht nur Vergangenheit, sondern auch Zukunft, betont er.

Geboren wurde Raschi 1040 in Troyes in der Champagne. Es zog ihn an den Rhein, wo die Städte Worms, Mainz und Speyer Zentren der jüdischen Gelehrsamkeit waren. Nach seiner Rückkehr in die Heimat wurde er zum bis heute bekanntesten Kommentator der hebräischen Bibel und des "Babylonischen Talmuds", des nach der Bibel wichtigsten Hauptwerkes der jüdischen Religion.

Das Leben und Wirken Raschis sei der Höhepunkt einer "höchst fruchtbaren Zeit" des Zusammenlebens von Juden und Christen zwischen Karl dem Großen und den ersten Kreuzzügen gewesen, betonte Dr. Salomon Korn, Vizepräsident des Zentralrates der Juden in Deutschland. Auch er spann den Bogen in die Neuzeit: Thora und Talmud seien "in finsteren Zeiten Wegweiser gewesen, und Raschi hat diesen Weg geöffnet." Der rheinland-pfälzische Kulturminister, Professor Jürgen Zöllner, betonte, Raschi verdeutliche den prägenden Einfluss, den das geistige Leben in den jüdischen Gemeinden am Rhein im Mittelalter für ganz Europa hatte und nach wie vor hat.

Das ganze Jahr steht in Worms mit zahlreichen Veranstaltungen im Zeichen Raschis. Einer der Höhepunkte wird das Konzert der wohl bekanntesten israelischen Sängerin, Chava Alberstein, am 23. Juni im Festhaus sein.


Hier soll der große Gelehrte vor Jahrhunderten gesessen und gelehrt haben, auf dem Raschistuhl in der Synagoge. - Foto: ro


Gedenken an großen Gelehrten

Raschi-Jahr erinnert an Rabbi Salomon ben Isaak / Eröffnung 14. April

15.01.2005 - Von Susanne Müller

Rabbi Salomon ben Isaak genannt Raschi starb am 5. August 1105 in Troyes/Frankreich. 2005, in seinem 900. Todesjahr, gedenken die Städte Worms und Troyes von April bis Oktober des großen jüdischen Gelehrten.

Sein Leben und Werk stehen im Mittelpunkt des Gedenkjahres, das sich auch mit dem jüdischen Beitrag zur europäischen Kultur beschäftigt. Eine Arbeitsgemeinschaft, in der das Jüdische Museum und andere städtische Institutionen, die Jüdische Gemeinde Mainz und der Verein Warmaisa vertreten sind, hat ein vielseitiges Programm erarbeitet. In 7 000 Exemplaren wurde ein Faltblatt aufgelegt, in dem alle Veranstaltungen - Konzerte, Lesungen, Ausstellungen, Seminare, Stadtrundgänge und Vorträge - zusammengefasst sind, Interessierte finden das Programm auch im Internet unter www.raschijahr.de. Unter dieser Adresse sollen im laufenden Jahr dann auch alle Veranstaltungen dokumentiert werden.

Schwerpunkte sind der Festakt am 14. April, der gemeinsam mit dem Zentralrat der Juden in Deutschland geplant wurde, die Jüdischen Kulturwochen mit Musik, Kleinkunst und Vorträgen vom 23. Juni bis 9. Juli 2005 sowie eine Fachtagung in Kooperation mit der Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg. Stadtführungen und Ausstellungen sowie Seminare, die - an die Tradition des Lehrhauses anknüpfend - jüdische Tradition und Geschichte vermitteln, finden während des gesamten Gedenkjahres statt.

Gemeinsam mit der Stadt Troyes wird eine Publikation zu Raschi in Französisch und Deutsch herausgegeben. Es wird eine Sondernummer einer wissenschaftlichen Zeitschrift erscheinen, die sich ausschließlich mit Raschi befasst - auch Wormser Autoren haben daran mitgewirkt.

Zum Gedenkjahr wird im Raschi-Haus im April ein "Raschi-Informationsraum" eröffnet, in dem Besucher alles über Leben und Werk Raschis erfahren können.

Die Wormser Tourist-Information bietet auf das Gedenkjahr zugeschnittene Angebote an, die sich sowohl an Tagestouristen als auch an Gäste aus Europa und Übersee richten.

Oberbürgermeister Michael Kissel war bei der Vorstellung des umfänglichen Jahres-Programms voll des Lobes für die Arbeitsgemeinschaft, deren Mitglieder Beachtliches zusammengestellt hätten. Der stellvertretende Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Salomon Korn, und der rheinland-pfälzische Kulturminister Professor Dr. Jürgen Zöllner konnten als Schirmherren gewonnen werden, finanziell unterstützt wird das Raschi-Jahr von der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur.

"Wir haben mehr erlebbare und greifbare jüdische Kultur als andere Städte", zeigte sich OB Kissel stolz über "seine" Stadt mit Synagoge, Judenviertel, Ritualbad und Heiligem Sand, dies gelte es, kulturtouristisch in den Vordergrund zu stellen - wozu auch das Raschi-Jahr mit seinen Veranstaltungen beitrage. Eng sei jedoch der Schulterschluss mit den "Schum-Städten" Mainz und Speyer, seit Frühjahr 2004 arbeite Worms im kulturellen und touristischen Bereich enger mit ihnen zusammen (- als Schum-Städte werden die Gemeinden Worms, Speyer und Mainz bezeichnet, "Schum" ist aus den hebräischen Anfangsbuchstaben der Namen der Kommunen abgeleitet.)

Der Stadtchef verwies auf eine gemeinsame Broschüre "Die Juden in Worms und Speyer", in der informiert wird über die jüdische Geschichte der beiden Städte, über aktuelle Schwerpunkte wie die Ausstellung "Europas Juden im Mittelalter" im Historischen Museum der Pfalz in Speyer und das Raschi-Jahr in Worms.

Die Veranstaltungen des Raschi-Jahres wurden in Zusammenarbeit mit der französischen Stadt Troyes konzipiert, wo Raschi im Jahr 1105 starb. Seine Grabstätte existiert dort nicht mehr, in Worms, von Juden in aller Welt auch liebevoll "Klein Jerusalem" genannt, seien die authentischen Orte der jüdischen Kultur wie kaum in einer anderen Stadt erhalten geblieben und heute noch erlebbar, so Oberbürgermeister Michael Kissel. Rabbi Salomon ben Isaak studierte um 1060 im damals in ganz Europa berühmten Wormser Lehrhaus.


Raschi in Worms: Der Speyrer Bildhauer Wolf Spitzer hat die Statue geschaffen, die im Hof der Synagoge steht.
Foto: Schäfer


Dem rheinischen Rabbi zu Ehren

Worms begeht 2005 "Raschi-Jahr"

16.11.2004 - Von Susanne Müller

2005 begeht Worms das "Raschi-Jahr" und gedenkt des 900. Todestages des Salomon ben Isaak, genannt Raschi - ein umfangreiches Programm ist geplant, das seinen Auftakt hat am 14. April 2005. Aktuell lautet ab dem 19. November der Titel einer Ausstellung im Historischen Museum der Pfalz in Speyer "Europas Juden im Mittelalter", hier ist Worms mit mehreren Exponaten präsent.

Raschi war um 1060 Student an der damals berühmten Wormser Talmudschule und gilt heute noch als einer der wichtigsten und grundlegendsten Talmud-Lehrer. Er wurde in Troyes (Champagne) geboren und starb dort. Da sein Grab verschollen ist, wird Raschi in Worms verehrt. Benannt wurde nach ihm das "Raschi-Haus" in direkter Nachbarschaft zur Synagoge. An der Stelle des Gebäudes vermutet man die mittelalterliche Talmudschule.

Das für das Raschi-Jahr erarbeitete Programm ist äußerst vielfältig, Podien, Musik, Vorträge, Theaterstücke und Ausstellungen sind geplant. Der offizielle Auftakt ist für den 14. April vorgesehen. Dann soll um 11 Uhr in der Synagoge ein Festvortrag, am Abend des gleichen Tages ein Konzert mit Jalda Rebling stattfinden. Gleichzeitig wird ein Raschi-Inforaum eröffnet, der bis Oktober zugänglich ist. "Warmaisa" ist mit Vorträgen im Veranstaltungsboot, es wird Kleinkunst geben, ein Besuch in der Partnerstadt Tiberias, thematische Stadtführungen und spezielle touristische Angebote. Jüdische Kulturwochen finden statt vom 23. Juni bis 10. Juli, es gibt hier Konzerte in der Synagoge, auch das Jazzfestival (7. bis 10. Juli) hat einen thematischen musikalischen Schwerpunkt. Zum Todestag - 5. August 2005 - findet ein Gottesdienst in der Synagoge statt, während der Nibelungen-Festspiele soll "Mythos" von Rina Yerushalmi zu sehen sein.

Vier Leihgaben aus Worms sind in der Speyrer Ausstellung: Ein Faksimile des Machsors (Gebetsbuches) von 1272, Kopien des Grabsteins von Jakob Ha-bachur (1076) und der Stifterinschrift der Synagoge von 1034 sowie im Original drei Inschriftsfragmente des Synagogen-Kapitells (1174).


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