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Der großen Vorfahren gedacht


Rabbi Schlomo Amar küsste den Stein des Maharil - gemeinsam mit Rabbi Jona Metzger und den übrigen Besuchern des jüdischen Friedhofs gedachten die Rabbiner ihrer großen Vorfahren, deren Lehren in die heutige Zeit hineinwirken.
Foto: privat

Israelische Rabbiner am Heiligen Sand

13.11.2007 - Von Ulrike Schäfer, Wormser Zeitung

Die höchsten jüdischen Würdenträger überhaupt, der aschkenazische Rabbi Jona Metzger und der sephardische Rabbi Schlomo Amar aus Jerusalem, haben Worms besucht - ohne Ankündigung, ganz still und leise des Nachts.

Sie waren eigentlich nach Köln gereist, wo die in der Pogromnacht aus der großen Kölner Synagoge gerettete Torarolle nach umfangreicher Restaurierung feierlich wieder eingesetzt wurde. Anlässlich ihres Aufenthalts in Deutschland beschlossen sie, am Tag nach den Feierlichkeiten den Heiligen Sand in Worms, den ältesten Judenfriedhof Deutschlands, aufzusuchen.

Reisen dürfen fromme Juden erst nach Ende des Schabbat, was im Klartext hieß, dass sie erst nach Einbruch der Dunkelheit in Köln fortfahren durften.

Für die Verwaltung in Worms ergab sich daraus eine ungewohnte Aufgabe, musste doch auf dem Friedhof eine entsprechende Beleuchtung installiert werden, um die Begehung möglich zu machen. Und zwar mit dem nötigen Feingefühl. "Kein Flutlicht", sagte Beigeordneter Hans-Joachim Kosubek, schließlich sollte die Nachbarschaft nicht irritiert werden und Alarm schlagen - der Besuch der geistlichen Oberhäupter des Judentums sollte möglichst kein Aufsehen erregen.

Gegen 21.20 Uhr fuhren die ersten Autos am Friedhof vor, eskortiert von einen größeren Polizeiaufgebot. Rabbi Schlomo Amar in besticktem Gewand und der ihn um Haupteslänge überragende Rabbi Jona Metzger, gefolgt von einem ganzen Schwarm von Leuten, darunter auch Ronald Graetz, der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Köln, wurden von Stella Schindler-Siegreich, Vorsitzende der Mainzer Gemeinde, und Hans-Joachim Kosubek empfangen und sogleich zu den Gräbern des Rabbi Meir von Rothenburg und des Alexander ben Salomon Wimpfen geführt.

Beeindruckt gingen die Oberrabbiner in die Knie, um mit eigenen Augen die Grabinschrift auf den berühmten Gräbern zu lesen. Anschließend begab sich die Gruppe im Fackelschein zum Tal der Rabbinen, wo ein junger Mann mit vor Ehrfurcht heiserer Stimme erzählte, dass hier die Gräber des Maharil, des Baal Schem Elia Loanz und des Rabbi Jair Chaim Bacharach zu finden seien. Sogar Raschi verlegte er in seiner Begeisterung hierher, was Stella Schindler-Siegreich umgehend korrigierte: Schließlich ist Raschi in seiner Heimatstadt Troyes begraben. Schlomo Amar küsste den Stein des Maharil, und gemeinsam gedachten die Rabbiner betend und rezitierend ihrer großen Vorfahren, deren Lehren bis in die heutige Zeit wirken. Zum Abschluss wurden noch einmal die Zwillingsgräber am Eingang aufgesucht und von den Männern sieben Mal betend umschritten.

Misstöne bemerkten die Rabbis nicht, die es aber gleichwohl gab. Die Polizei berichtete gestern, dass ein 27-Jähriger aus Eich und ein 26-jähriger Wormser, die zu dieser Zeit am Jüdischen Friedhof vorbeigingen, Parolen riefen. Der 26-jährige Wormser sei bereits einschlägig in Erscheinung getreten. Er wurde zur Verhinderung weiterer Straftaten über Nacht in Gewahrsam genommen. Die Kripo hat die Ermittlungen aufgenommen.


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