Pressemitteilung vom 8.1.2007
Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus
Zahlreiche Veranstaltungen in Landeshauptstadt Mainz und Land Rheinland-Pfalz
gedenken am 27. Januar 2007 der Opfer der nationalsozialistischen Schreckenszeit
"Am 27. Januar gedenken wir der Opfer des Nationalsozialismus",
so Landtagspräsident Joachim Mertes und Oberbürgermeister Jens
Beutel im Blick auf den bevorstehenden Gedenktag: "Wir erinnern an
die Verfolgung unschuldiger Menschen, an die Ermordung von Juden, Sinti
und Roma, Kranken, Behinderten und politisch anders denkenden Menschen.
Die Gewalttaten der Nazis bleiben das größte Menschheitsverbrechen
aller Zeiten: Deshalb betrachten wir die Erinnerung an den Holocaust als
eine moralische Verpflichtung."
Das deutsche Volk sei jedoch nicht nur ein Volk von Tätern
und Mitläufern gewesen. Es habe auch das andere Deutschland gegeben:
Menschen, die sich für Verfolgte eingesetzt und sie geschützt
haben. Menschen, die Widerstand geleistet und gegen das Terrorsystem der
Nationalsozialisten gekämpft haben. "Nicht für irgendeinen
Frieden, sondern für den Frieden der Gerechtigkeit", wie der
im Januar 1945 hingerichtete rheinhessische Widerstandskämpfer Ludwig
Schwamb Weihnachten 1944 aus Plötzensee an seine Frau schrieb.
Landtagspräsident Mertes und Oberbürgermeister
Beutel: "Ohne diese Männer und Frauen wäre die 'Fackel
der Freiheit' unter den Tritten der braunen Kolonnen völlig ausgelöscht
worden. Dass dies nicht geschehen konnte, ist dem Mut der Widerstandskämpfer
zu verdanken." Überlebende waren die Ausnahme. Von denen, die
das Glück hatten, der Verfolgungs- und Mordmaschinerie zu entkommen,
haben viele entscheidend am Aufbau des Landes Rheinland-Pfalz und seiner
demokratischen Ordnung mitgewirkt. Auch an sie soll - 60 Jahre nach der
Gründung von Rheinland-Pfalz - besonders erinnert werden.
Die Mehrheit der heute lebenden Menschen hat die Zeit
der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft nicht mehr selbst erlebt.
Umso notwendiger ist, dass sie erfahren, was geschah. Noch können
Opfer berichten. Das Wissen um die Verbrechen macht betroffen; das Zeugnis
der Überlebenden ist Anlass genug, heute jeder Form der Diskriminierung
und Ausgrenzung entgegenzuwirken.
Erneut haben sich zahlreiche Einrichtungen - Kirchen,
Gemeinden, Schulen, Vereinen, Initiativgruppen, und viele mehr - zusammengefunden,
um überall im Land Rheinland-Pfalz zu einer lebendigen Gedenk -und
Erinnerungsarbeit beizutragen.
Wie in den Vorjahren gibt eine umfangreiche Broschüre
einen Überblick über die Veranstaltungen zum Gedenktag in der
Landeshauptstadt und darüber hinaus. Die Informationen ber die einzelnen
Veranstaltungen, Links zu Mitveranstaltern und Mitgliedsorganisationen
der Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkstätten und Erinnerungsinitiativen
(LAG) finden sich zudem auf der Homepage der LAG.
(red/ekö)

Veranstaltungen der Stadt Mainz und ihrer Einrichtungen
in Mainz
zum Tag des Gedenkens Nationalsozialismus 2007
Veranstaltungsplan
als PDF (54 kb) von www.mainz.de
Ewald Meyer Zeitzeugnisse
Von Samstag, 13. Januar 2007, bis Freitag, 16. Februar
2007, ist im Rathaus der Stadt Mainz (Jockel-Fuchs-Platz 1)
die Ausstellung Ewald Meyer - Zeitzeugnisse zu sehen.
Sie zeigt Bilder vom Ende und vom Anfang Vom Krieg, vom Gefangenenlager
und vom Leben in gestorbenen Städten.
Am Freitag, 12. Januar 2007, um 17.30 Uhr wird
Kulturdezernent Dr. h.c. Peter Krawietz die Ausstellung
eröffnen.
Immer noch geschehen Dinge, die die Menschheit mit Entsetzen
und Unverständnis beobachtet: Terror, Krieg und Zerstörung.
Gerade einmal 60 Jahre sind vergangen, da lagen die deutschen Städte
in Trümmern und wurde das unvorstellbare Grauen des Holocaust allen
Menschen gewahr. In einer Zeit des Grauens und der Resignation waren die
Bilder dieser Ausstellung der optische Strohhalm einer Hoffnung
für den Maler Ewald Meyer (1911-2003) und auch für den Betrachter.
Es sind Dokumente und Beobachtungen, keine polemisierenden Bilder. Es
sind Bilder, die das Erlebte und die Betroffenheit eines um die Jugend
betrogenen Malers ausdrücken.
Öffnungszeiten der Ausstellung:
Montag bis Freitag: von 08.00 Uhr bis 18.00 Uhr
Samstag: von 09.00 Uhr bis 14.00 Uhr
Veranstalter ist das Kulturdezernat der Stadt Mainz.

denn ich flüchte mich zu Dir
PS 57,2
Am Sonntag, 14. Januar 2007, finden von 11.15
Uhr bis 13.00 Uhr im Gutenberg-Museum Mainz (Liebfrauenplatz 5) eine
Lesung und ein Gespräch mit Helga Bender und Dr. Anton Maria Keim
statt. Gegenstand ist der Satz
denn ich flüchte mich
zu Dir aus Psalm 57,2.
Schutzlos in der Fremde zu leben und verzweifelt Zuflucht
zu suchen was heute das Schicksal von Millionen Menschen auf der
ganzen Welt ist, gehört zu den Grundthemen der biblischen Tradition.
Die ersten Erzählungen von Adam und Eva, von Kain und Abel enden
mit Vertreibung und Verbannung wie existentielle Wasserzeichen,
die den Beginn der menschlichen Geschichte prägen. Aus der vorstaatlichen
Zeit der Stämme und aus der Zeit der Königreiche Juda und Israel
sind regelrechte Asylbestimmungen für Verfolgte und Flüchtlinge
überliefert. Eine ganze Reihe von Psalmen reflektieren die Institutionen
des Tempelasyls: Verfolgte suchen Zuflucht und Schutz im Schatten
Deiner Flügel. Mit Exil und Diaspora wird das Leben in der
Fremde zur Regel.
Auch das Neue Testament setzt sehr früh mit einer
Fluchtgeschichte ein: Vor dem drohenden Kindermord durch den Schlächter
Herodes suchen Josef und Maria mit dem neugeborenen Jesus Zuflucht in
Ägypten.
Die Lesung biblischer und aktueller literarischer Texte
verdeutlicht die moralische Kraft des Widerstandes gegen Vertreibungen
bis in unsere Zeit.
Veranstalter sind die evangelische Erwachsenenbildung
Mainz, das katholische Bildungswerk Mainz-Stadt, das Gutenberg-Museum
und das Kulturdezernat der Stadt Mainz in der Reihe Literarisches
Mainz.

Erinnerungen an das Schtetl
Am Donnerstag, 25. Januar 2007, findet um 18.30
Uhr im Lesesaal der Stadtbibliothek Mainz (Rheinallee 3 B) eine literarisch-musikalische
Lesung unter dem Titel Erinnerungen an das Schtetl - Erzählungen
und Lieder zu einer verlorenen jüdischen Kultur statt.
Die osteuropäischen Juden, die im Mittelalter aus
Deutschland vor Pogromen geflüchtet waren, hatten sich in Polen,
Litauen, Weißrussland und in der Ukraine in vielen kleinen Städten
angesiedelt, in denen sie bald die Mehrheit der Bevölkerung ausmachten.
Im Schtetl, einer autonomen Gemeinschaft, die ihr Leben weitgehend
selbst verwaltete, sprach man Jiddisch. Die Religion durchzog das ganze
Leben, strenge Gesetze regelten den Alltag ebenso wie die Feiertage. Viele
jüdische Schriftsteller erinnern an das untergegangene Schtetl. Ihre
Erzählungen, aber auch die chassidischen Geschichten und die jiddischen
Volkslieder berichten von dieser Welt mit Liebe, Wehmut und viel Ironie
von der Cheder, der Schule, von den Hochzeiten, die die Heiratsvermittler
arrangierten, von den Festen, die man ausgelassen feiern durfte, von manch
einem Wunder, oder davon, wie man auf den Messias wartete,
der ja in jedem Augenblick auf der Erde erscheinen konnte
Das Cantaton Theater um Dr. Burkhard Engel präsentiert
in einer mit Musik verbundenen Lesung Erzählungen und Lieder aus
dem Schtetl mit Texten von Manès Sperber, Joseph Roth, Isaac B.
Singer, Scholem Alechem und anderen.
Veranstalter sind die Bibliotheken der Stadt Mainz und
die Mainzer Bibliotheksgesellschaft
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