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Klage macht der Freude Platz

Konzert öffnet Gehör für jüdische Musik

4.9.2007 - Von Daniel Honsack, Allgemeine Zeitung

Bereits zum achten Mal fand der "Europäische Tag der jüdischen Kultur" in über 30 Ländern statt. Die jüdische Gemeinde in Mainz hatte sich vor vier Jahren entschlossen, sich den Aktivitäten anzuschließen. In diesem Jahr veranstaltete sie ein Konzert mit synagogaler Musik und jiddischen Kunstliedern in der Westdeutschen Immobilienbank.

Justizminister Heinz Georg Bamberger überbrachte die Grußworte der Landesregierung. Er erinnerte an die jahrhundertealte jüdische Kultur in Rheinland-Pfalz und Deutschland. "Wir alle wären ärmer, hätten wir die Werke jüdischer Kulturschaffender nicht", war er überzeugt. Gleichzeitig machte er deutlich, dass jüdisches Leben in Deutschland fast immer von Verfolgung bedroht war. Daher sah er auch den geplanten Neubau einer Synagoge in Mainz als "Zeichen der Versöhnung".

Altstadt-Ortsvorsteherin Daniela Rößler erinnerte: "Die Synagoge gehörte lange Zeit neben dem Dom und der Christuskirche zur unverwechselbaren religiösen Silhouette der Stadt." Sie wurde in der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 von den Nationalsozialisten und ihren Anhängern zerstört. Das Konzert mit Kantor Marcel Lang und dem Pianisten Lukas Langlotz sah Stella Schindler-Siegreich, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Mainz, als eine "Öffnung zur Förderung von Integration" an, außerdem sollten damit auch Berührungsängste abgebaut werden.

Kantor Lang, der in der Schweiz und in Heidelberg auch als Hochschullehrer tätig ist, leitete die einzelnen Beiträge sachkundig ein, so dass die nicht-jüdischen Zuhörer einen ersten Zugang zu den unterschiedlichen Gebetsformen und Kunstliedern erhielten. Recht verhaltene Deklamationen wurden von befreienden, tänzerischen Charakteren abgelöst, das sparsam eingesetzte Vibrato des Tenors trug ideal in dem Glas-Stahl-Foyer der Bank. Lange, getragene Klagen in Moll mit eng geführten chromatischen Linien gehörten ebenso zum Programm wie fröhliche, überschäumende Klänge oder freie Improvisationen auf dem Klavier. Die Auswahl nahm die Zuhörer auf eine Reise durch ganz unterschiedliche Emotionen mit.

Zum Thema "Jüdischer Karneval in Mainz wieder entdeckt" gibt es heute, 18.15 Uhr, ein Vortrag in der Martinus-Bibliothek, Grebenstraße 8. Der Eintritt ist frei.


© Jüdische Gemeinde Mainz