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"Auschwitz-Poems" und Fotos vom Besuch

Neuntklässler der Ellerbachschule werden im Mainzer Landtag die Gedenkfeier am 27. Januar mitgestalten

25.1.2007 - Von Heidi Sturm, Allgemeine Zeitung

Auf einen großen Auftritt bereiten sich 15 Neuntklässler der Förderschule am Ellerbach vor: Die Jugendlichen werden als erste Schule aktiv am Auschwitz-Gedenken im Mainzer Landtag teilnehmen und dort am 27. Januar in einer besonderen Präsentation als Ergänzung zu Zeitzeugenberichten ihre Eindrücke von ihrer Studienfahrt zum ehemaligen Konzentrationslager schildern.

Bei den regelmäßigen Proben im Foyer der Schule klingen die Jugendlichen zwar noch etwas "piepsig", aber Lehrer Reiner Engelmann, der die Schüler begleiten wird, ist sich sicher, dass man im Landtag die Stimmen bis zum letzten Platz hören kann: Bei den Proben für die gleiche Präsentation in der Schule hatten die Jugendlichen ebenfalls nur schüchtern geflüstert, und als es darauf ankam, wurde trotz Lampenfieber mit fester Stimme gelesen.

Diese Präsentation im Dezember hatte Landtagsabgeordneter Carsten Pörksen miterlebt und war davon so ergriffen, dass er Tränen in den Augen hatte und sie dem Präsidenten des Landtages, Joachim Mertes, als eine überzeugende Ergänzung der Gedenkfeier empfohlen.

Die Jugendlichen werden ihre Empfindungen nicht mit eigenen Worten ausdrücken, sondern mit ausgewählten "Auschwitz-Poems" der australischen Autorin Lily Brett, deren Eltern diese Hölle überlebt hatten. "Es war für die Jugendlichen schwer, ihre Empfindungen in Worte zu fassen", erläuterte Engelmann: Nicht etwa, weil die Jugendlichen schlecht formulieren können, sondern weil das Unbegreifliche, das einem in Auschwitz bei jedem Schritt entgegen schlägt, nicht in Worte zu fassen ist.

"Obwohl bei unserem Besuch die Sonne schien und das Birkenwäldchen richtig friedlich aussah, haben die Jugendlichen das Grauen dieser einstigen Todesmaschinerie gespürt", schilderte Engelmann den krassen Gegensatz, der sich besonders an dem idyllisch gelegenen kleinen See aufdrängte - auf dessen Grund vor Jahren noch Überreste von Opfern gelegen hatten. Die Führung durch die Gedenkstätten hatte deshalb schon fast einem Schweigemarsch geglichen, der nur ab und an von einer fassungslosen Frage unterbrochen wurde. "Als wir Mengeles Arztzimmer besuchten, in dem er seine Versuche an Kindern durchgeführt hatte, waren unsere Jugendlichen leichenblass und regelrecht entsetzt, als sie herausfanden, dass die Überlebensdauer in Auschwitz bei nur drei Monaten lag", schilderte der Pädagoge die Reaktionen der Schüler.

Die kurzzeiligen und reimfreien Gedichte, die laut Engelmann genau das ausdrücken, was die Schüler empfinden, werden im Landtag durch eigene Fotos und Gitarrenklänge untermalt. Gezeigt wird kein Diavortrag, sondern eine eindrucksvolle Folge von Stimmungsbildern.

An der Ellerbachschule ist man natürlich mächtig stolz auf diese offizielle Einladung nach Mainz, zumal die wenigsten ausgerechnet einer Förderschule eine solch intensive Auseinandersetzung mit einem so schwierigen Thema zutrauten. So wurde Engelmann bei einem Vorbereitungsgespräch in Mainz vom Organisationsteam gefragt, von welchem Gymnasium die Schüler eigentlich kämen.


© Jüdische Gemeinde Mainz