Klares Votum für die Synagoge
Stadtrat wertet Neubau als historische Chance/Nur drei Gegenstimmen
21.2.08 - Von Volker Wenzel, Allgemeine Zeitung
Mainz erhält ein jüdisches Gemeindezentrum
und eine Synagoge. Mit der Verabschiedung des Nachtragshaushalts stimmte
der Stadtrat gestern mit überwältigender Mehrheit für den
Neubau und die Erhöhung des städtischen Zuschusses von 3,6 auf
5 Millionen Euro.
Zum dritten Mal in diesem Jahrhundert stehe der Bau einer
neuen Synagoge zur Entscheidung, sagte Oberbürgermeister Jens Beutel
(SPD) vor der Abstimmung und erinnerte an die am 9. November 1938 von
den Nazis zerstörte Synagoge von 1912, die ebenfalls an der Hindenburgstraße
stand. Dort soll nun, "als Bauwerk der Hoffnung", auch die neue
Synagoge nach den im Rat vielfach gelobten Entwürfen von Manuel Hertz
entstehen.
Im Rat gab es eine sehr breite Mehrheit für das
Projekt, das nun für knapp 10,2 Millionen Euro, davon je fünf
Millionen von Stadt und Land, gebaut werden kann. FDP und ÖDP/Freie
Wähler, die im Finanzausschuss noch Bedenken geäußert
hatten, stellten diese hinter den politischen Erwägungen und der
historischen Chance zurück.
Für die CDU hatte Fraktionsvorsitzende Dr. Andrea
Litzenburger den Beschluss unter anderem als Zeichen der "moralischen
Verantwortung des Rates" gewertet und appelliert, "finanzielle
Fragen nicht in den Vordergrund" zu stellen. "Wer das diskutiert",
so Litzenburger, "ist sich der historischen Tragweite des Beschlusses
nicht bewusst". SPD-Fraktionsvorsitzender Oliver Sucher sprach von
einem "erneuten wichtigen öffentlichen Bekenntnis des Rates,
beim Wiederaufbau zu helfen" und nannte den für die Grundsteinlegung
ins Auge gefassten 70. Jahrestag der Reichspogromnacht ein richtiges Ausrufezeichen.
Der Beharrlichkeit der Kuratoriums um Herbert Heidel und der Geduld der
jüdischen Gemeinde zollte Fraktionssprecher Günter Beck von
den Grünen Respekt. Er bedaure die erneute finanzpolitische Diskussion.
Er hoffe, dass die Mainzer wie 1912 die Synagoge als "unsere Synagoge"
annehmen, sagte FDP-Fraktionsvorsitzender Christopher Sitte. "70
Jahre sind des Wartens auch genug", sagte Herbert Egner (ÖDP/Freie
Wähler).
Stephan Stritter (Republikaner) lieh sich finanzpolitische
Argumente von FDP und ÖDP/Freien Wählern, um das Nein der drei
Rep-Stadträte zu begründen, obwohl diese grundsätzlich
für den Synagogenbau an dieser Stelle seien.
Dazu sagte unter Applaus auch aus den anderen Fraktionen
CDU-Fraktionsvorsitzende Litzenburger: "Ich bedaure sehr, dass die
Debatte beschmutzt wurde. Sie haben aus der Geschichte nichts gelernt."
Erleichtert sprach nach der Abstimmung Stella Schindler-Siegreich,
Vorsitzende der Mainzer jüdischen Gemeinde, von einer "historischen
Entscheidung" für Mainz, das bisher als einzige Landeshauptstadt
nicht über ein jüdisches Gemeindezentrum verfüge.
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