Virtuose Klänge in der Synagoge
15.11.2007 - Von Björn-Christian Schüssler,
Allgemeine Zeitung
Musikalisch hervorragend und mit charmanter Leichtigkeit
gestaltete Caroline Adomeit-Gadd am Sonntag ein Kammerkonzert in der Weisenauer
Synagoge. Dabei brachte die Geigerin Kompositionen von Johann Sebastian
Bach, Eugene Ysaye, Lera Auerbach und Fritz Kreisler eindrucksvoll zu
Gehör.
Bis in den Eingangsbereich standen die Zuhörer,
als die 23-jährige Künstlerin ihrem Instrument die ersten Töne
entlockte. In der Partita h-Moll BWV 1002, in deren Verlauf Bach jedem
Satz ein kontrastierendes Gegenstück zuordnet, ließ sie ihr
virtuoses Können aufblitzen. Einfühlsam, mit geschlossenen Augen,
interpretierte Caroline Adomeit-Gadd die Läufe, Sprünge und
Tempowechsel des Musikstücks, vor allem den Satz "Tempo di Borea".
Die Finger wirbelten rasant über das Griffbrett. In der Folge erklang
die Violine zu Stücken einiger der breiten Öffentlichkeit weniger
bekannten Komponisten, darunter Eugene Ysaye, bedeutendster Geiger der
franko-belgischen Schule (Sonate a-Moll op. 27 no.) und Fritz Kreisler
(Recitativo et Scherzo - Caprice).
Erheiternde wie informative Einführungen zu allen
Stücken fand Volker Beling vom Förderverein des Orchesters im
Staatstheater Mainz, der zusammen mit dem Förderverein der Synagoge
Weisenau das Konzert organisiert hatte. So kündigte Beling auch Joseph
Achron als geigerisches Wunderkind an, das 1911 aus einer chassidischen
Weise seiner Kindheit eine hebräische Melodie zauberte, in die Caroline
Adomeit-Gadd eintauchte und die Stimmungen des Raumes damit verschmolz.
Begleitet wurde sie, die im Alter von sechs Jahren erstmals den Bogen
in die Hand nahm, von Vera Hardt am Piano.
"Einsame Violine"
Besonders anschaulich gelang der Geigerin das "Ballett
für eine einsame Violine" der russischen Komponistin Lera Auerbach.
Einzelne Tanzschritte gezupft, Ausweglosigkeit in schrill-hohen Tönen,
verwirrende Gedanken im Wechsel aus Streichen und Klopfen des Bogens und
ein fragendes Ende im Satz "Question" - das Publikum war begeistert.
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