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Mit einer Wunde als Wort

23.1.08 - Wormser Zeitung

uls. "Man muss immer denken und man muss sprechen." Diese Lebensmaxime der jüdischen Dichterin Else Lasker-Schüler ist nicht nur die Grundlage für ein achtsames menschliches Miteinander, sondern auch eine der wichtigsten Begründungen für das Begehen von Gedenktagen. Seit vielen Jahren gestaltet Warmaisa, die Gesellschaft zur Pflege und Förderung jüdischer Kultur in Worms, eine Veranstaltung zum 27. Januar, dem Tag der Befreiung von Auschwitz.

In diesem Jahr nun hat der Verein ein Programm übernommen, das bereits am 7. November letzten Jahres in der Weisenauer Synagoge in Mainz zu hören war mit dem Titel: "Mit einer Wunde als Wort. Verfolgte jüdische Dichterinnen".

Als Zeitzeuginnen kommen Rose Ausländer, Gertrud Kolmar, Else Lasker-Schüler und Nelly Sachs mit Auszügen aus ihrem poetischen Werk zu Wort. Bei aller Unterschiedlichkeit haben diese vier Frauen eines gemeinsam: Sie waren Dichterinnen, Jüdinnen und wurden von den Nationalsozialisten verfolgt.

In ihren Gedichten ist ihr Schicksal Sprache geworden, beschwörende, eindringliche, geradezu magische Sprache - Worte, um es mit Nelly Sachs zu formulieren, die wie "von Sehnsucht angezündet" sind. Wiederkehrende Motive ihrer Gedichte sind Fremdheit im eigenen Land, Verlassenheit, Überleben im Exil, Geborgenheit in der Muttersprache. Die Dringlichkeit dieser poetischen Appelle und ihre teilweise erschütternde Aktualität in einer Zeit alarmierender Zeichen lassen doppelt aufhorchen.

Dr. Petra Urban, ausgewiesene Literaturwissenschaftlerin und Schriftstellerin, wird die Texte der jüdischen Dichterinnen rezitieren. Die musikalische Gestaltung hat Guido Blume, eine Musiker, der sich seit mehr als 25 Jahren mit dem jiddischen Liedgut beschäftigt.

Die Lesung findet am Samstag, 26. Januar (nicht am 27.), 19 Uhr, in der Wormser Synagoge, Synagogenplatz, statt. Die Veranstaltung ist eine Kooperation der Akademie Erbacher Hof in Mainz mit Warmaisa, Kulturkoordinator Volker Gallé und der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit. Prof. Dr. Peter Reifenberg, Direktor der Akademie Erbacher Hof, unterstreicht ausdrücklich, dass es der Akademie ein großes Anliegen sei, diese Veranstaltung auch in der Wormser Synagoge durchzuführen.


© Jüdische Gemeinde Mainz