"Schreien der Opfer lauschen"
14.11.2007 - Allgemeine Zeitung
red. BINGEN "Vor allem bewegen uns die Stimmen der
Menschen, denen die Vernichtung bevorstand, gerade wegen ihrer völligen
Hilflosigkeit, ihrer Unschuld und der Einsamkeit ihrer Verzweiflung."
Mit diesem Zitat von Saul Friedländer, stimmte der Ausschuss für
Ökumene und der Arbeitskreis Jüdisches Bingen in das Thema des
Gedenkens zum 9. November an der Binger Synagoge ein. Die drei "Stolpersteine"
vor der Synagoge erinnern an die Familie Koppel, die dort gewohnt hat
und Dienste in dem Bethaus der Binger Juden versah. Karl, Herta, Sohn
Kurt und die Verwandten aus der Familie Marx, Irma, Arthur und die Töchter
Gisela und Doris, wurden am 20. März 1942 von Bingen nach Pialski-Lublin
deportiert. Sie alle haben die Todesmaschine des nationalsozialistischen
Rassenwahns nicht überlebt. Als Zeichen der Erinnerung und des Gedenkens
legten die Teilnehmer, wie es jüdischer Brauch ist, größere
Kieselsteine um die "Stolpersteine" des Gehweges. Beim Niederlegen
verlas Pfarrer Gerhard Choquet den "Kaddisch", das jüdische
Totengebet. Dass die Stolpersteine-Aktion weltweit gewürdigt wird,
ist Verdienst des Arbeitskreises Jüdisches Bingen. Daher verlas Beate
Goetz Zitate aus Briefen von Doris Herzberg, Kaj Schueler und Dr. Ruth
Formanek, in denen dankbar für diese Zeichen Erinnerungen an Bingen
wachgerufen wurden. Für Christen leitet sich die Forderung nach der
Schaffung von Frieden und Gerechtigkeit ab, wie Pfarrvikar Carsten Beul
eindringlich betonte. Mit dem Friedenslied "Shalom chaverim",
begleitet von der Gitarristin der Fels-Gemeinde, fand das Gedenken einen
abschließenden Akzent
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