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Ankündigung: Veranstaltungen zum

Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 2008

Das neue Programmheft des Landtags zum nationalen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus stellt mehr als 40 ausgewählte Veranstaltungen vor, die in Mainz, in den Gedenkstätten Osthofen und Hinzert sowie in zahlreichen weiteren Städten stattfinden.

Veranstaltungsprogramm als PDF-Datei zum Download (2,3 MB)

 

Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus

Zahlreiche Veranstaltungen in Landeshauptstadt Mainz und Land Rheinland-Pfalz gedenken am 27. Januar 2008 der Opfer der nationalsozialistischen Schreckenszeit

7.1.2008 - Pressemitteilung der Stadt Mainz

"In Deutschland wird der 27. Januar, der Tag, an dem das Konzentrationslager Auschwitz befreit wurde, als nationaler Gedenktag für die Opfer des Holocaust seit 1996 offiziell begangen. Wir erinnern an die Millionen Menschen, die von den Nazis entrechtet, verfolgt, gequält und ermordet wurden - bei uns in Rheinland-Pfalz, in Deutschland und überall in Europa", stellen Oberbürgermeister Jes Beutel und Landtagspräsident Joachim Mertes fest:


'Dies war ein Vorspiel nur, dort, wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.' Der prophetische Satz Heinrich Heines gewinnt in diesem Jahr besondere Bedeutung, jähren sich doch die Ereignisse der so genannten 'Machtergreifung' von 1933 zum 75. Mal, die der Novemberpogrome des Jahres 1938 zum 70. Mal. Besonders der Beginn der nationalsozialistischen Diktatur steht also im Mittelpunkt zahlreicher Veranstaltungen zum Gedenktag im Jahr 2008.

Wenn sich Gedenkstunden, Lesungen, Ausstellungen, Führungen, Stadtrundgänge und viele andere Veranstaltungen diesem Thema widmen, dann jedoch nicht etwa darum, die Schuld der Deutschen von heute zu bekräftigen und fortzuschreiben. Die heute Lebenden tragen keine persönliche Schuld mehr an dem, was geschehen ist. Wohl aber tragen sie Verantwortung, nicht zuletzt für das, was künftig geschehen wird.

Diese Verantwortung erwächst aus dem Wissen um das, was geschehen ist. Darum müssen wir dieses Wissen wach halten: Wo in Mainz befanden sich die jüdischen Synagogen? Welche Konzentrationslager lagen auf dem Gebiet des heutigen Rheinland-Pfalz? Welches Schicksal erwartete die Menschen, die dorthin gebracht wurden? Und was geschah mit den in die jüdischen Ghettos eingelieferten Menschen in Warschau, in Theresienstadt und anderswo?

Nur wenige Zeitzeugen vermögen uns heute noch persönlich von ihrem Schicksal zu berichten. Hören wir ihnen gut zu. Das Zeugnis der Überlebenden muss uns veranlassen, heute jeder Form der Diskriminierung und Ausgrenzung entgegenzuwirken.

Doch auch die Stimmen der anderen, der Opfer, die längst verstummen mussten, berühren und erschüttern uns noch immer. Zum Beispiel das Bilderbuch der achtjährigen Ruth Abraham, das sie im Ghetto in Theresienstadt für den damals dreijährigen Jonny malte. Jonny kehrte nach Mainz zurück, Ruth wurde ermordet.

Nur wer weiß, was passiert ist, wird der Gefahr einer Wiederholung entgegenwirken. Der nationalsozialistische Rassenwahn und Völkermord darf nicht in Vergessenheit geraten - dies ist uns eine dauerhafte moralische Verpflichtung. Aus ihr heraus erwächst unsere besondere Verantwortung für die friedliche und demokratische Zukunft unseres Landes."

Erneut haben sich zahlreiche Einrichtungen - Kirchen, Gemeinden, Schulen, Vereinen, Initiativgruppen, und viele mehr - zusammengefunden, um überall im Land Rheinland-Pfalz zu einer lebendigen Gedenk- und Erinnerungsarbeit beizutragen. Wie in den Vorjahren gibt eine umfangreiche Broschüre einen Überblick über die Veranstaltungen zum Gedenktag in der Landeshauptstadt und darüber hinaus. Die Informationen über die einzelnen Veranstaltungen finden sich zudem auf der Homepage des Landtags Rheinland-Pfalz.

Veranstaltungen der Stadt Mainz und ihrer Kooperationspartner in Mainz

"... ob ein Schmerz ist wie mein Schmerz"

Am Sonntag, 20. Januar 2008, von 11.15 Uhr bis 13.00 Uhr findet im Gutenberg Museum Mainz (Liebfrauenplatz 5) eine Lesung mit Helga Bender und Dr. Anton Maria Keim unter der Überschrift "... ob ein Schmerz ist wie mein Schmerz" statt.

Die Menschen geschändet, gemordet, verhungert, von Seuchen dahin gerafft, vertrieben, verstört… Die Überlebenden sind untröstlich in ihrem Elend, überall verfolgt und bedrängt, versklavt, verspottet, verlacht. Der Tempel ist zerstört, die Mauern geschleift, die Schätze geplündert, Volk und Stadt vom Feind vernichtet. "Schauet doch und sehet, ob ein Schmerz ist wie mein Schmerz" (Klgl 1,12), klagt die zerstörte Stadt Jerusalem.

In den jüdischen Gemeinden werden die Klagelieder am höchsten Fastentag gelesen, ohne jeden Schmuck und jede Zierde. Wer die Texte hört, erinnert nicht allein die Katastrophe der babylonischen Vernichtung und Auswanderung, sondern an große Strecken der jüdischen Geschichte, am stärksten die Verfolgung, die Plünderung und Enteignung, die Erniedrigung, Schändung und Vernichtung durch die Nationalsozialisten.

Kontakt: Telefon 06131/25 32 89 oder 960 04 21

Veranstalter sind die evangelische Erwachsenenbildung Mainz und das katholische Bildungswerk Mainz-Stadt in Zusammenarbeit mit dem Gutenberg-Museum und dem Kulturdezernat der Stadt Mainz in der Reihe "Literarisches Mainz".

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Lesung in der Stadtbibliothek: Mascha Kaléko

Am Donnerstag, 24. Januar 2008, findet um 18.30 Uhr im Lesesaal der Wissenschaftlichen Stadtbibliothek Mainz (Rheinallee 3B) die Lesung "Mascha Kaléko" von Jutta Rosenkranz statt.

Sie war eine der erfolgreichsten deutschsprachigen Lyrikerinnen des 20. Jahrhunderts: Mascha Kaléko, 1907 in Polen geboren, gehörte sie um 1930 in Berlin zur künstlerischen Boheme um Kurt Tucholsky. Ihre Gedichte und Prosa erschienen in der "Vossischen Zeitung", sie schrieb Chansons und Texte für das Kabarett. Ihre Bücher wurden in Berlin 1933 verbrannt und die aus jüdischer Familie stammende Dichterin erhielt Berufsverbot. 1938 floh sie nach New York und zog später nach Jerusalem um. Auf Vortragsreisen fand sie in der Nachkriegszeit auch in Deutschland wieder ein großes Publikum. Sie starb 1975 in Zürich.

Die Lesung der Autorin der ersten großen Kaléko-Biografie wird ergänzt durch den Vortrag ausgewählter Gedichte und Einspielung von Original-Tonaufnahmen. Jutta Rosenkranz, geboren 1957, freie Autorin und Journalistin, lebt in Berlin. Sie hat Gedichte, Prosa und literarische Essays veröffentlicht, schrieb zahlreiche Autoren-Porträts und Hörfunk-Features und ist Herausgeberin mehrerer Lyrik-Anthologien.

Veranstalter sind die Bibliotheken der Stadt Mainz - Wissenschaftliche Stadtbibliothek - und die Konrad-Adenauer-Stiftung.

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Auf den Spuren des Nationalsozialismus durch Mainz

Am Sonntag, 27. Januar 2008, findet von 14.00 Uhr bis 16.00 Uhr ein Rundgang "Auf den Spuren des Nationalsozialismus durch Mainz" statt. Treffpunkt ist der Fastnachtsbrunnen (Schillerplatz).

Der Rundgang führt zu einer Reihe von Stätten in der Innenstadt, die mit der Zeit des Nationalsozialismus in Mainz in Zusammenhang stehen und von den damaligen Geschehnissen und Verbrechen Zeugnis ablegen. Die Themen reichen von der "Machtergreifung" und "Gleichschaltung"“ im Jahr 1933 bis hin zur Deportation und Ermordung der Mainzer Sinti und Juden. Die Stadtführung beinhaltet Stationen, die mit einer ersten Verhaftungswelle und der Entmachtung des demokratisch gewählten Stadtrates, der Zerschlagung der Gewerkschaften, der Arbeiterparteien und ihrer Presse zusammenhängen. Sie führt vorbei an Orten, die mit der schrittweisen Entrechtung, Diskriminierung, der wirtschaftlichen Ausschaltung der Mainzer Juden und der Zerstörung der Synagogen in der Nacht vom 09. / 10. November 1938 verbunden sind.

Kontakt: 06131/67 65 65 und 392 47 79

Veranstalter sind der Verein für Sozialgeschichte Mainz und das Institut für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz e.V.

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Ausstellung "Der Nationalsozialismus in Mainz 1933 - 1945. Terror und Alltag"

Von Donnerstag, 06. März 2008, bis Samstag, 26. April 2008, ist im Rathaus Mainz (Jockel-Fuchs-Platz 1) die Ausstellung "Der Nationalsozialismus in Mainz 1933 - 1945. Terror und Alltag" zu sehen. Am Mittwoch, 05. März 2008, findet um 18.00 Uhr die Eröffnung der Ausstellung statt.

Am 30. Januar 1933 wurde Adolf Hitler von Reichspräsident Hindenburg zum Reichskanzler ernannt. Die Nationalsozialisten feierten dieses Ereignis als "Tag der Machtergreifung". In Mainz zogen an jenem Abend sechs- bis siebenhundert NSDAP-Anhänger mit Fackeln und Musik durch die Straßen. Zwar stellten sich ihnen zunächst noch mehrere tausend Menschen mutig entgegen, aber der Widerstand bröckelte allmählich. In den folgenden Monaten vollzog sich die Machtübernahme der Nationalsozialisten: Führungspositionen in der Mainzer Stadtverwaltung wurden durch NSDAP-Mitglieder oder "politisch zuverlässige" Personen besetzt, missliebige Beamte und Angestellte entlassen, politische Gegner verfolgt. Viele von ihnen wurden in Konzentrationslager eingeliefert, einige sogar ermordet.

Anlässlich der 75. Wiederkehr der "Machtergreifung" durch die Nationalsozialisten zeigt das Stadtarchiv Mainz in einer Ausstellung, welche Auswirkungen die NS-Herrschaft zwischen 1933 und 1945 auf das Alltagsleben in Mainz hatte.

Veranstalter ist das Stadtarchiv Mainz.
(red/ekö)


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