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Neue Synagoge für Mainz: "Bauwerk der Hoffnung und Lebendigkeit"

Pressemitteilung vom 20.2.2008

Oberbürgermeister Jens Beutel sprach heute im Stadtrat anlässlich der Beschlussfassung für einen städtischen Zuschuss an die jüdische Gemeinde für den Bau einer neuen Synagoge in der Hindenburgstraße. Von den veranschlagten Baukosten von rund 10 Mio. Euro übernehmen das Land Rheinland-Pfalz und die Stadt Mainz jeweils fünf Millionen Euro. Als symbolträchtiger Termin für die Grundsteinlegung ist der 9. November 2008 und damit der 70 Jahrestag der Reichspogromnacht vorgesehen.

Der Oberbürgermeister im Rat: "Zum dritten Mal in einem Jahrhundert steht heute der Bau einer neuen Synagoge in Mainz vor der Entscheidung. Insgesamt Die von den Nationalsozialisten im November 1938 geschändete, angezündete und gesprengte prächtige Hauptsynagoge in der Hindenburgstraße war am 03. September 1912, begleitet von einem vielfach beschriebenen Bürgerfest aller Mainzer eingeweiht worden. Die Presse schrieb damals: "Die Mainzer kamen in Scharen in die neue Synagoge, bestaunten ihre Ausstattung, suchten und fanden Verständnis für eine vielfach ins mystische Dunkel des christlichen Missverständnisses gedrängte Religion." Mit der Zerstörung der Hauptsynagoge verbrannten die letzten Hoffnungen der Mainzer jüdischen Gemeinde. Das winzige Häuflein Überlebender gründete mutig bereits im November 1945 im Mainzer Pulverturm eine eigene Gemeinde und weihte zwei Jahre später in Anwesenheit von Stadt-, Bezirks- und Landesregierung, sowie hoher französischer und amerikanischer Offiziere in der Feldbergschule eine kleine Synagoge ein. Und man fand den Mut, im Jahr der Mainzer Zweitausendjahrfeier auf dem Höhepunkt der Begegnung von Mainzer Juden den Grundstein für eine neue Synagoge zu feiern - am 18. Juni 1962. Stadt und Land waren vertreten und versprachen Hilfe. Der Vorsitzende Alfred Epstein sprach Worte der Hoffnung. Aber noch überwog das Misstrauen in eine jüdische Zukunft in Deutschland: die wenigen deutschen Juden saßen - wie der Zentralrat es formulierte - immer noch auf gepackten Koffern und der junge Staat Israel warb um Allijah. Seit der Auflösung der Sowjetunion sind zu den knapp 150 Mainzer Gemeindemitgliedern gut tausend Einwanderer hinzugekommen, die seit Jahren zu den Feiertagen mit ihrer Thora Gastrecht in christlichen Gemeindehäusern suchen und finden. Vor diesem Hintergrund wird die neue Synagoge kein Denkmal einer großen jüdischen Mainzer Geschichte darstellen, sondern ein Bauwerk der Hoffnung, der Lebendigkeit sein. So will es auch die Metaphorik der Architektur von Manuel Herz im Segensspruch für die Zukunft. Die Öffentlichkeit, die Bürgerschaft, vor allem die Jungen, sollten die Gelegenheit ergreifen und das Baugeschehen mit Interesse an der Geschichte und Gegenwart des jüdischen Mainz begleiten. Denn Magenza ist Teil der jüdischen Weltgeschichte seit mehr als tausend Jahren. In Mainz wurde von bedeutenden Rabbinern im Mittelalter eine der ersten Talmudhochschulen gegründet. Geistliche Dichtung, Gebete, die in Mainz entstanden, sind bis heute in der jüdischen Welt integrale Bestandteile der Feiertagsliturgie. Die beiden großen Ausstellungen "Juden in Mainz" in diesem Rathaus 1978 und 1979, die fast hunderttausend Besucher zählten, erinnerten an diese große Tradition.


© Jüdische Gemeinde Mainz