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Lesung der jüdischen Gemeinde

29.1.2007 - Allgemeine Zeitung

eas. Mit der Lesung "Abel, steh auf" - Texte zur Schoah in Lyrik und Prosa beteiligte sich die Jüdische Gemeinde Mainz am Tag des Gedenkens an die Opfer das Nationalsozialismus.

Es war das erste Mal, dass sich die jüdische Gemeinde selbst aktiv an den Gedenkfeierlichkeiten beteiligt hat, sagte Peter Waldmann, einer der Organisatoren der Veranstaltung und Mitglied des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde Mainz. Den Grund für die bisherige Zurückhaltung sieht Waldmann in der Suche nach der richtigen Form. Diese Suche bestimmte auch die Lesung am vergangenen Samstag - ein Brückenschlag zwischen Erinnern und Schweigen. Zwar fühle jeder Jude die Verpflichtung zu erinnern, so Waldmann, es gebe aber auch gute Gründe zu schweigen. Denn allzu leicht würden Worte zu Phrasen, in denen das Schreckliche verblasse und zur Gewohnheit werde.

Gelesen wurden Texte von Marcel Reich-Ranicki, Anna Seghers, Zvi Kolitz und vielen anderen. Sie behandeln Flucht, Verfolgung, Deportation und Tod, erzählen aber auch von Zusammenhalt und Hilfsbereitschaft. Neben Hilde Dormins "Abel, steh auf", gelesen von Verena Bukal, bildete "Jossel Rakovers Wendung zu Gott" von Zvi Kolitz einen der zentralen Texte des Abends. Der fiktive jüdische Widerstandskämpfer Rakover hat den sicheren Tod vor Augen. Versteckt im brennenden Ghetto von Warschau, schreibt er sein Testament und darin eine persönliche Abrechnung mit Gott - der Text wird somit zum schriftlichen Zeugnis einer Glaubenskrise.

Sicher am ergreifendsten waren die Texte mit persönlichem oder lokalem Hintergrund. Darunter ein Gedicht an Peter Waldmanns Vater zu dessen Geburtstag, geschrieben von einem Mädchen, das nur wenig später in Auschwitz den Tod fand.


© Jüdische Gemeinde Mainz