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Die Erinnerung wird wachgehalten

Sanierung des jüdischen Friedhofs Essenheim abgeschlossen / Kosten von 11000 Euro

17.7.2007 - von Dieter Oberhollenzer, Allgemeine Zeitung


Neu gestaltet wurde auch der Eingang zum kleinen jüdischen Friedhof in Essenheim.
Dazu gehören zwei Parkplätze.
Ein Fehler auf der Hinweistafel muss allerdings noch korrigiert werden: Der Friedhof wurde erst 1877 eingerichtet.
Foto: hbz/Henkel

ESSENHEIM Der in den vergangenen Jahren etwas in Vergessenheit geratene jüdische Friedhof am Rande von Essenheim ist wieder mehr ins öffentliche Bewusstsein gerückt worden. Für Instandsetzungsmaßnahmen haben Land und Gemeinde insgesamt 11000 Euro ausgegeben.

Die jüdische Gemeinde in Essenheim hatte im Jahr 1871 mit 126 Personen den Höchststand in ihrer wechselvollen Geschichte erreicht. 1877 stellte die bürgerliche Gemeinde ein Grundstück zur Anlage eines eigenen Friedhofs zur Verfügung - zuvor waren die Essenheimer Juden in Jugenheim begraben worden. Einweihung war am 17. Dezember 1877 mit der ersten Beisetzung. Rabbiner Dr. Lehmann aus Mainz wurde in der Zeitschrift "Der Israelit" so zitiert: "Die Nacht des Mittelalters ist gewichen und der frühere Hass der Religionen und Konfessionen gegeneinander immer mehr verschwunden."

1931 lebten noch 25 Juden in Essenheim; die meisten verließen nach der "Machtergreifung" Hitlers 1933 die Gemeinde. Einige flüchteten danach vor den Nazis ins sichere Ausland, andere wurden deportiert und ermordet. Eine Gedenktafel erinnert an die erst 1978 abgebrochene Synagoge in der Klappergasse. Die letzte Beisetzung in Essenheim fand 1934 statt. Nach Zerstörungen in der Nazi-Zeit wurde der Friedhof, der an der Wackernheimer Straße liegt, im Jahr 1954 erstmals instand gesetzt.

"Arbeiten abgeschlossen, Ergebnis sehr zufrieden stellend", lautete gestern das Fazit nach der jetzt abgeschlossenen zweiten umfangreichen Sanierung des jüdischen Friedhofs. Insgesamt kostete die Instandsetzung 11000 Euro. Vom Land wurden 9000 Euro aus dem Hilfsfonds für Instandsetzungs- und Pflegemaßnahmen dem kommunalen Friedhofsträger zur Verfügung gestellt. Weitere 2000 Euro steuerte die Ortsgemeinde selbst bei.

Mehrere Sträucher wurden entfernt, Hecken zum benachbarten Wohnhaus stark beschnitten. Ein neuer Stabgitterzaun, der den maroden Maschendrahtzaun ersetzt, umfasst das 500 Quadratmeter große Areal mit rund 30 Grabsteinen. Errichtet wurden eine 14 Meter lange und 50 Zentimeter hohe Trockenmauer aus Bruchsteinen sowie zur Straße hin zwei gepflasterte Besucherparkplätze für Autos.

"Wir wollen die Erinnerung an unsere jüdischen Mitbürger wachhalten", nannte Hans-Erich Blodt früher bekannte Namen wie Goldmann und Mayer. Der Ortsbürgermeister wies bei der gestrigen Begehung gleichzeitig auf die beabsichtigte Abrundung des Ortsbildes in diesem Bereich hin. In direkter Nachbarschaft entsteht zurzeit die Seniorenwohnanlage "Domherrengarten"; geplant ist darüber hinaus der Bau von acht Reihenhäusern im Baugebiet "Raiffeisenstraße West".

"Der Friedhof war in einem desolaten und unwürdigen Zustand. Es gab dringenden Handlungsbedarf. Die Gemeinde kam auf uns zu", berichtete Raimund Schneider von der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD). Zufrieden über die gelungene Sanierung zeigte sich auch Stella Schindler-Siegreich, Vorsitzende der jüdischen Kultusgemeinde Mainz: "Unser Friedhöfe sind Grabplätze für die Ewigkeit und, wie hier in Essenheim, oft auch ein Teil der Ortskultur."

Bei der Betreuung der Friedhöfe ist es nach jüdisch-religiöser Auffassung wichtig, dass die Totenruhe gewahrt und die Einfügung in die Landschaft gewährleistet wird. Wichtig sind dabei eine sichere Einfriedung mit verschließbarem Tor, die Unterhaltung der Zugangswege sowie das regelmäßige Mähen des Grases und die Beseitigung von Unkraut - was in Essenheim die Gemeinde übernimmt.


© Jüdische Gemeinde Mainz