Home - Gemeinde - Aktuell - Geschichte - Rabbinat - Synagogenprojekt - Links - Gästebuch - Kontakt - Führung

 


Bischof wirbt für die neue Synagoge

Karl Kardinal Lehmann bittet Stadt, Land und Bund um "tatkräftige Mithilfe"

16.4.2007 - Von Monika Paul, Allgemeine Zeitung


Nach Plänen des Kölner Architekten Manuel Herz soll in der Hindenburg-straße, wo auch die 1912 errichtete und von den Nationalsozialisten zerstörte Hauptsynagoge stand, dieser Neubau entstehen.
Animation: Büro Manuel Herz

Für den Neubau einer Synagoge in Mainz setzt sich Karl Kardinal Lehmann ein. Ein Memorandum des Bischofs, das der AZ vorliegt, ist ein eindringliches Plädoyer, das Projekt in der Hindenburgstraße 44 endlich zu ermöglichen.

"Ich bitte Stadt, Land und Bund um tatkräftige Mithilfe, dass es gelingt, unseren älteren Geschwistern im biblischen Glauben wieder ein würdiges Gotteshaus zu schaffen", schreibt Lehmann. Der Bischof ist Mitglied des "Kuratoriums zur Förderung eines jüdischen Gemeindezentrums". Er hat seinen Aufruf eigens für weitere Verhandlungen mit Land und Bund verfasst.

"Durch den Bau der Hauptsynagoge im Jahre 1912 war in der Stadttopographie ein wunderbar symbolischer Dreiklang entstanden", erinnert Lehmann an die Vergangenheit des Areals Hindenburgstraße 44. "Neben dem katholischen Dom und der evangelischen Christuskirche stand nun auch eine bedeutende Synagoge in einem Verbindungsbogen, der Toleranz und Geschwisterlichkeit vereint". Die Hauptsynagoge, ein prachtvoller Jugendstilbau, brannten die Nazis in der Pogromnacht 1938 nieder. Heute steht hier ein Gebäude der Bundeszollverwaltung. Seit über zehn Jahren gibt es Bemühungen, am Platz des alten jüdischen Bauwerks eine neue Synagoge zu bauen. Der preisgekrönte Entwurf stammt vom Kölner Architekten Manuel Herz, einem Schüler von Daniel Libeskind, der das Jüdische Museum in Berlin plante.

Herbert Heidel, Vorsitzender des Kuratoriums, zeigte sich gegenüber der AZ "sehr zuversichtlich, dass wir bis Ende 2007 die noch offenen Fragen der Finanzierung klären können". Er sei "sehr dankbar über das Engagement des Bischofs". Inzwischen habe es "positive Gespräche" mit dem Chef der Staatskanzlei, Martin Stadelmaier, gegeben. Nach einem gemeinsamen Vorstoß der Bundestagsabgeordneten Ute Granold (CDU), Rainer Brüderle (FDP) und Michael Hartmann (SPD) habe überdies das Bundesfinanzministerium Verkaufsbereitschaft für das Grundstück signalisiert. Weitere Angaben machte Heidel nicht. Nach AZ-Informationen ist die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben in Koblenz mit der Sache befasst.

Zehn Millionen Euro kostet der Neubau. Die Stadt will 3,5 Millionen Euro dazu geben, dem Vernehmen nach erhoffen die Verantwortlichen jeweils ein weiteres Drittel von Land und Bund, wobei der Bund zudem das Grundstück frei geben müsste. Dessen künftige Nutzung hat die Stadt im Bebauungsplan festgeschrieben - "ausschließlich kirchlichen Zwecken" soll es dienen.

Die Jüdische Gemeinde kann nach eigenem Bekunden nur den Unterhalt des künftigen Gemeindezentrums stemmen. Die Vorsitzende Stella Schindler-Siegreich betonte, die neue Synagoge werde "ein offener Ort" sein, Begegnungsstätte mit Veranstaltungen, Dokumentationen, Ausstellungen. Längst seien die Synagogenräume in der Forsterstraße zu eng geworden. Die Jüdische Gemeinde hat inzwischen fast 1100 Mitglieder, 90 Prozent sind Aussiedler aus dem Osten.

Nicht nur die Raumnot sieht Lehmann als gewichtiges Argument für den Neubau, sondern auch die historische Bedeutung von "Magenza", dem jüdischen Mainz. "Mit Worms und Speyer zählte Mainz zu den so genannten Schum-Städten, den wichtigsten Städten des abendländischen Judentums." Über Jahrhunderte sei die Stadt "Sitz der ältesten und angesehendsten Judengemeinde im deutschen Reich" gewesen. Dieser historischen "herausragenden überregionalen und europäischen Bedeutung" werde der Entwurf von Manuel Herz für eine neue Synagoge gerecht.


© Jüdische Gemeinde Mainz