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Sichtbare Erinnerung an Synagoge

Arbeitskreis Jüdisches Bingen präsentiert Modell / Alte Fotos des Innenraums wieder aufgetaucht

24.1.2007 - Von Beate Goetz, Allgemeine Zeitung


Aus dem Nachlass des Fotopioniers Karl Berrenberg stammt diese Innenaufnahme der Synagoge.
Foto: privat

BINGEN Eigentlich wollte der Arbeitskreis Jüdisches Bingen das eigens für Bingen nachgebaute Holzmodell der Synagoge in der Rochusstraße schon zur einhundertjährigen Wiederkehr ihrer Einweihung von 1905 vorstellen. Dass das selbst gesteckte Ziel aus finanziellen und technischen Gründen erst ein gutes Jahr später erreicht ist, schmälert nicht die Freude, mit der der Vorstand am kommenden Sonntag zur öffentlichen Präsentation einlädt. Die Veranstaltung steht in Zusammenhang mit dem in Deutschland seit 1996 immer am 27. Januar begangenen "Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus". Neben dem Blick auf das fertige Modell gibt es bei der kleinen Feierstunde auch einiges zu hören. Die Veranstaltung wird musikalisch umrahmt von einer jungen Cellistin, Stipendiatin der Villa Musica, der Vorsitzende des Arbeitskreises, Dr. Josef Götten, hält einen Vortrag. Die ausgesprochen große Resonanz auf die Ausstellung des Holzmodells der Binger Synagoge, das der Arbeitskreis 2003 von der Technischen Universität Braunschweig ausleihen und im Historischen Museum präsentieren konnte, war Anstoß für die anschließend initiierte Spendenaktion zum Nachbau eines eigenen Modells. Das Studentenmodell ist Teil einer größeren Wanderausstellung und unverkäuflich. Dank vieler größerer und kleiner Einzelspenden, durch Eigenmittel des Arbeitskreises und durch einen Zuschuss der "Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkstätten und Erinnerungsinitiativen von Rheinland-Pfalz" konnte der Auftrag an eine Modellbauerin vergeben werden, die auch die Modelle der Wanderausstellung betreut. Der Zufall wollte es, dass gerade jetzt ein unscheinbares Päckchen den Arbeitskreis erreichte. Der Absender aus dem Rheinland teilt in einem freundlichen Schreiben mit, sein Vater, Karl Berrenberg (1903-1973), habe von 1925 bis 1927 am Rheinischen Technikum in Bingen studiert und dort seine Prüfung als Ingenieur bestanden. Er sei ein begeisterter Foto-Pionier gewesen mit entsprechendem Nachlass, den er gerade ordne. Er sei im Internet auf den Arbeitskreis gestoßen und hoffe, mit den beigelegten Fotoplatten eine Freude zu machen.

Es handelt sich um einzigartige Aufnahmen aus dem Innern der Synagoge, von der bislang nur zwei Innenaufnahmen bekannt waren. Auch diese "Fundstücke" werden bei der Feierstunde zu besichtigen sein.

Das Modell selbst ist ein eindrucksvolles Beispiel der Binger Stadtbaugeschichte und Zeugnis des Ortes, der für die einst blühende jüdische Gemeinde Heim- und bis zur Pogromnacht im November 1938 Zufluchtstätte vor dem nationalsozialistischen Terror war.

Das Modell könnte auch, auf der Grundlage eines didaktischen Konzeptes, Anstoß für Binger Schulen sein, sich mit der Geschichte des Judentums im Allgemeinen und mit der Binger jüdischen Geschichte im Besonderen zu beschäftigen.


© Jüdische Gemeinde Mainz