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Jude sucht Jüdin - manchmal zehn Jahre lang

Der Frankfurter José Weber führt Heiratswillige unter die Chuppa / Einziger "Schadchen" im deutschsprachigen Raum

15.1.2007 - Von Marion Trimborn, Allgemeine Zeitung


Der jüdische Heiratsvermittler José Weber vergleicht einen Fragebogen für eine Bewerberin und einen männlichen Heiratskandidaten.
Foto: dpa

FRANKFURT Geduld, ganz viel Geduld sollten die Kunden schon mitbringen. Und darauf vertrauen, dass der liebe Gott ihnen hilft. Wenn der jüdische Heiratsvermittler José Weber neue Kunden in seine Kartei aufnimmt, dann verspricht er keine schnellen Erfolge. "Ich lasse niemanden los, den ich in meine Fänge bekommen habe", sagt der 58-Jährige schmunzelnd. "Aber es kann auch schon mal zehn Jahre dauern." Wer zu Weber kommt, hat nur eingeschränkte Möglichkeiten der Partnerwahl. Der Frankfurter ist von Beruf her Schadchen, das ist Hebräisch und heißt: Kuppler. Zu ihm gehen ausschließlich Juden, die Jüdinnen suchen, oder umgekehrt. Weber führt diese lange Tradition fort und ist der einzige Schadchen im deutschsprachigen Raum inklusive Schweiz und Belgien.

Das besondere Problem seiner Agentur Simantov ("gutes Zeichen") besteht darin, dass die Kunden meist weit entfernt voneinander leben. Denn wer vor Ort heiraten wolle, habe es schwer. In Frankfurt zum Beispiel hat die jüdische Gemeinde 7000 Mitglieder. "Da kennen sich viele vom Spielen im Sandkasten her und verlieben sich nicht ineinander", sagt Weber, der fünf Sprachen spricht. In Europa gebe es nur etwa 15000 Juden, die einen Partner suchten. "Diese Zahl haben normale Heiratsinstitute in ihrer Kartei."

Der Sohn eines deutschen Juden, der 1939 nach Kolumbien emigrierte, verspricht da Abhilfe. Neue Klienten müssen einen Fragebogen beantworten. Neben Alter und Gewicht können sie ankreuzen, ob sie selbst orthodox oder traditionell sind und wie ihr Partner sein soll. Detailfragen wie Vorliebe für koscheres Essen klärt Weber anschließend, wenn er die Kunden in einem Hotel in Köln, Zürich oder Tel Aviv trifft. Danach muss die Dame nur noch auf den Anruf des Herrn warten.

Seine Klienten machen es ihm nicht immer leicht. Viele haben schon einige Jahre vergeblich einen Heiratskandidaten gesucht und erwarten schnelle Erfolge. Wie die 37-jährige Jüdin aus Moskau, die sich an den Profi wandte. Als Weber nach drei Monaten noch keinen passenden Kandidaten liefern konnte, beschimpfte ihn die Frau. "Sie sagte: `Du bist unseriös. Ich kenne ein paar Tschetschenen, die werden Dich fertig machen`." Aus Rache vermittelte der Schadchen der Frau einen Klienten aus Brüssel - "einen absoluten Quälgeist", sagt Weber. Der Trick funktionierte, die beiden haben geheiratet. Rund 200 Ehen hat Weber in seiner 20-jährigen Tätigkeit bisher gestiftet.

Als seinen schönsten Erfolg nennt Weber eine Liebesheirat zwischen einer 83-jährigen Jüdin aus Amsterdam und einem 87 Jahre alten Berliner. "Um die Liebe kümmert sich Gott, ich bin nur sein Handlanger", kommentiert er seine Erfolge. Einen 49 Jahre alten Mann aus dem Elsass, der von seiner Frau verlassen worden war, schickte Weber zehn Jahre kreuz und quer durch Europa und nach Israel zu interessierten Frauen, bis der Kandidat schließlich eine 53-jährige Berlinerin fand und heiratete. Die Partnersuche per Mausklick im Internet sieht Weber nicht als echte Konkurrenz. "Das Internet stiehlt viel Zeit, und viele Suchende bleiben auf der Strecke."

Eine spezielle Ausbildung hat der Eheanbahner nicht, lange Jahre hat er als Vermögensberater gearbeitet. "Bei beiden Berufen geht es um das Intimste des Menschen: sein Geld und sein Herz." Aber nicht nur seine Klienten, auch der Südamerikaner selbst muss Geduld haben. Sein Honorar erhält er erst, wenn beide Eheanwärter beim Rabbiner unter dem Hochzeitshimmel, der Chuppa, gelandet sind. Von den "früher üblichen zehn Prozent der Mitgift" kann Weber nur träumen. Geheiratet hat er selbst schon zwei Mal - und seine zweite Frau hat er sich von seiner Vorgängerin und ehemaligen Inhaberin von "Simantov", Denise Kahn, professionell vermitteln lassen.


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