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Bei Synagogen-Neubau ist jetzt Stadt am Zug


Diese Fotomontage zeigt den preisgekrönten Entwurf von Manuel Herz für das neue jüdische Gemeindezentrum in Mainz auf dem Grundstück Hindenburgstraße 44. Hier stand bis 1938 die Hauptsynagoge. Foto: Architekturbüro Manuel Herz

Gibt Mainz 1,4 Millionen Euro mehr als geplant? / Kuratorium einig mit Bund und Land / Hoffen auf Kommune

17.11.2007 - Von Monika Paul, Allgemeine Zeitung

Nur noch ein Baustein fehlt, um den Neubau der Synagoge in der Hindenburgstraße möglich zu machen. Das Kuratorium zur Förderung eines Jüdischen Gemeindezentrums hat als Fundament Vereinbarungen mit Land und Bund getroffen. Nun soll auch die Stadt ihren Beitrag leisten.

"Die Verhandlungen haben einen Stand erreicht, der abschließende Entscheidungen in diesem Jahr beziehungsweise im Januar 2008 ermöglicht, aber auch notwendig macht", formulieren Stella Schindler-Siegreich, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, und Herbert Heidel, Vorsitzender des Kuratoriums, in einem Schreiben an Oberbürgermeister Jens Beutel (SPD) und die im Stadtrat vertretenen Fraktionen, das der AZ vorliegt.

Entscheidender Punkt: Ursprünglich war davon die Rede, dass die Gesamtkosten von rund 10,5 Millionen Euro für die neue Synagoge je zu einem Drittel Bund, Land und die Stadt übernehmen. So hat die Stadt Mainz 3,6 Millionen Euro für das Bauprojekt in ihren Haushalt eingestellt. Inzwischen haben sich jedoch die Bund-Länder-Zuständigkeiten geändert - allein die Länder verantworten Kultusangelegenheiten. Unmittelbare Zuschüsse des Bundes für ein Jüdisches Gemeindezentrum sind also nicht mehr möglich.

Aus dem Schreiben geht hervor, dass der Bund aber andere Möglichkeiten gefunden hat, den Synagogen-Neubau in Mainz zu unterstützen: So will die Bundesanstalt für Immobilien das Areal in der Hindenburgstraße, auf dem bis vor kurzem Nachrichtendienstler untergebracht waren, der Jüdischen Gemeinde weit unter Wert überlassen. Die Bundesanstalt hat darüber hinaus "eine angemessene Beteiligung" an den Abrisskosten in Aussicht gestellt.

Das Land hat laut Schreiben seinen Anteil von 3,6 Millionen Euro auf 5 Millionen Euro aufgestockt - gleiches erhofft sich die fünfköpfige Arbeitsgruppe, die aus Stella Schindler-Siegreich, Dr. Peter Waldmann (Jüdische Gemeinde), Alt-OB Herman-Hartmut Weyel, Bürgermeister a.D. Herbert Heidel und Heinz Laubach (Kuratorium) besteht, auch von der Stadt.

"Wir wären Ihnen sehr dankbar, wenn Sie sich bereit erklären könnten, noch im November einen Termin mit uns zu vereinbaren", drängen Heidel und Schindler-Siegreich auf baldige Gespräche darüber, ob die Kommune die "Finanzierungslücke" von 1,4 Millionen Euro schließen kann. Auf AZ-Anfrage bekräftigte Heidel, er setze auf ein Entgegenkommen der Stadt: "In allen anderen deutschen Städten war die Kommune jeweils auch mindestens zur Hälfte an der Finanzierung von Synagogen-Neubauten beteiligt." Da dürfe Mainz nicht hintenan stehen.

Die drei Mainzer Bundestagsabgeordneten Ute Granold (CDU), Rainer Brüderle (FDP) und Michael Hartmann (SPD) hätten das Entgegenkommen des Bundes erreicht. Nicht zuletzt habe aber der Leiter der rheinland-pfälzischen Staatskanzlei, Martin Stadelmaier, enormes Engagement gezeigt. Wenn nun auch die Stadt zusätzliche 1,4 Millionen Euro bewillige, könne der Bau der Synagoge in der zweiten Hälfte des Jahres 2008 beginnen.

Auf AZ-Anfrage zeigte sich der Pressesprecher der Stadt, Markus Biagioni, zurückhaltend, ob es zu einer raschen Zusage der städtischen Gremien kommen könne. Die derzeitige Lage im Stadtrat mache es für den Oberbürgermeister Jens Beutel schwer, verbindliche Zusagen über zusätzliche Investitionen zu treffen. Aber selbstverständlich sei der OB daran interessiert, dass der Neubau möglichst bald realisiert werden könne.


© Jüdische Gemeinde Mainz