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Auswanderung nach Amerika war bereits geplant

Familien Marx und Koppel wurden am 20. März 1942 nach Lublin deportiert / Töchter Gisela und Doris waren die jüngsten Opfer aus Bingen

20.8.2007 - von Beate Goetz, Allgemeine Zeitung


Der in Bingen geborene Kurt Koppel war Schlosser-Lehrlingsschüler.
privat

BINGEN 23 weitere, so genannte Stolpersteine erinnern an verfolgte und ermordete jüdische Familien. Wie schon in den Jahren zuvor porträtieren wir in einer kleinen Serie das Schicksal der jüdischen Familien.

Arthur Marx, von Beruf Metzger, der mit seiner Familie in der Schmittstraße 41 wohnte, wurde am 17. November 1898 in Altenkirchen, Westerwald geboren. Er war verheiratet mit Irma geb. Koppel, die am 23. Oktober 1898 in Beilstein, Kreis Zell zur Welt kam. Die beiden Töchter wurden noch in Altenkirchen geboren, Gisela am 30. Dezember 1930, Doris am 7. März 1932.

Für Kriegseinsatz geehrt

Arthur Marx war Kriegsteilnehmer im Ersten Weltkrieg und als Kanonier und Telefonist eingesetzt. Er kämpfte in Flandern und Frankreich und wurde mit dem Eisernen Kreuz zweiter Klasse und dem Ehrenkreuz für Frontkämpfer ausgezeichnet.

Die Familie wollte nach Amerika auswandern, wurde aber am 20. März 1942 nach Lublin deportiert. Gisela und Doris Marx waren die jüngsten Kinder auf den Binger Deportationslisten.

Die Steine für die Eltern wurden von Schülerinnen der Hildegardisschule finanziert, Dr. Josef Götten erinnert an die beiden Kinder. Er verwendete hierfür das Preisgeld, das mit dem Ehrenbrief des Landrats verbunden war, den Bürger erhalten, die sich ehrenamtlich für das kulturelle Leben im Landkreis engagieren. Die Steine befinden sich vor dem Gebäude Schmittstraße 33.

Stolper-Steine

Irma Marx war die Schwester von Karl Koppel, dessen Familie ebenfalls dem nationalsozialistischen Terror zum Opfer fiel. Karl Koppel, Bankbeamter, wurde am 7. Juli 1891 in Beilstein an der Mosel geboren. Er war Kriegsteilnehmer während des ganzen Ersten Weltkriegs und wurde am 16. März 1915 in Stellungskämpfen an der Beresina verwundet. Er wurde mit dem Eisernen Kreuz II und dem Ehrenkreuz für Frontkämpfer ausgezeichnet. Ehefrau Herta, geborene Wolf, wurde am 4. Juni 1889 in Bingen geboren. Sie war die Tochter von Max Wolf, der das Amt des "Schames", des Synagogendieners bei der Israelitischen Religionsgemeinde, inne hatte. Daraus erklärt sich auch, dass die Familie in der Küsterwohnung im rechten Teil des Synagogenbaus wohnte.

Herta Koppel arbeitete im Ersten Weltkrieg als Krankenschwester, wofür ihr die Rotkreuzmedaille 3. Klasse und das Hessische Sanitätskreuz verliehen wurden.

Der gemeinsame Sohn Kurt, am 13. November 1921 in Bingen geboren, lebte 1940 in Frankfurt am Main, wo er Schlosser-Lehrlingsschüler der Anlernwerkstatt der jüdischen Gemeinde Frankfurt war. Auch Familie Koppel hatte ihre Auswanderung schon weit vorangetrieben. Karl Koppels Bruder Fritz, Jahrgang 1893, der 1938 zusammen mit seiner Frau Germaine, geborene Cerf, einer gebürtigen Lothringerin, nach Amerika ausgewandert war, wollte die Bürgschaft übernehmen. Dazu kam es nicht mehr, auch Karl und Herta Koppel wurden mit Sohn Kurt am 20. März 1942 nach Lublin deportiert.

Gedenkplatte an Grab

Die Eltern Leopold (1853 bis 1927) und Johanna (1864 bis 1937) Koppel, geborene Wirth, ruhen auf dem jüdischen Friedhof in Bingen. Eine Gedenkplatte vor dem Grabmal erinnert an Karl Koppel, Berthold Koppel und Irma Marx, geborene Koppel, und ihre Familien. Somit muss man davon ausgehen, dass auch Berthold Koppel, der 1940 in München lebte, mit seiner Familie zu den Opfern zählt.

Sponsoren der Stolpersteine für das Ehepaar Koppel sind Matthias, Astrid, Maria und Tabea Krolla und Jörg und Michaela Maschke. Den Stein für Kurt Koppel übernahm ein Binger Bürger. Die Steine befinden sich vor der Rochusstraße 10.


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