Jüdisches Leben nach dem Holocaust
Zentrale für politische Bildung stellt CD-ROM vor
24.11.2007 - von Maike Hessedenz, Allgemeine Zeitung
MAINZ Was für junge Menschen als Lernmaterial dienen
soll, ist für Professor Arno Lustiger erlebte Realität. Die
Landeszentralen für politische Bildung haben zusammen mit der Bundeszentrale
und der Kultusministerkonferenz eine CD-ROM mit dem Titel "Zurück
ins Leben - Jüdische Lebenswelten nach dem Holocaust" entwickelt.
Die Landeszentrale Rheinland-Pfalz stellte die CD zusammen mit dem Zeitzeugen
in Mainz vor. Wer die CD in den Computer einlegt, dem eröffnet sich
eine Landschaft mit sechs Wegweisern, die die Kapitel "Befreiung",
"Verlust", "Wohin?", "Lebensbejahung", "Neustart",
und "Deutschland" verdeutlichen. "All diese Kapitel sind
Teile meines Lebens", sagt Lustiger.
Der 83-Jährige ist in Bedzin geboren, überlebte
die Gräuel mehrere Konzentrationslager. Nach Kriegsende arbeitete
er als Dolmetscher für die US-Armee und war Mitbegründer der
Jüdischen Gemeinde Frankfurt. Bekannt geworden ist der Textilfabrikant
durch zahlreiche Veröffentlichungen zur Aufarbeitung des jüdischen
Widerstandes. "Wohin?" Diese Frage stelle auch einen wichtigen
Abschnitt seines Lebens dar. "Ich bin damals aus persönlichen
Gründen hier geblieben", blickt er auf die ersten Nachkriegsjahre,
"obwohl ich nicht im Traum daran gedacht hätte, dass ich in
Deutschland bleiben würde."
Insgesamt 230000 Menschen seien in den Jahren bis etwa
Anfang der 50er nicht aus Deutschland ausgewandert. "Und was haben
diese Menschen hier geschaffen!" ruft er aus. "Jeder wusste,
dass Deutschland nur Asyl war", erinnert sich Lustiger, trotzdem
seien über 30 Zeitungen erschienen, fieberhafte Tätigkeiten
im Schulwesen und vieles mehr unternommen worden. Dass die Zentralen für
Politische Bildung eine CD-ROM herausgebracht haben, begrüßt
er zwar, findet aber kritische Töne zur Ausarbeitung des Lernmaterials.
Vor allem, dass die Geschichte nach dem Holocaust auf der CD mit dem Jahr
1961 ende, sei nicht ausreichend aktuell.
Dass der Zeitrahmen bis 1961 reiche, begründete
Dr. Suzanne Urban, Vertreterin der International School für Holocaust-Studies
Yad Vashem, mit den Daten des Eichmann-Prozesses und des Mauerbaus. Grundlage
für die CD war die englischsprachige CD-ROM "Return to life"
der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem, die ins Deutsche übersetzt
und um ein Kapitel über Jüdische Gemeinden in Deutschland erweitert
wurde.
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