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"Das jüdische Erbe erhalten"


Im maurischen Stil gehalten war die "Flachsmarkt-Synagoge". Von der Bima (Bühne) wurde den Gläubigen die Thora vorgelesen. Beim Brand 1938 wurde alles zerstört.
Foto: Stadtarchiv

Beide Innenstadt-Synagogen 1938 zerstört/Gedenken am Flachsmarkt

9.11.2007 - Von Bernd Funke, Allgemeine Zeitung

In der Nacht zum 10. November 1938 erreichte Judenverfolgung durch die Nationalsozialisten ihren ersten Höhepunkt, Synagogen wurden angezündet, auch die beiden Mainzer Gotteshäuser brannten. Erstmals gedenkt die Jüdische Gemeinde nun an beiden Standorten des Pogroms.

Zum 69. Jahrestag der Pogromnacht, von den Nazis zynisch "Reichskristallnacht" genannt, wird wie in den vergangenen Jahren am Mahnmal vor der ehemaligen Hauptsynagoge in der Hindenburgstraße, den 1988 entdeckten Resten der Säulenhalle, der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Oberbürgermeister Jens Beutel wird sprechen und die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Mainz, Stella Schindler-Siegreich. Avraham Nussbaum, Rabbiner und Kantor der Jüdischen Gemeinde Wiesbaden, wird das Kaddisch, die jüdische Totenklage, anstimmen, wo die 1912 erbaute Hauptsynagoge in Flammen aufging.

Erstmals wird aber auch ein Kranz durch die Jüdische Gemeinde niedergelegt in der Margarethengasse. Hier, auf der Rückseite der heutigen Landesbank, befand sich der Eingang der neo-orthodoxen Synagoge der "Israelitischen Religionsgesellschaft". Neben dem mahnenden Schild "Fahrräder abstellen verboten" ist eine bronzene Hinweistafel angebracht. Denn: genau hier stand die 1856 die nach einem Entwurf von Architekt Albert gebaute Synagoge. Wegen schwerer Bauschäden wurde 1877 mit den Planungen für einen grundlegenden Um- beziehungsweise Neubau im maurischen Stil nach Plänen von Stadtbaumeister Eduard Kreyßig begonnen. Die neue orthodoxe Synagoge bot 300 Personen Platz. Der Zugang war zwischen den Gebäuden Margarethenstraße 19 und Flachsmarktstraße 25.

Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge durch die Nazihorden in Brand gesetzt, die Inneneinrichtung wurde dabei völlig zerstört. 1939/40 wurde das Gebäude abgebrochen. 1983 entdeckte Rabbiner Prof. Dr. Leo Trepp auf dem jüdischen Friedhof einen hebräischen Inschriftenstein aus der dieser Synagoge, die Trepp noch aus seiner Jugend kennt. Der Stein gilt inzwischen als verschollen.

"Den Opfern zum Gedenken" wird die Jüdische Gemeinde heute an der Erinnerungstafel der "Flachsmarkt-Synagoge" ihren Kranz niederlegen. Doch die Tafel gehöre, so ist aus der Gemeinde zu hören, "eigentlich an den Haupteingang der Bank". Landesbank-Pressesprecher Jürgen Pitzer: "Die Landesbank Rheinland-Pfalz, die im Juli 1958 gegründet wurde, hat an ihrem vor rund 50 Jahren errichteten Gebäude in der Margarethenstraße im Gedenken an den Standort der ehemaligen neo-orthodoxen Synagoge eine Gedenkplakette angebracht." Darüber hinaus sei in der Vorderen Synagogenstraße in der Zeit, als die LBS noch zur LRP gehörte, zum Gedenken an die dort früher angesiedelte Synagoge, eine Gedenktafel angebracht worden. Pitzer: "Damit soll den Zeugnissen der jüdischen Vergangenheit sichbarer Ausdruck verliehen werden."


© Jüdische Gemeinde Mainz