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Glaube trägt in schweren Stunden

Monsignore Mayer legt Autobiographie vor

29.3.2007 - Von Carola Krug-Haselbach, Allgemeine Zeitung

"Seid aber Täter des Wortes und nicht Hörer allein", diese Empfehlung des Jakobus (1,22; Neues Testament) nimmt Monsignore Klaus Mayer genau. Der Öffentlichkeit primär als der Mann bekannt, der Marc Chagall zur Schaffung der Kirchenfenster in St. Stephan bewog (und in diesem Punkt seit langer Zeit auch publizistisch tätig ist), hat der ehemalige Pfarrer der Stephanskirche (1965 bis 1991) nun in der Reihe "Literarisches Mainz" sein autobiografisches Werk vorgestellt.

"Wie ich überlebte. Die Jahre 1933 - 1945": Ein schmaler Band; jedoch von starkem Inhalt. Seine Erfahrungen als Kind einer Katholikin und eines Juden im Hitler-Staat, beginnend mit Bedrängnissen, kulminierend in Überlebensnöten, erzählt der 1923 in Darmstadt Geborene in schlichtem, doch eindringlichem Ton. Und neben der Verarbeitung von Kindheitserlebnissen hat der gutherzig und klug wirkende Herr dieses Buch auch in dankbarem Gedenken an seine Mutter geschaffen. Mehr noch: Es sei eine Hommage an alle Mütter, ohne die das Leben eines Kindes doch in vielen Fällen trostlos wäre.

Seit 2005 Ehrenbürger der Stadt, widerfuhr Monsignore Klaus Mayer, Spross einer angesehenen jüdischen Familie, zumindest ein klein wenig moralische Wiedergutmachung. Gleichwohl: Darum geht es ihm gewiss nicht. Zu sehr ist er dem christlichen Gedanken des Verzeihens verhaftet, weswegen seine Schilderungen, trotz aller Gräuel, sachlich und in keinster Weise anklagend sind. 64 Seiten, inklusive elf Schwarzweißfotos, zeigen vor allem, "wie sehr mein Glaube mich trägt, das habe ich in den schweren Stunden meines Lebens erfahren", kommentiert der Geistliche sein Einzelschicksal, stellvertretend für Millionen Zeitgenossen.


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