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Klar zu Deutschland bekannt

Rabbiner Trepp referiert in Weisenauer Synagoge über das Nationalbewusstsein der Juden

7.7.2007 - Allgemeine Zeitung

ten. "Wie die deutschen Juden Deutsche wurden", das legte Rabbiner Prof. Dr. Dr. Leo Trepp bei einem Vortrag in der alten Weisenauer Synagoge dar. "Sie wollten Deutsche sein ohne ihre jüdische Tradition aufzugeben", so seine Kernaussage.

Bereits mit den Römern kamen die Juden in das Gebiet, das wir heute Deutschland nennen. "Städte im Rheinland und Regensburg waren wichtige Siedlungszentren", führte Trepp aus. Nachgewiesen seien aus dieser Zeit Handelbeziehungen jüdischer Kaufleute bis nach Asien hinein. Ein Kölner Edikt des Kaisers Konstantin aus dem Jahr 320 verpflichtete sie zum Dienst im Stadtrat wie alle übrigen Bürger. Vor allem finanzielle Überlegungen hatten ihn wohl dazu veranlasst - jedes Jahr musste der Stadtrat nämlich die gesamten Schulden der Stadt tilgen.

Im Heiligen Römischen Reich deutscher Nationen, das sich als Rechtsnachfolger des Römischen Reiches verstand, unterstanden die Juden direkt dem Kaiser. Da dessen Einflussmöglichkeiten aber begrenzt waren, musste man sich mit den Landesherren arrangieren. Im frühen Mittelalter war dies zunächst kein Problem. Fürsten wie der Bischof von Worms siedelten Juden gezielt in ihren Städten an. "Man hatte sich vor Ort eigene Bildungszentren aufgebaut, um sich vom bis dahin bestimmenden Bagdad zu emanzipieren", berichtete Trepp. Bewusst habe man sich dazu bekannt als Deutsche in Deutschland zu lehren.

Bis 1096 waren die Juden weitgehend in die Gesellschaft integriert - der erste Kreuzzug änderte dies allerdings. Die Hemmschwelle für Übergriffe gegen Personen und Besitz sank in der allgemein aufgeheizten Stimmung schnell. "Unsere Freunde von gestern, kennen uns heute nicht mehr", zitierte Trepp eine zeitgenössische Quelle. Es folgten Jahrhunderte, die gekennzeichnet waren von Unsicherheit - Verfolgung und Unterdrückung gab es ebenso wie friedliche Integrationsbemühungen.

Den Durchbruch brachte erst die Aufklärung im 18. und 19. Jahrhundert. "Es gibt kein Recht einen Menschen zu verfolgen aufgrund seiner Religion", lautete eine der entscheidenden Ideen. Jüdische Gelehrte wie der berühmte Moses Mendelsohn hatten damit eine Grundlage für ihre Forderung nach Gleichberechtigung, die ihnen dann im 19. Jahrhundert tatsächlich gewährt wurde.

Im Anschluss an den historischen Vortrag verabschiedete der Förderverein der Synagoge Mainz-Weisenau seinen langjährigen Vorsitzenden und Mitbegründer Dr. Heinrich Schreiner. Er hatte wesentlich an der Wiederherrichtung des im 18. Jahrhundert erbauten jüdischen Gotteshauses mitgewirkt und es zu einem kulturellen Kleinod gemacht.


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