Home - Gemeinde - Aktuell - Geschichte - Rabbinat - Synagogenprojekt - Links - Gästebuch - Kontakt - Führung

 


Bräuche des Judentums

Fachsymposium in Weisenauer Synagoge zum Rechtswerk "Minhag"

9.10.2007 - Von Rebecca Wilhelm, Allgemeine Zeitung

Mit Leben und Werk des im Mittelalter berühmten jüdischen Mainzer Gelehrten, Maharil, Morenu ha-Rav, "unser Lehrer, der Rabbiner", Ya´aqov Molin Israel Segan ha-Lewi, beschäftigte sich in den vergangenen Tagen ein Fachsymposium in der Synagoge Weisenau.

Geboren wurde Maharil vermutlich 1375 in Mainz und ist am 14. September 1427 in Worms verstorben. Anlässlich seines 580. Todestages beleuchteten Vertreter der Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg, des Seminars für Judaistik an der Johannes-Gutenberg-Universität, der Jüdischen Gemeinde Mainz und des Fördervereins der Synagoge Weisenau unter dem Titel "Maharil: Minhag, Pluralität und Identität" das Wirken Maharils in einer Reihe von Vorträgen.

Maharil gilt als einer der bedeutendsten rabbinischen Gelehrten im spätmittelalterlichen Mainz. Seine Rechtsentscheide und das große Werk "Sefer Minhage Maharil" - das Buch der Bräuche des Maharil - haben die jüdische Lebensweise über Jahrhunderte geprägt. Die von seinen Schülern aufgezeichneten Lehren geben Auskunft über Riten und Bräuche des damaligen westeuropäisch-aschkenazischen Judentums. Große Bedeutung maß Maharil dem Ortsbrauch - genannt "Minhag" - bei: Es handelt sich um bestimmte Praktiken einer jüdischen Gemeinde eines Ortes oder einer Region. Synagogale musikalische Traditionen waren ihm dabei in gleichem Maße heilig wie Ritualvorschriften.

Die Vorträge von Historikern und Judaisten beleuchteten das kulturelle, politische und soziale Umfeld des Mainzers. Professorin Annette Weber der Heidelberger Hochschule für Jüdische Studien sprach beim Auftakt über "Die Definition der Klei Kodesch als Symbole jüdischer Tradition nach dem Sefer Maharil" und präsentierte Kultgeräte aus der Zeit Maharils, die auf eine zunehmende Ritualisierung religiöser Praktiken hindeuten. Maharil habe mit Rücksicht auf die soziale und politische Situation der Juden im Spätmittelalter und den damit verbundenen Schwierigkeiten ganz praktische Entscheidungen zur Ausübung der religiösen Riten getroffen.

Weitere Vorträge setzten sich mit dem intellektuellen und kulturellen Profil des jüdischen Siedlungsgebiets "Aschkenas" entlang des Rheins nach den Krisen und Katastrophen des 14. Jahrhunderts sowie den historischen Impulsen für jüdische Identität und Standortbestimmung heute auseinander.

Professor Andreas Lehnardt vom Seminar für Judaistik der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz referierte am gestrigen zweiten Tag über die Bedeutung des jüdischen "Magenza" in den Werken Maharils.


© Jüdische Gemeinde Mainz