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Grußworte zu Rosch Haschana 5769

Frau Schindler-Siegreich, Ministerpräsident Kurt Beck, Oberbürgermeister Jens Beutel, Rabbiner Ze'ew Rubins,
Dekan Jens Böhm, Botschafter Yoram Ben-Zeev, Kardinal Karl Lehmann

 

Vorsitzende Frau Schindler-Siegreich:


Liebe Gemeindemitglieder,

Das Fest Rosch ha-Schana bedeutet nicht nur den Beginn eines neuen Jahres, sondern auch den Tag der Bilanz der Erinnerung, der Selbstbesinnung vor G’tt und vor den Mitmenschen. Die Klänge des Schofars an Rosch ha-Schana unterstreichen die Bitten um Vergebung der Sünden, die Verbundenheit des Menschen mit G’tt, mit seiner Umwelt und mit den Vorfahren.

Im vergangenen Jahr durften wir den sechzigsten Geburtstag der Staatsgründung Israels feiern. Ein Traum, den viele unserer Vorfahren geträumt hatten, ist erst nach dem Trauma der Schoa in Erfüllung gegangen. Jeder Jude hat nun die Möglichkeit, als freier Mensch zu leben. Israel war und ist ein Zufluchtsort immer wenn das Leben in der Diaspora bedroht oder unmöglich war. Auch wenn wir uns entschieden haben hier in Deutschland zu leben, so sichert die Existenz Israels unsere Freiheit. Diese Freiheit der Entscheidung ruft jedoch nach der Verbundenheit, der Solidarität mit Israel bei der Sicherung seines Existenzrechts.

Im neuen Jahr 5769 steht unserer Gemeinde ein wichtiges Ereignis bevor. Siebzig Jahre nach der Zerstörung der Synagogen in Deutschland wird die Grundsteinlegung für das neue Synagogenzentrum in Mainz am 23.11 stattfinden. Der Bau wird von der öffentlichen Hand, vom Land Rheinland Pfalz und der Stadt Mainz finanziert. Wir sind für das Innere der Synagoge, auch im übertragenen Sinne, verantwortlich. Das bedeutet, dass wir uns intensiv mit der Frage beschäftigen sollten, was Jude zu sein in der ganzen Fülle bedeutet?

Allein die Definition als Volk oder Nationalität und die Fremdbestimmung durch Verfolgung reichen nicht aus. Wir müssen unsere Identität durch lebendige, selbstbestimmte Inhalte füllen, durch Beschäftigung mit unserer Religion, jüdischer Ethik, Philosophie, Tradition und jüdischer Kultur.

Liebe Gemeindemitglieder lassen Sie uns an Rosch ha-Schana zu den Klängen des Schofars in der Synagoge versammeln und im neuen Jahr immer wieder zusammenfinden, um unsere Verbundenheit auszudrücken und in Vorfreude auf das neue Synagogenzentrum uns auf das konzentrieren, was uns als Juden ausmacht.

Ich wünsche Ihnen ein glückliches, friedvolles, gutes neues Jahr – Schana tova.

Stella Schindler-Siegreich
Vorsitzende

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Rabbiner Ze'ew Rubins:

Ein Grußwort zu Rosch Haschana

Sehr geehrte Mitglieder unserer jüdischen Gemeinde.

Vor dem Eintritt des neuen Jahres 5769 nach jüdischer Zeitrechnung, möchte ich die Gelegenheit nutzen, mich an Sie mit dem Neujahrsgruß zu wenden.

Unsere Weisen, ihr Andenken sei gesegnet, sagten im Talmud:

„Von welchem Ereignis beginnt die Zählung der Jahre in unserem jüdischen Kalender?“
„Von der Erschaffung der Welt, genauer – vom sechsten Schöpfungstag.“
„Warum gerade vom sechsten Schöpfungstag und nicht von einem anderen Tag?“
„Denn an diesem Tag schuf Gott den ersten Menschen, Adam.“
„Was lernen wir daraus?“
1. Das ist der Geburtstag der gesamten Menschheit, und nicht nur das jüdische Neujahr.
2. Wir lernen daraus, dass eine große Verantwortung auf jedem von uns liegt.
3. Wir lernen daraus, dass an Rosch HaSchana, dem 1. und 2. Tischrej, an dem jüdischen Neujahr, Gott die Welt, alle Völker der Welt, und jeden einzelnen Menschen richtet.

Daher kommt der gute jüdische Brauch, sich selbst vor sein eigenes Gericht zu stellen (das nennt man „Cheschbon Nefesch“ auf Hebräisch). Das ist ein Gericht der eigenen Seele: dessen, was wir während des letzten Jahres falsch gemacht haben und was zu verbessern ist.

Ich denke, wir sollen als Gemeinde die Arbeit mit der Jugend verbessern: mit den Kindern, den Schülern und den Studenten. Sie sind unsere Zukunft. Wenn sie nicht am Gemeindeleben teilnehmen werden, wo wird unsere Gemeinde in 20 Jahren sein? Wir müssen versuchen, in der nächsten Zukunft eine Schule, einen Kindergarten, ein Jugendzentrum, einen Studentenverband u.s.w. zu gründen. Doch alle diese guten Absichten werden ohne den Menschen, für die sie gedacht sind, leblos bleiben. Deshalb bitte ich jeden von Ihnen persönlich, eine junge Person in jedem Alter in unsere Gemeinde mit zu bringen. Nur dann werden, so Gott will, unsere Absichten mit Erfolg gekrönt.
Ich möchte Ihnen herzlich zum Neujahr gratulieren. Ich wünsche Ihnen gute Gesundheit, Freude, Glück und sowohl materiellen als auch geistigen Erfolg.

Schana tova u-metuka – ein gutes und süßes Jahr!
Seien wir alle in das Buch des Lebens eingeschrieben!

Ihr
Rabbiner Ze’ew Rubins.

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Ministerpräsident Kurt Beck:

Liebe Bürgerinnen, liebe Bürger,

Ihnen allen übermittle ich zum Neuen Jahr 5769 meine besten Grüße. Gleichzeitig wünsche ich Ihnen eine gelungene, schöne Feier des Rosch ha-Schanah.

Ich habe die berechtigte Hoffnung, das Jahr 5769 wird ein besonderes, unsere gemeinsamen, langen Anstrengungen führen zum Ziel, und wir können den Grundstein für das neue Gemeindezentrum legen. Zu diesem Zentrum gehört auch ein Synagogenneubau. Mit ihm wird an die herausragende Geschichte des jüdischen Lebens in Mainz angeknüpft. Mainz beherbergte eine der traditionsreichsten und bedeutendsten jüdischen Gemeinden in Europa. Bis in das zehnte Jahrhundert lässt sich ihr Leben zurückverfolgen. Mit den Gemeinden Speyer und Worms wurde das geistige, religiöse und kulturelle Leben nicht nur des deutschen, sondern auch des abendländischen Judentums bis an die Schwelle der Neuzeit geprägt.

Als die Nationalsozialisten die Macht übernahmen, gab es in Mainz etwa 2600 Mitglieder in einer regen, jüdischen Gemeinde. In den folgenden Jahren wurde in barbarischer Weise gewaltsam alles jüdische Leben erstickt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wagte niemand zu hoffen, dass sich jemals eine jüdische Gemeinde wieder in Mainz dauerhaft etablieren würde.

Um so dankbarer bin ich, dass Ihre Gemeinde, 70 Jahre nach Beginn des Zweiten Weltkrieges, im 60. Jahr des Bestehens der Bundesrepublik Deutschland und 20 Jahre nach dem Mauerfall, wieder mehr als 1000 Mitglieder umfasst und zu den herausragenden Gemeinden der Bundesrepublik Deutschland zählt. Zudem besteht die große Chance, dass im ehemaligen MAGENZA, in der heutigen Landeshauptstadt Mainz, der Wunsch nach einem kulturellen Mittelpunkt der jüdischen Gemeinden in Rheinland-Pfalz Wirklichkeit wird. Damit wird auch der überregionalen und europäischen Bedeutung Rechnung getragen.

Ich glaube, dies erfüllt sich durch den preisgekrönten Entwurf des Architekten Manuel Hertz. Er ist ein Schüler des bekannten Architekten Libeskind, der das Jüdische Museum in Berlin gebaut hat. Dadurch wird die Stadttopografie der Landeshauptstadt durch einen symbolischen Dreiklang bereichert, wie Kardinal Lehmann feststellte. Neben dem katholischen Dom und der evangelischen Christuskirche wird dann auch eine bedeutende Synagoge stehen und einen Verbindungsbogen der Toleranz und der Geschwisterlichkeit bilden. Das Land Rheinland-Pfalz wird seinen Beitrag dazu leisten. Hoffen wir alle, dass dieses bedeutende Vorhaben im Neuen Jahr auf einen guten Weg kommt.

Ihnen allen wünsche ich ein gesundes, friedliches, erfolgreiches Jahr 5769. Schana Tova!

Ihr

Kurt Beck
Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz

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Oberbürgermeister Jens Beutel


Als Oberbürgermeister der Stadt Mainz ist es mir eine besondere Ehre und Freude, auf diesem Weg allen Mitgliedern der Jüdischen Gemeinde, auch im Namen des Stadtrates, der Verwaltung und der Bürgerschaft, die besten Wünsche zum diesjährigen Neujahrsfest Rosch Haschana zu übermitteln.

Ich wünsche Ihnen allen ein gutes, erfolgreiches und friedvolles Jahr 5769!

Dieses neue Jahr ist mit einem ganz besonderen Ereignis verbunden:
die Grundsteinlegung für den Bau der neuen Synagoge am 23. November!

Die geplante neue Synagoge und das Gemeindezentrum sind von besonderer Bedeutung für die Stadt Mainz - als sichtbares und deutliches Zeichen für die Wiederentstehung jüdischen Lebens und jüdischer Kultur an einem historischen Ort.

Unsere Stadt heilt mit dieser Synagoge einen Teil seiner jüdischen Silhouette, denn Christuskirche und jüdische Hauptsynagoge sollen eine Trilogie der Toleranz und der Weltoffenheit symbolisieren, wie sie der Mainzer Geschichte und dem Wesen der hier lebenden Menschen entspricht.

Ich danke allen, die uns unterstützt haben, dieses Vorhaben umzusetzen und mit dem Neubau ein Haus für die Jüdische Gemeinde zu schaffen, das ihren historischen Traditionen und ihren aktuellen Aufgaben würdig ist.

Zur Hinführung auf den Termin der Grundsteinlegung wird auf Anregung der Jüdischen Gemeinde in Kooperation mit der Stadt Mainz ab dem 10. November eine „Kulturelle Woche“ mit dem Thema „Judentum heute“ organisiert.

In diesem Sinne freue ich mich weiterhin auf die gute Zusammenarbeit mit der Jüdischen Gemeinde in vielen Bereichen des städtischen Lebens, und danke ihr für das große Engagement in Mainz.

Ein herzliches Schana tova!

Jens Beutel
Oberbürgermeister der Stadt Mainz

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S.E. Botschafter Yoram Ben-Zeev:


In der jüdischen Tradition bildet Rosch ha-Schana den Anfang dessen, was mit Jom Kippur beendet wird. Die „aseret jamei tschuwa“ sind die zehn Tage der Umkehr, in denen wir in uns gehen. Es ist die Zeit der Einkehr und der Buße, aber auch der inneren Prüfung. In dieser Zeit identifizieren wir uns besonders stark mit dem Judentum und den Juden auf der ganzen Welt.

In der Vergangenheit haben sich die Juden in der freien Welt darum bemüht, die Situation ihrer Brüder und Schwestern im anderen Teil zu erleichtern, vor allem hinter dem Eisernen Vorhang, wo die Juden ihr Judentum nicht ausleben konnten. Jetzt gibt es zum Glück kaum noch Juden, die ihr Judentum nicht praktizieren dürfen. Damit haben sich auch die Aufgaben und Ziele der jüdischen Gemeinden verändert. Nun geht es darum, wie wir die Herausforderungen der Zukunft bewältigen wie die der Globalisierung.

Frieden anzustreben und Frieden zu schließen, nimmt im Judentum einen hohen Stellenwert ein. Und wir wollen Frieden mit den Palästinensern erreichen. Die vor uns liegenden Jahrzehnte werden sicher nicht einfach, doch auch die Gegenwart ist es nicht.

Daher wünsche ich mir, dass Israel und die jüdischen Gemeinden weiterhin so gut zusammenwirken wie in den Jahren zuvor.

Schana tova - ein segensreiches und erfolgreiches neues Jahr wünscht
Yoram Ben-Zeev

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Karl Kardinal Lehmann:


Grußwort zum Jüdischen Neujahrsfest

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben!

Judentum und Christentum sind Religionen, die ihre Bewährung im Leben suchen und in der Verbindung des Lebens mit Gott ihre Antworten finden. Das Leben, auch unter den heutigen gesellschaftlichen Bedingungen, finden wir in der Tora, wenn wir sie nur angemessen deuten. Sie engt uns nicht ein, wie wir oft meinen, und ist nicht kleinlich. Sie ist vielmehr der Pfad zum Leben in Frieden und Gerechtigkeit. Für uns Christen wird dies im Evangelium weiter entfaltet, schmälert aber keineswegs die Bedeutung der Tora. Sie kann kaum schöner gesagt werden als mit den Worten des Rabbiners im Gottesdienst: „Ein köstliches Gut habe ich euch gegeben, meine Tora, verlasset sie nie. Baum des Lebens ist sie ihnen, die sie fassen, und wer sich an ihr hält, ist beglückt. Ihre Wege sind Wege der Lieblichkeit und ihre Pfade Frieden.“ Dies gilt auch für heute: Die Tora schärft uns ein, dass wir die Erde, die nicht uns gehört, sondern Gott, mit allen Völkern dieser Welt und den kommenden Generationen teilen. Sie verbietet uns mit aller Eindeutigkeit und Strenge, dass wir uns besonders am menschlichen Leben vergreifen und mahnt uns, Gott und den Nächsten mit allen Kräften zu lieben.

Wir sind füreinander verantwortlich. Dies gilt gerade deshalb, weil wir in der Heiligen Schrift ein gemeinsames Erbe bewahren und immer wieder neu vergegenwärtigen müssen. Im Namen Gottes und seines lebendigen Wortes, das in der Schrift für uns verwahrt wird, dürfen wir nicht von einander lassen. So freut es mich, dass es durch gemeinsame Anstrengung vieler gelingen wird, in Mainz wieder eine Synagoge zu errichten. Sie ist der Ort der Tora. Mit Gottes Hilfe kann der Grundstein der Neuen Synagoge in Mainz bald gelegt werden. Dies ist ein guter Start für Ihr Neujahr, zu dem ich Sie herzlich beglückwünsche.

So wünsche ich Ihnen und uns allen mit den Worten „Shana Tova!“ und „Shalom!“ den Frieden des guten Miteinanders in einem gesegneten Neuen Jahr 5769 Ihrer Zeitrechnung!

Ihr

Karl Kardinal Lehmann

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Dekan Jens Böhm:


Im Namen der Evangelischen Kirche in Mainz grüße ich Sie herzlich zum Neujahrsfest. Rosch Haschana unterbricht den Kreislauf der Zeit. Für einen kleinen Augenblick bleibt die Zeit stehen, unterbricht der Ruf des Schofar den Alltag, um an der Wende zwischen den Jahren zurück- und vorauszublicken.

Das Gedenken ist eines der Grundelemente des jüdischen und christlichen Glaubens. Vergangenes wird durch Erinnern vergegenwärtigt. Zukünftiges wird durch Erinnern geprägt. Dabei gehört nicht nur das Erinnern der Heilsgeschichte Gottes zu den Aufgaben unseres Redens und Handelns, sondern auch das Erinnern an menschliche Unheilsgeschichte in der jüngsten deutschen Vergangenheit.

Das folgende Jahr wird in besonderer Weise davon geprägt sein. In diesem Jahr wird es 70 Jahre her sein, das die neue Synagoge in der Hindenburgstraße 44 und die alte Synagoge in der Flachsmarktstraße 23 zerstört wurden. An diesem Datum werden wir zurückblicken und daran erinnern, dass mit dem 9.November 1938 der Abbruch der traditionsreichen Vergangenheit des jüdischen Mainz begann. Das Bekenntnis der Evangelischen Kirche aus dem Jahr 1945 (Stuttgarter Schuldbekenntnis) bleibt für mich über die Jahrzehnte hinweg gültig: „Wohl haben wir lange Jahre hindurch im Namen Jesu Christi gegen den Geist gekämpft, der im nationalsozialistischen Gewaltregiment seinen furchtbaren Ausdruck gefunden hat; aber wir klagen uns an, dass wir nicht mutiger bekannt, nicht treuer gebetet, nicht fröhlicher geglaubt und nicht brennender geliebt haben.“ Gleichzeitig freue ich mich aber, dass wir in diesem Jahr auch die Gegenwart und die Zukunft des jüdischen Lebens in Mainz erleben können. Zunächst dankbar erkennen, dass das jüdische Leben nach Mainz zurückgekehrt ist, eine lebendige Gemeinde entstanden ist. Und zudem den Grundstein für die neue Synagoge an alter Stelle legen können. Das ist ein wunderbares Symbol – ausgerechnet 70 Jahre nach der Zerstörung!

Ein Wort des Propheten Jesaja wird für mich mit dieser Grundsteinlegung – und in diesem neuen Jahr - lebendig: „das geknickte Schilfrohr wird er nicht zerbrechen und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen“ (Jes 42,3). Zum Jahr 5769 grüße ich Sie herzlich und wünsche ihnen ein gutes neues Jahr. Schana tova!

Ihr

Dekan Jens Böhm
Evangelisches Dekanat Mainz

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