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Einsatz für jüdisches Erbe

Hohe Auszeichnung an ehemaligen Stadtarchivar Dr. Fritz Reuter

26.1.08 - Von Ulrike Schäfer, Wormser Zeitung


Dr. Fritz Reuter bei der Preisvergabe in Berlin. Mit dem "Obermayer German Jewish History-Award" wird der besondere Einsatz für das Bewahren des jüdischen Erbes honoriert. Reuter ist einer von sechs Preisträgern.
Foto: Ulrike Schäfer

Seit mittlerweile acht Jahren wird der "Obermayer German Jewish History-Award" an nicht-jüdische Deutsche verliehen, die sich um die Bewahrung und Bekanntmachung jüdischen Erbes verdient gemacht haben. Nicht von ungefähr findet die Verleihung in der Nähe zum 27. Januar, dem Tag der Befreiung von Auschwitz statt, und auch der Ort der Preisvergabe, das Berliner Abgeordnetenhaus, ist mit Bedacht gewählt. "Von hier ging der Völkermord an sechs Millionen Juden aus", sagte Walter Momper, Präsident des Abgeordnetenhauses und Mitglied der Jury, zum Auftakt der feierlichen Ehrung in der Bundeshauptstadt. "Dass in dieser Stadt jetzt eine der größten Gemeinden Europas lebt, ist ein großes Geschenk und eine Ehre".

Unter den sechs Preisträgern war der Wormser Dr. Fritz Reuter. Der ehemalige Stadtarchivar habe das erste jüdische Museum in Worms gegründet, hieß es in der Festschrift, und sei bei der Wiederherstellung der Synagoge und des jüdischen Vierteils maßgeblich beteiligt gewesen. "Am allerwichtigsten war für mich jedoch das Buch ,Warmaisa´, weil es das Interesse so vieler Menschen geweckt hat", wurde Reuter in zitiert. "Wir wollten das Gefühl der Fremdheit überwinden, das die Menschen gegenüber der jüdischen Religion hatten... Wir wollten ihnen zeigen, dass es für Christen und Juden möglich ist, miteinander zu leben".

Der im letzten Jahr verstorbene, gebürtige Wormser, Gerhard Spies hatte Reuter für den Preis mit der Begründung vorgeschlagen, dass er niemals müde geworden sei im Bemühen, "die jüdische Seele von Worms wieder herzustellen und sie für die Ewigkeit zu erhalten".

Neben Spies hatten sich Marga Dieter, Miriam Gerber, Erich Mayer, alle in Worms geboren, und Stella Schindler-Siegreich, die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Mainz, für Reuter stark gemacht. Ein Brief Hilary Clintons, die Reuter bei einem Besuch mit ihrem Mann in Worms 1987 kennengelernt hatte, dürfte dem Ganzen noch die Krone aufgesetzt hatte. Reuter habe "Enormes für die Erforschung der jüdischen Geschichte getan", schrieb sie. "Seine Arbeiten leuchten weithin". Um ihn zu ehren, waren Mayer und Dieter eigens aus den USA angereist, und Oberbürgermeister Michael Kissel ließ es sich nicht nehmen, dem Ehrenringträger der Stadt Worms als erster die Hand zu drücken.

Außer dem Wormser Historiker, der sich in einer souveränen Rede für die Auszeichnung bedankte und dabei kräftig Werbung für das jüdische Worms machte, wurden Gerhard Buck (Idstein-Walsdorf), Charlotte Mayenberger (Bad Buchau), Johanna Rau (Kalbach/) sowie Hemlut Urbschat und Manfred Kluge (Vlotho) geehrt. Sie alle haben auf vielfältige Weise jüdisches Leben erforscht und die großen kulturellen, wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und philosophischen Leistungen der deutschen Juden wieder in Erinnerung gebracht. Arthur Obermayer erläuterte, dass er den Preis nicht nur gestiftet habe, um die Leistungen dieser Männer und Frauen zu würdigen und sie über die Medien weithin bekannt zu machen. Er wolle auch der Welt zeigen, dass das heutige Deutschland ein ganz anderes sei als das Hitler-Deutschland. "Die Deutschen haben sehr viele schwierige und schmerzhafte Schritte unternommen, um sich mit dem Holocaust auseinanderzusetzen. Das soll endlich anerkannt werden".

Eine eindrucksvolle Ansprache hielt auch Charlotte Knobloch, Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland. Und Klaus Müller verlas eine geradezu philosophische Rede Sara Bloomfields, der Direktorin des United States Holcocaust Memorial Museums in Washington. Die stimmgewaltige Kantorin Naomi Hirsch, deren Großvater Dr. Otto Hirsch in den Jahren 1933 bis 41 zehntausenden von Juden die Emigration ermöglicht hatte, und das Peter Händel Quartett gaben der Veranstaltung einen schönen musikalischen Rahmen.


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