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"Das jüdische Erbe erhalten"


Erstmals legten OB Jens Beutel und die Jüdische Gemeinde auch an der Landesbank einen Kranz nieder.
Foto: hbz/ Stefan Sämme


Ein Gedenkzug durch die Stadt erinnerte an die Verbrechen der Nazis.
Foto: hbz/Kristina Schäfer

Kranzniederlegungen und Gedenkfeier für Opfer der Pogrome

10.11.2007 - Von Bernd Funke, Allgemeine Zeitung

Mainz gedachte am Freitag der Pogromnacht des Jahres 1938. Kränze wurden in Margarethengasse und Hindenburgstraße dort niedergelegt, wo Synagogen verwüstet und angezündet wurden. Am Abend bewegte sich ein Gedenkzug der Verfolgten des Naziregimes durch die Stadt.

"Keine Gesellschaft kann ohne Erinnerung leben, denn erinnern bedeutet Orientierung", forderte Oberbürgermeister Jens Beutel vor dem Mahnmal der ehemaligen Hauptsynagoge in der Hindenburgstraße auf, sich auf einen "der beschämendsten Momente deutscher Geschichte" zu besinnen. Auf die Nacht vom 9. zum 10. November 1938, als die Ausgrenzung und Verfolgung der Juden einen ersten furchtbaren Höhepunkt erreicht habe.

55 Wohnungen Mainzer Juden, sechs Läden wurden verwüstet. Mainzer wurden von Mainzern verfolgt, gedemütigt, zu Tode getrampelt oder in den Selbstmord getrieben. Das jüdische Bethaus in Bretzenheim wurde zerstört, die Synagogen der orthodoxen Gemeinde am Flachsmarkt und die der Liberalen in der Hindenburgstraße gingen in Flammen auf. Die Feuerwehr hatte keine Chance - Mainzer Nationalsozialisten hielten sie von Löschversuchen ab. "Viel zu viele sahen weg oder machten mit", beklagte Beutel fehlende Zivilcourage.

Jüdische Geschichte sei Teil Mainzer Geschichte, unterstrich Beutel und warnte vor zahlreichen (auch jüngeren) Besuchern der Feierstunde vor einer "gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit auch vor unserer Haustür". Das jüdische Erbe müsse auch für künftige Generationen erhalten werden, forderte Beutel und sprach sich für eine Erweiterung des jüdischen Friedhofs um die unlängst gefundenen mittelalterlichen Gräber (die AZ berichtete) aus.

Mit dem Gebet "El mole Rachamim" (Gott voller Barmherzigkeit) gedachte Rabbiner und Kantor Avraham Nussbaum der in den Konzentrationslagern des Naziregimes ermordeten Märtyrer.

Stella Schindler-Siegreich, die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde: "Das Entfachen des Feuers in Synagogen endete im Inferno des Krieges." Eindrucksvoll zitierte sie aus in Konzentrationslagern verfassten Texten von und an jüdische Kinder. Der Dank der Vorsitzenden galt "all denen, die das Projekt Synagogenneubau mit Beharrlichkeit verfolgt haben."

Vor nur kleiner Kulisse hatte Beutel zuvor erstmals an der Landesbank, die an der Stelle gebaut wurde, wo die orthodoxe Synagoge stand, einen Kranz niedergelegt. "Einziges Problem der Landesbank war", so bemängelte ein Mitarbeiter Beutels das Ausbleiben eines Landesbank-Vertreters, "zu fragen, wer die Kränze wieder wegräumt."


© Jüdische Gemeinde Mainz