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Pressespiegel:
Jüdische Grabstellen auf Mainzer Baugrundstück entdeckt

Fast 1000 Jahre alte Grabsteine an der Fritz-Kohl-Straße neben dem Alten Friedhof sollen erhalten werden.

19.10.07 - Offizielle Pressemitteilung der Stadt Mainz
19.10.07 - Gräberstelle soll zum Friedhof werden. AZ
19.10.07 - Mainz. Jüdischer Friedhof soll wiederhergestellt werden. SWR
19.10.07 - Stadtvillen stören Totenruhe. MaMo
17.10.07 - „Totenruhe darf nicht gestört werden“. FAZ
17.10.07 - Jüdische Gräber sollen unberührt bleiben. AZ
16.10.07 - Seit 1000 Jahren Teil der Stadt. AZ
16.10.07 - Millionenschweres Bauprojekt vor dem Aus. SWR
12.09.07 - Brief an Konferenz der Rabbiner. AZ
03.09.07 - Brief aus London zu Gräbern. AZ
30.08.07 - Rabbi besichtigt mögliche Gräber. AZ

Pressemitteilung der Stadt Mainz vom 19.10.2007

Jüdische Begräbnisstätte Fritz-Kohl-Strasse: Stellungnahme der Orthodoxen Rabbinerkonferenz

Bebauung des Geländes nicht möglich - OB schlägt im Gespräch mit jüdischer Gemeinde Wiederherstellung des jüdischen Friedhofes vor - Stelen "Historisches Mainz" - Beschluss der städtischen Gremien notwendig

Das Gelände für das Neubauvorhaben in der Fritz-Kohl-Strasse wurde Ende September 2006 von Seiten der Stadt an die Firma Wilma Wohnen Bauprojekte Süd aus Wiesbaden veräußert. Gemäß den städtebaulichen Rahmenbedingungen sah deren Entwicklungsplanung auf den Grundstücken sieben Wohngebäude vor. Das betreffende Gelände wurde damals von der Generaldirektion Kulturelles Erbe - Direktion Archäologie - als Verdachtsfläche für römische Gräber eingestuft. Die Nähe zum benachbarten jüdischen Friedhof erforderte besondere Aufmerksamkeit. Beim Abbruch der Nachkriegsbauten und den damit verbundenen Erdbewegungen stieß man dann auf Steinsetzungen und Mauerwerke, die nach eingehender Untersuchung als jüdische Grablegungen aus dem 11./12. Jahrhundert n. Chr. eingeordnet wurden. Auf Veranlassung der Stadt und im Einvernehmen mit Wilma wurden die Arbeiten bereits im ersten Verdachtsmoment, dass es sich um bedeutende archäologische Funde handeln könnte, eingestellt.

Dem Oberbürgermeister liegt seit einigen Tagen ein Schreiben des Vorstandes der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschlands, Rabbiner Netanel Teitelbaum, vor, in dem dieser die Auffassung der Rabbiner wie folgt beschreibt: "Nach den Gesetzen der jüdischen Religion hat jegliche Bebauung des als jüdischen Friedhof erkannten Areals zu unterbleiben. Weder eine Umbettung noch eine Überdeckelung sind mit den Bestimmungen des Religionsgesetzes vereinbar."
Teitelbaum weiter: "In Mainz steht uns eine sehr gewissenhafte und freundlich gesinnte Stadtregierung gegenüber. Die Stadt will von uns Rabbinern wissen, was die jüdische Lehre zu diesen Fragen zu sagen hat. Die Stadt stellt sich der Geschichte und dem kulturellen Erbe des antiken "Magenza", eines Teils der Kerngemeinde des deutschen Judentums "Schum" (als Akronym von Speyer, Worms und Mainz) positiv, sie sucht diesem Erbe gerecht zu werden, und nicht ihn auf dem Altar des Geldes zu opfern. Diese Einstellung stimmt mit den verschiedenen Anstrengungen überein, welche die Jüdische Gemeinde zu Mainz seit einiger Zeit zur Erhaltung dieses Erbes unternimmt. Denken wir an die finanziellen Anstrengungen, welche die Mainzer Juden im Mittelalter auf sich hatten nehmen müssen, um diesen Friedhof für sich auf Ewigkeit zu erwerben, erwägen wir das Unrecht, welches ihnen angetan wurde, als sie im fünfzehnten Jahrhundert nicht nur ihrer Heimat und ihres gesamten Hab und Guts beraubt wurden, sondern auch des Friedhofes, und dass dieser ihnen nach ihrer Rückkehr in die Stadt nur zu einem geringen Teil zurückgegeben wurde. Dann lässt sich die Möglichkeit eines finanziellen Opfers seitens der Stadt in Kauf nehmen. Überhaupt wenn man bedenkt, dass es hier um einen einmaligen Aufwand geht, der der Kultur der Stadt ein Denkmal ihrer glorreichen jüdischen Vergangenheit für künftige Generationen erhält. Mainz würde mit einem solchen Entscheid als nachzuahmendes gutes Beispiel in die Geschichte eingehen. Kennt man bzw. anerkennt man in Deutschland das Bedürfnis die Wiedergutmachung der Gräueltaten der Nazigenerationen, so würde hier erstmals ein Zeichen gesetzt, dass auch die Untaten früherer Generationen nicht zur Bereicherung der Stadt auf die Kosten des wirtschaftlichen und kulturellen Erbes der Mainzer Juden führen sollten. Eines Restitution dieses Friedhofes an die auf ihm begrabenen Stadtbürger würde der Stadt Mainz zur Ehre geraten."

Diese Auffassung vertrat auch Oberbürgermeister Jens Beutel im heutigen Gespräch mit Vertretern der jüdischen Gemeinde Mainz: "Ich freue mich über die positive Würdigung unseres Vorgehens und kann mich der historischen und moralischen Einordnung des Sachverhaltes durch die Rabbinerkonferenz anschließen. Aus meiner persönlichen Sicht wäre daher unabhängig von der Kostenfrage eine Erweiterung und Wiederherstellung des bestehenden Friedhofes für unsere Stadt der richtige Schritt." Darüber hinaus setzte sich der OB für eine Beteiligung der Stadt an der Dokumentation der jüdischen Geschichte an diesem Ort ein: "Ich könnte mir gut an der Mombacher Straße eine Einbindung in unser Konzept der historischen Stelen vorstellen, wie wir das mit Erfolg auch bereits an den anderen jüdischen Friedhöfen praktiziert haben." Die Gestaltung dieser Stelen solle in Abstimmung mit der jüdischen Gemeinde erfolgen. Die Vorsitzende der Gemeinde, Stella Schindler-Siegreich, schloss sich den lobenden Worten der Rabbinerkonferenz an und dankte der Stadt auch für die erklärte Bereitschaft, an dieser Stelle dem Gedenken an die traditionsreiche Geschichte der Juden in Mainz Rechnung zu tragen.

Beim genauen Zuschnitt des endgültigen Friedhofsgeländes einigte man sich darauf, dass an der Stelle des bereits entkernten Gebäudes an der Fritz-Kohl-Straße eine Wiederbebauung erfolgen kann. Hier stand seit jeher Wohnbebauung. Die Stadt ist bereit, aus dem Ertrag dieser Wiederbebauung die Umgestaltung des bestehenden Baugeländes zu einem Gräberfeld zu bestreiten, das dann dauerhaft gesicherter Teil des jüdischen Friedhofes wäre. Zur Zeit stehen die Stadt und der Bauträger in Verhandlungen über die im Zusammenhang mit dem Bauverzicht und der Übergabe des Geländes an die jüdische Gemeinde entstehenden Kosten. Der OB lobte in diesem Zusammenhang ausdrücklich nochmals die kooperative Haltung des Unternehmens Wilma. "Wir werden jetzt die gemeinsam entwickelten Vorschläge auf ihre rechtlichen, vertraglichen und finanziellen Konsequenzen hin überprüfen und dann den städtischen Gremien zur abschließenden Beratung und Beschlussfassung vorlegen," fasste der Oberbürgermeister die Haltung der Stadt zusammen.
(bia)

Quelle: Homepage der Stadt Mainz

Gräberstelle soll zum Friedhof werden

OB Beutel spricht mit Jüdischer Gemeinde über Stellungnahme der Rabbinerkonferenz

19.10.2007 - von Michael Erfurth, Allgemeine Zeitung


Der mit Bäumen geschützte alte jüdische Friedhof soll um das brach liegende Nachbargrundstück, auf dem Gräber aus dem 11. und 12. Jahrhundert entdeckt wurden, erweitert werden. Das Areal des leer stehenden Wohnhauses kann wieder bebaut werden.
Foto: Sascha Kopp

Der alte jüdische Friedhof am Hang des Hartenbergs soll um das benachbarte Areal erweitert werden, auf dem bei Bauarbeiten Ende August fast 1000 Jahre alte jüdische Gräber entdeckt wurden. Dies schlug OB Jens Beutel gestern im Gespräch mit der Jüdischen Gemeinde vor.

Die deutsche Orthodoxe Rabbinerkonferenz hatte in ihrer Stellungnahme, wie mit den Funden umgegangen werden soll, betont, dass mit der Erweiterung des Friedhofgeländes die Totenruhe gemäß jüdischem Glauben gewahrt werden könne. Dieser Einschätzung schlossen sich Oberbürgermeister Beutel und die Vorsitzende der Mainzer Jüdischen Gemeinde, Stella Schindler-Siegreich, an. "Aus meiner persönlichen Sicht ist - unabhängig von der Kostenfrage - die Wiederherstellung des Friedhofs für unsere Stadt der richtige Schritt", sagte Beutel. Außerdem wolle er sich dafür einsetzen, dass im unteren Bereich des Friedhofs an der Mombacher Straße in Abstimmung mit der jüdischen Gemeinde Stelen aufgestellt werden, die auf die besondere Geschichte des Ortes hinweisen.

Beutel freute sich über die positive Würdigung der Rabbinerkonferenz zum bisherigen Vorgehen. "In Mainz steht uns eine sehr gewissenhafte und freundliche Stadtregierung gegenüber", hatte Vorstandsmitglied Rabbiner Netanel Teitelbaum in seinem Schreiben betont. "Die Stadt stellt sich der Geschichte und dem kulturellen Erbe des antiken Magenza als eines Teils der Kerngemeinden des deutschen Judentums", so Teitelbaum. "Sie versucht, diesem Erbe gerecht zu werden und es nicht auf dem Altar des Geldes zu opfern."

Welche Kosten auf die Stadt zukommen, ist noch offen. 2006 hatte die städtische Grundstücksverwaltungsgesellschaft das 9000 Quadratmeter große Gelände, auf dem unter anderem die ehemalige Landwirtschaftsschule stand, für rund 1,7 Millionen Euro an die Wilma Wohnen GmbH verkauft. Die Stadt verhandelt nun mit dem Wiesbadener Bauträger über die Modalitäten eines Rückkaufs und über mögliche Alternativgrundstücke in Mainz. Betroffen ist nicht die komplette Fläche. Denn das Areal des bereits entkernten Wohnhauses im oberen Bereich an der Fritz-Kohl-Straße kann wieder bebaut werden, darauf haben sich die Gesprächsteilnehmer geeinigt. Die Stadt sei bereit, aus diesem Ertrag die Umgestaltung des unteren Geländes zu einem Gräberfeld, das dann dauerhafter Bestandteil des Friedhofs wäre, zu bestreiten. All diese Vorschläge müssten nun auf ihre rechtlichen und finanziellen Konsequenzen hin geprüft werden, dann müssen die städtischen Gremien beraten und entscheiden, so der OB.

Mainz Jüdischer Friedhof soll wiederhergestellt werden

Nach dem Fund historischer jüdischer Gräber und dem Aus für ein großes Bauprojekt in Mainz hat Oberbürgermeister Jens Beutel eine Wiederherstellung des dortigen früheren jüdischen Friedhofs vorgeschlagen.

19.10.2007 - SWR

Beutel habe die Wiederherstellung in einem Gespräch mit Vertretern der Jüdischen Gemeinde Mainz vorgeschlagen, teilte die Stadt mit. Geplant war ursprünglich auf einem rund 9.000 Quadratmeter großen Gelände der millionenschwere Bau von sieben Stadtvillen mit etwa 50 Wohnungen.

Ein Archäologe hatte die vermutlich aus dem Mittelalter stammenden Gräber Ende August entdeckt. Der jüdische Glauben verbietet, dass Gräber auch Jahrhunderte später angetastet werden. Nach dem Fund der Gräber wurde ein Baustopp verhängt. Das ehemals städtische Gelände liegt unmittelbar neben einem erhaltenen alten jüdischen Friedhof.

Bei dem Gespräch wurde nun laut Stadtverwaltung vereinbart, auf einem Nachbargrundstück mit einem entkernten Gebäude eine Wiederbebauung zuzulassen. Aus dem Ertrag dieser Wiederbebauung werde man die Umgestaltung des bestehenden Baugeländes zu einem Gräberfeld bestreiten, teilte die Stadt mit. Dieser Vorschlag werde nun rechtlich und finanziell geprüft und den städtischen Gremien zur Beschlussfassung vorgelegt.

Stadtvillen stören Totenruhe

Jüdische Gräber stoppen Bauprojekt / Glaube verbietet Umbettung sterblicher Überreste

19.10.2007 - von dpa-Korrespondent Jan Brinkhus, Mannheimer Morgen

Der alte jüdische Friedhof am Hang des Hartenbergs soll um das benachbarte Areal erweitert werden, auf dem bei Bauarbeiten Ende August fast 1000 Jahre alte jüdische Gräber entdeckt wurden. Dies schlug OB Jens Beutel gestern im Gespräch mit der Jüdischen Gemeinde vor.

Die deutsche Orthodoxe Rabbinerkonferenz hatte in ihrer Stellungnahme, wie mit den Funden umgegangen werden soll, betont, dass mit der Erweiterung des Friedhofgeländes die Totenruhe gemäß jüdischem Glauben gewahrt werden könne. Dieser Einschätzung schlossen sich Oberbürgermeister Beutel und die Vorsitzende der Mainzer Jüdischen Gemeinde, Stella Schindler-Siegreich, an. "Aus meiner persönlichen Sicht ist - unabhängig von der Kostenfrage - die Wiederherstellung des Friedhofs für unsere Stadt der richtige Schritt", sagte Beutel. Außerdem wolle er sich dafür einsetzen, dass im unteren Bereich des Friedhofs an der Mombacher Straße in Abstimmung mit der jüdischen Gemeinde Stelen aufgestellt werden, die auf die besondere Geschichte des Ortes hinweisen.

Beutel freute sich über die positive Würdigung der Rabbinerkonferenz zum bisherigen Vorgehen. "In Mainz steht uns eine sehr gewissenhafte und freundliche Stadtregierung gegenüber", hatte Vorstandsmitglied Rabbiner Netanel Teitelbaum in seinem Schreiben betont. "Die Stadt stellt sich der Geschichte und dem kulturellen Erbe des antiken Magenza als eines Teils der Kerngemeinden des deutschen Judentums", so Teitelbaum. "Sie versucht, diesem Erbe gerecht zu werden und es nicht auf dem Altar des Geldes zu opfern."

Welche Kosten auf die Stadt zukommen, ist noch offen. 2006 hatte die städtische Grundstücksverwaltungsgesellschaft das 9000 Quadratmeter große Gelände, auf dem unter anderem die ehemalige Landwirtschaftsschule stand, für rund 1,7 Millionen Euro an die Wilma Wohnen GmbH verkauft. Die Stadt verhandelt nun mit dem Wiesbadener Bauträger über die Modalitäten eines Rückkaufs und über mögliche Alternativgrundstücke in Mainz. Betroffen ist nicht die komplette Fläche. Denn das Areal des bereits entkernten Wohnhauses im oberen Bereich an der Fritz-Kohl-Straße kann wieder bebaut werden, darauf haben sich die Gesprächsteilnehmer geeinigt. Die Stadt sei bereit, aus diesem Ertrag die Umgestaltung des unteren Geländes zu einem Gräberfeld, das dann dauerhafter Bestandteil des Friedhofs wäre, zu bestreiten. All diese Vorschläge müssten nun auf ihre rechtlichen und finanziellen Konsequenzen hin geprüft werden, dann müssen die städtischen Gremien beraten und entscheiden, so der OB.

„Totenruhe darf nicht gestört werden“

17.10.2007 - von Oliver Koch, FAZ.NET Rhein-Main-Zeitung

Foto (FAZ): Grabbesichtigung
Vertreter der Rabbinerkonferenz begutachteten die Baustelle und das Gräberfeld

Ursprünglich sollten auf dem Gelände der alten Landwirtschaftsschule an der Fritz-Kohl-Straße in Mainz bis Ende 2008 sieben Stadtvillen mit mehr als 50 Wohnungen entstehen. Doch ob das Projekt tatsächlich jemals verwirklicht wird, erscheint derzeit mehr als fraglich. Grund ist die Stellungnahme der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland zu dem jüdischen Gräberfeld, das dort im August bei Aushubarbeiten entdeckt worden war; seitdem ruhen die Arbeiten an der Baustelle. Das Gremium hatte sich in einem Schreiben an die Stadt ablehnend zu dem Bauprojekt geäußert.

Grund ist das jüdische Religionsgesetz, die sogenannte Halacha, der zufolge jüdische Gräber nicht angetastet werden dürfen, um die Totenruhe nicht zu beeinträchtigen. So hat sich laut Stadtsprecher Ralf Peterhanwahr die Rabbinerkonferenz in dem Brief sowohl gegen die Bergung einzelner Grabstellen als auch die sogenannte Blockbergung des gesamten zwischen dem 11. und 15. Jahrhundert genutzten Friedhofes ausgesprochen. Dadurch sei eine Verletzung der Gebeine und mithin eine Störung der Totenruhe zu befürchten.

Oberbürgermeister will vermitteln

Diese werde auch dann beeinträchtigt, wenn Sondierungsgrabungen vorgenommen würden, um zu eruieren, wo weitere Grablegen vorhanden sind. Die Gräber müssten unangetastet bleiben, alles andere wäre im jüdischen Glauben ein „absolutes Tabu“, so der Sprecher. Umbettungen seien nur dann zulässig, wenn die Gräber geschändet worden wären. Dies sei jedoch nicht der Fall gewesen.

Ein wenig Spielraum sieht die Stadt Peterhanwahr zufolge noch bei einer möglichen „Überdeckelung“ des Gräberfeldes, wie dies bei einem Bauprojekt in Hamburg geschehen sei. Laut Rabbinerkonferenz müsse geprüft werden, ob dies technisch machbar sei. Allerdings habe das Gremium auch hier durchblicken lassen, dass solch eine Überdeckelung mit anschließender Bebauung aus religiöser und moralischer Sicht „nicht wünschenswert“ sei.

Dem Vernehmen nach wird Oberbürgermeister Jens Beutel (SPD) das Gespräch mit der jüdischen Gemeinde suchen, die sich auf Grundlage der Stellungnahme der Rabbinerkonferenz zu dem Bauvorhaben positionieren wird. „Die Stadt wird dem Wunsch der jüdischen Gemeinde entsprechen, wenn dies wirtschaftlich vertretbar ist“, sagte der Stadtsprecher unter Berufung auf eine Äußerung Beutels.

Respekt vor der Geschichte des Judentums

Die Formulierung lässt darauf schließen, dass sich die Kommune nicht für eine – mittlerweile geforderte – Nutzung des jüdischen Friedhofes als Gedenkstätte finanziell in die Pflicht nehmen lassen will. Der Vertrag über den Verkauf des Grundstücks an die Wilma Wohnen Süd GmbH könnte laut Stadtsprecher rückabgewickelt werden, auch sei dann eine Einigung über die dem Unternehmen bislang angefallenen Planungskosten zu finden. Durch den Nichtverkauf des Grundstückes entgingen der Stadt Einnahmen in Höhe von 1,7 Millionen Euro.

Allerdings gab Peterhanwahr zu bedenken, dass der Verzicht auf die Bebauung, falls von der jüdischen Gemeinde so gewünscht, auch Ausdruck moralischer Verpflichtung und Respekt vor der Geschichte des Judentums in der Stadt sei. Peter Hofer, Geschäftsführer der Wilma Wohnen Süd GmbH, will nun zunächst die Reaktion der jüdischen Gemeinde auf die Stellungnahme der Rabbinerkonferenz abwarten.

„Gefreut haben wir uns natürlich nicht darüber, wird hätten gerne in Mainz gebaut“, sagte er. Zwar sei es möglich, dass sich doch noch eine Lösung abzeichne, sagte er mit Blick auf die mögliche Überdeckelung des Gräberfeldes. Gleichwohl räume er dieser Idee keine großen Chancen ein. Falls das Bauvorhaben nicht möglich sei, werde man sich mit der Stadt zusammensetzen. Man habe schon bislang sehr kooperativ zusammengearbeitet; er sei sicher, eine für alle tragbare Lösung zu finden, äußerte er. Über einen möglichen Alternativstandort für das Stadtvillen-Projekt habe man sich noch keine Gedanken gemacht. Bei der jüdischen Gemeinde war gestern niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z. - Cornelia Sick
Link zum Originalartikel

Jüdische Gräber sollen unberührt bleiben

Stadt liegt Brief der Orthodoxen Rabbinerkonferenz zu Funden am Hartenberg vor

17.10.2007 - von Michael Erfurth, Allgemeine Zeitung

Die jüdischen Grabstellen, die Ende August bei Bauarbeiten an der Fritz-Kohl-Straße entdeckt wurden, dürfen nicht angetastet werden. Das hat die deutsche Orthodoxe Rabbinerkonferenz in ihrer Stellungnahme der Stadt mitgeteilt, berichtete Oberbürgermeister Jens Beutel.

Schon beim Vor-Ort-Termin mit der Rabbinerkonferenz aus Köln, der Jüdischen Gemeinde Mainz und der Stadtspitze Anfang September hatte sich abgezeichnet, dass gemäß jüdischem Glauben die Totenruhe auf dem Gräberfeld neben der Mauer des alten jüdischen Friedhofs nicht gestört werden dürfe. In dem Schreiben an die Stadt haben die Rabbiner nun dargelegt, dass daher weder an eine Bergung der einzelnen Grabstellen noch an eine "Blockbergung" - also die Ausgrabung des gesamten Gräberfeldes - zu denken sei. Auch die Suche nach weiteren Gräbern sollte unterbleiben. Eine "Überdeckelung" der Grabanlagen, wie dies in anderen Städten geschehen ist, sei laut Rabbinerkonferenz zwar denkbar, doch diese Variante wäre mit vielen Fragezeichen versehen, betonte Beutel. Schon die Hanglage erschwere eine solche bauliche Lösung. Außerdem sei zu bedenken, dass diese Funde zu den ältesten jüdischen Grabstellen in Europa gehören und Mainz sich auch aufgrund seiner langen 1000-jährigen jüdischen Geschichte der Historie stellen wolle. Die Rabbinerkonferenz habe empfohlen, die Grabstellen unberührt zu lassen.

Der Oberbürgermeister will jetzt im Gespräch mit der Jüdischen Gemeinde das weitere Vorgehen abstimmen. Am Freitag findet dazu ein Treffen mit der Vorsitzenden, Stella Schindler-Siegreich, statt. Beim letzten Vor-Ort-Termin hatten die Rabbiner davon gesprochen, dass hier womöglich eine Pilgerstätte für Juden aus aller Welt entstehen könnte.

Möglich sei, dass die Stadt das Areal zurückkaufen werde, so Beutel. Die städtische Grundstücksverwaltungsgesellschaft (GVG) hatte das 9000 Quadratmeter große Areal zwischen Fritz-Kohl-Straße und altem jüdischen Friedhof an die Wilma Wohnen GmbH veräußert, die sieben Stadtvillen mit 58 Wohnungen errichten wollte. Für dieses Vorhaben hatte die Wiesbadener Firma Baurecht erhalten und im August mit dem Abtragen der Bodenplatte der ehemaligen Landwirtschaftsschule begonnen. "Die Wilma Wohnen hat sich sehr kooperativ verhalten", sagte Beutel, "so auch bei einem Gespräch mit Wirtschaftsdezernent Franz Ringhoffer (FDP) in der vergangenen Woche". Der Grundstückspreis liege bei rund 1,7 Millionen Euro.

Seit 1000 Jahren Teil der Stadt

Grabsteinfunde rücken Geschichte des jüdischen Friedhofs in den Blick

16.10.2007 - von Anja Baumgart-Pietsch, Allgemeine Zeitung


Der jüdische Friedhof an der Mombacher Straße. Die ältesten Grabsteine dort stammen aus dem frühen 11. Jahrhundert.
Foto: Sascha Kopp
Mit den Funden von fast 1000 Jahre alten Grabsteinen auf der Baustelle in der Fritz-Kohl-Straße - direkt neben der Mauer zum alten jüdischen Friedhof - ist die Historie des jüdischen Mainz wieder in den Blickpunkt der Öffentlichkeit geraten.

Die Geschichte der Juden in Mainz reicht über ein Jahrtausend weit zurück. In seinem Beitrag in der Mainzer Stadtchronik über "Magenza, das jüdische Mainz" schreibt der verstorbene ehemalige Stadtarchivdirektor Friedrich Schütz: "Die Annahme, Juden seien mit den Römern an den Mittelrhein gekommen, ist sicherlich nicht unbegründet, aber alle Versuche, ihre Anwesenheit bis zu den Anfängen zurückzuverfolgen, schlugen fehl." Die erste sichere Aufzeichnung über Juden im Mainzer Raum stamme aus der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts. Auch ein bedeutender Gelehrter, Gerschom bar Jehuda, wurde in Mainz geboren und starb um 1040. Ein Gedenkstein aus dem Mittelalter erinnert auf dem Alten jüdischen Friedhof an der Mombacher Straße an ihn.
Die ältesten Grabsteine dort stammen aus dem frühen 11. Jahrhundert. In einem Beitrag aus der Zeitschrift "Menorah" von 1927 schreibt der Rabbi J. Bondi: "Die Mainzer jüdische Gemeinde ist Hüterin eines uralten Heiligtums, wie sich nicht viele in Mitteleuropa finden, es ist dieses die Begräbnisstätte, die sich von der Mombacher Straße hinauf bis zur Höhe der Wallstraße erstreckt. Seit zirka 1300 führt sie in Akten den Namen Judensand. Bis zur Mitte der Siebzigerjahre des vorigen Jahrhunderts lag dieser uralte Friedhof außerhalb des Stadtgebietes. Dieser Umstand allein schon verbürgt das hohe Alter."

Eine wichtige Untersuchung zur Geschichte des jüdischen Friedhofs in Mainz hat 1988 der damalige Schüler des Rabanus-Maurus-Gymnasiums, Bernd Andreas Vest, erstellt. Er beschreibt darin auch, dass ein jüdischer Friedhof immer eine bedeutende historische Quelle darstellt. Denn anhand seiner Lage, seiner Abgrenzung sowie Form und Symbolik der Grabsteine lassen sich viele Dinge ablesen, die Auskunft über rituell-religiöse Vorschriften und Ideen der Zeitgeschichte geben. Die so genannten "halachischen" Vorschriften setzen verbindliche Regeln fest, wie mit der Ehre der Toten, der Unantastbarkeit der Begrabenen und deren "Eigentumsrechten" am Grab umgegangen wird. Dies stellt einen entscheidenden Unterschied zu christlichen Grabstätten dar, die vergänglich sind und immer neu belegt werden können. Der jüdische Friedhof dient der unantastbaren Ruhe der Toten "bis zur Endzeit". Nicht einmal Bäume sollen gefällt werden, die so entstehenden, von hohen und alten Bäumen umfriedeten Gräber lassen die Toten auf diese Weise "unter dem Baum des Lebens" ruhen, wie es auf einem der vier im Landesmuseum Mainz aufgestellten hebräischen Grabsteine von 1171 heißt.

Bis 1926 standen auf dem Mainzer "Judensand" nur Grabsteine der Zeit seit etwa 1700, die seit 1825 immer wieder gemachten Funde mittelalterlicher Grabsteine wurden im damaligen Altertumsmuseum verwahrt, schreibt Vest. Der endgültige Nachweis, dass diese Steine ursprünglich vom Areal dieses "alten" (zur Unterscheidung vom "neuen", 1881 eingeweihten Friedhof an der Unteren Zahlbacher Straße) Friedhofs auf dem 1286 erstmals erwähnten Judensand stammen, konnte erst durch Funde, die beim Bau einer Begrenzungsmauer an der Nordwestseite quer zur Mombacher Straße gemacht wurden, erbracht werden.

Der mittelalterliche Friedhof auf dem Judensand war wenig vor der gänzlichen Auflösung der mittelalterlichen Mainzer Judengemeinde 1438 zerstört worden, die meisten Steine wurden herausgerissen und als Baumaterial, zum Beispiel für eine Rheinbefestigung, verwendet. Der älteste datierbare Mainzer Stein stammt aus dem Jahre 1049 und soll der älteste bekannte datierbare jüdische Grabstein in Europa sein.

Durch Sali Levi wurde 1926 eine Erinnerungsstätte errichtet, dort wurden die aufgefundenen mittelalterlichen Steine aufgestellt und, weil sie nicht auf den ursprünglichen Gräbern stehen, auch nicht, wie es sonst Brauch ist, einheitlich nach Osten ausgerichtet. "Wenn auch die Mainzer Grabdenkmalanlage selbst nicht in der Tradition einer seit dem Mittelalter durchgehend benutzten Grabstätte steht, so bleibt es dennoch dankenswert, dass - nach der Zerstörung von 1438 - es nicht nochmals zu einer völligen Verwüstung durch die nazistische Barbarei gekommen ist", schreibt Vest.

Bis heute werden die Angehörigen der in den vergangenen Jahrzehnten wieder gewachsenen Mainzer jüdischen Gemeinde auf dem neuen Friedhof begraben.

Brief an Konferenz der Rabbiner

Stadt liegt Brief der Orthodoxen Rabbinerkonferenz zu Funden am Hartenberg vor

12.9. 2007 - Allgemeine Zeitun

pau. Bürgermeister Norbert Schüler (CDU) hat gestern in einem Brief an die Rabbinerkonferenz in Köln den Sachstand zum Fund der jüdischen Gräber auf dem Baugrundstück in der Fritz-Kohl-Straße zusammengefasst. Im Schreiben betont Schüler nochmals, es werde eine Entscheidung über die Zukunft des Areals nur im Einvernehmen mit den Vertretern der jüdischen Glaubensgemeinschaft geben.

Zwei Kompromissmöglichkeiten zeichnen sich ab, entweder eine Umbettung oder eine Überdeckelung der Gräber. Letztere Variante ist wahrscheinlich, da laut jüdischem Glauben für Gräber eine ewige Totenruhe gilt. Deshalb wendet sich die Kommission zum Schutz der jüdischen Friedhöfe in Europa auch gegen wissenschaftliche Ausgrabungen.

Laut jüdischem Glaubensverständnis ist eine Überdeckelung von Gräbern ab einem Abstand von 80 Zentimeter erlaubt. Für das Bauvorhaben am Hang der Fritz Kohl-Straße scheint eine zwei Meter hohe Überdeckelung möglich.

Ein planerisches Versäumnis der Stadt in Nachbarschaft zum Alten jüdischen Friedhof schließt Schüler aus. Das Grundstück, das die Stadt an die Baugesellschaft Wilma verkauft hat, sei ja schon mit der Landwirtschaftsschule und einem Mietshaus bebaut gewesen - eine neue Bebauung also zunächst in keiner Weise problematisch erschienen. Nach AZ-Informationen würden Millionen-Zahlungen an die Baugesellschaft fällig, falls das Grundstück nicht bebaut wird. Zum einen bekäme die Firma den Grundstückspreis zurück, zum anderen entstandene Kosten.

Brief aus London zu Gräbern

Stadt liegt Brief der Orthodoxen Rabbinerkonferenz zu Funden am Hartenberg vor

3.9. 2007 - Allgemeine Zeitun

pau. Wegen der neben dem Alten Jüdischen Friedhof entdeckten Gräber aus dem 10. bis 11. Jahrhundert hat sich eine weitere jüdische Organisation zu Wort gemeldet. Das "Komitee zum Schutz jüdischer Friedhöfe in Europa" (Committee for the Preservation of Jewish Cemeteries in Europe) schreibt an Oberbürgermeister Jens Beutel: "Es ist uns wichtig, Ihnen mitzuteilen, dass die Jüdischen Gemeinschaften rund um die Welt die Informationen zu den jüngsten Entdeckungen in der Nachbarschaft des Jüdischen Friedhofes am Hartenberg mit größter Besorgnis empfangen haben."

Ein Grundpfeiler der jüdischen Religion sei die "Unstörbarkeit der Grabesruhe". Diese gehe "nicht nur allfälligen Bauvorhaben, sondern auch der verständlichen, meist gut gemeinten Neugier von Historikern und Archäologen auf jeden Fall vor", betont der Präsident des Komitees, Rabbiner Elvakim Schlesinger (London). Ausdrücklich dankt er dem Baudezernat für die einvernehmlich mit dem Bauunternehmen getroffene Entscheidung, die Baustelle vorerst ruhen zu lassen. Er stehe "jederzeit zur Verfügung, um gemeinsam nach Lösungen zu suchen, welche die jüdische Tradition gebührend berücksichtigen", schließt Schlesinger.

SWR am 16.10.07

Millionenschweres Bauprojekt vor dem Aus

Nach dem Fund historischer jüdischer Gräber steht ein millionenschweres Bauprojekt in Mainz vor dem Aus. Grund dafür ist eine Empfehlung der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland an die Stadt.

Bild: Bei Bauarbeiten in Mainz entdeckte jüdische Gräber
Bei Bauarbeiten entdeckt: jüdische Gräber
Bild: SWR

Man tendiere stark zu der Empfehlung, das Gelände nicht zu bebauen, hieß es in einer Stellungnahme. Geplant war auf einem rund 9.000 Quadratmeter großen Gelände der Bau von sieben Stadtvillen mit rund 50 Wohnungen. Der jüdische Glauben verbietet, dass Gräber auch Jahrhunderte später angetastet und beispielsweise umgesetzt werden, da sonst die Totenruhe gestört wird.

Sofortiger Baustopp nach Gräberfund

Ein Archäologe war Ende August auf die jüdischen Gräber gestoßen, die vermutlich aus dem Mittelalter stammen. Danach war ein sofortiger Baustopp verhängt worden. Das ehemals städtische Gelände liegt unmittelbar neben einem alten jüdischen Friedhof. Oberbürgermeister Jens Beutel (SPD) werde sich an diesem Freitag mit Vertretern der Jüdischen Gemeinde in Mainz zu einem Gespräch treffen, sagte ein Sprecher der Stadt. Danach werde über das weitere Vorgehen entschieden.

Stadt will dem Willen der Jüdischen Gemeinde folgen

Möglicherweise könnten die alten Gräber mit einer Art Deckel überbaut werden, so dass die neuen Häuser trotzdem noch errichtet werden können. Sollte sich die Gemeinde aber gegen eine Bebauung aussprechen, werde die Stadt diesem Wunsch folgen. "Da fühlen wir uns der jüdischen Geschichte verpflichtet", sagte der Stadtsprecher.



Rabbi besichtigt mögliche Gräber

Funde auf Baustelle in Fritz-Kohl-Straße unmittelbar neben Altem Friedhof

30.8.2007 - von Monika Paul, Allgemeine Zeitung


In der Baugrube auf dem Hartenberg sind die Grabplatten erkennbar.
Noch steht nicht fest, ob es sich um jüdische Grabstellen handelt.
Foto: Sascha Kopp

Auf einer Baustelle in der Fritz-Kohl-Straße 24 gibt es heute einen ungewöhnlichen Ortstermin: Rabbiner Seew Rubins von der Orthodoxen Rabbinerkonferenz in Deutschland wird mit Vertretern der jüdischen Gemeinde sowie der Denkmalpflege Funde in Augenschein nehmen, die womöglich jüdische Grabstätten sind. Das 9000 Quadratmeter große Areal, das von der Stadt an das Wiesbadener Bauunternehmen Wilma Wohnen Süd GmbH verkauft wurde, liegt unmittelbar neben dem Alten Jüdischen Friedhof zwischen Mombacher Straße und Wallstraße.

"Solch ein Fund hat eine rituelle und eine kulturhistorische Komponente", erklärt Stella Schindler-Siegreich, Vorsitzende der jüdischen Gemeinde. Jüdische Grabstätten gälten als "ewige Grabstätten". Aber ob dies an dieser Stelle am Hartenberg der Fall sei, wisse man ja noch nicht, so Schindler-Siegreich. "Wo menschliche Knochen liegen, kann nach unserem Glauben nicht gebaut werden", sagt Seew Rubins.

Projektleiterin Michaela Unverdorben von der Wiesbadener Firma Wilma betont, ihrem Unternehmen sei an einem "transparenten Umgang" mit den möglicherweise brisanten Funden gelegen. Bisheriger Fakt ist, dass Bauarbeiter bei Abrissarbeiten auf unbeschriftete Steine stießen, die Grabsteine sein könnten. Ob auch Gräber, und damit also auch menschliche Überreste, gefunden wurden, bestätigte die Projektleiterin nicht: "Genau das wissen wir noch nicht." Die Archäologische Denkmalpflege sei jedenfalls vor Ort gewesen und habe ausschließen können, dass es sich um antike Grabstätten handele. Von den Denkmalschutzbehörden war gestern Nachmittag keine Stellungnahme mehr zu erhalten.

Sowohl Michaela Unverdorben als auch Stella Schindler-Siegreich halten es für "verfrüht", über mögliche Schwierigkeiten für den weiteren Baufortschritt in der Fritz-Kohl-Straße zu spekulieren. Das Wiesbadener Unternehmen will auf dem Areal der ehemaligen Landwirtschaftsschule sieben Privatvillen errichten. Die von der Mainzer Architektin Christel Kirstein geplanten Häuser sind nach Wilma-Angaben bereits verkauft. Das Baugelände ist Grabungsschutzgebiet - die Denkmalpflege war also ohnehin geplant vor Ort.

Der benachbarte Friedhof hat historische Wurzeln bis ins erste Jahrhundert. Hier befand sich ein außerhalb der römischen Siedlung gelegenes Gräberfeld, wo ausschließlich Zivilbevölkerung begraben wurde. In Fortführung dieses römischen Friedhofs entstand später eine jüdische Begräbnisstätte. Aus der Zeit zwischen 11. und 15. Jahrhundert sind etliche Grabsteine und Fragmente erhalten, sie wurden allerdings während der zahlreichen Pogrome gegen die jüdische Bevölkerung verschleppt und beispielsweise in Befestigungsanlagen vermauert. So ließ die Stadt 1438 das Gelände des Friedhofs umpflügen und dort einen Weinberg anlegen. Nach Rückkehr der Juden 1445 wurde ihnen nur der untere, zur Mombache Straße gelegene Teil des Friedhofs überlassen.

Die meisten der heute auf dem Friedhofsgelände stehenden über 1000 Grabsteine stammen aus der Zeit von 1700 bis 1880. In diesem Jahr wurde der Friedhof geschlossen - 1881 der neue jüdische Friedhof neben dem Hauptfriedhof eröffnet.

Die wieder gefundenen mittelalterlichen Grabsteine des Alten Friedhofs befinden sich auf einem "Denkmalfriedhof" im westlichen Bereich, der im 19. Jahrhundert dazu gekauft wurde. Um zu dokumentieren, dass die Steine sich nicht am ursprünglichen Standort befinden, wurden diese Steine und Fragmente bewusst verstreut.


© Jüdische Gemeinde Mainz