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Letztmals Gottesdienst bei Hochzeit

Ehemaliges jüdisches Versammlungshaus in Pfeddersheim Zeugnis einer typischen Landsynagoge

4.1.2007 - Von Felix Zillien, Allgemeine Zeitung


Die letzte rituelle Handlung in der ehemaligen Synagoge Pfeddersheims fand 1921 statt.
Foto: privat

WORMS-PFEDDERSHEIM In einer losen Folge stellt diese Zeitung die früheren Synagogen in Rheinhessen vor. Heute geht es um die in Worms-Pfeddersheim.

Etwas versteckt im alten östlichen Ortskern, nahe beim einstigen Amthof, liegt die "Kleine Amthofstraße", die früher "Synagogengasse" hieß. Am Ende dieser Gasse steht ein Gebäude, das 1842/1843 erbaut und danach als Synagoge genutzt wurde. 78 Jahre lang fanden hier Gottesdienste der jüdischen Gemeinde statt: Die letzte rituelle Handlung in der Synagoge war die Trauung der Pfeddersheimerin Ella Kehr mit David Rosenfeld im Jahre 1921. Danach wurde die Synagoge für Gottesdienste nicht mehr benötigt, weil die Zahl der jüdischen Gemeindemitglieder durch Wegzug in andere Orte stark geschrumpft war.

Obwohl zur Zeit der Pogromnacht am 9./10. November 1938 die Synagoge noch im Eigentum der jüdischen Gemeinde stand, wurde sie nicht geschändet oder durch Brand zerstört. Ein Brand hätte zu leicht auf die angrenzenden Nachbarhäuser übergreifen können. Die jüdische Lehrerwohnung, die unmittelbar westlich an die Synagoge angebaut war und durch deren Flur man in die Synagoge und die darüber befindliche Frauenempore eintrat, war schon während des Ersten Weltkrieges an Christen vermietet. So blieb das alte Synagogengebäude erhalten, das heute nach gründlicher Restaurierung durch den jetzigen Eigentümer ein weitgehend unverfälschtes Zeugnis einer typischen Landsynagoge Rheinhessens darstellt.

Die Synagoge mit Satteldach und nahezu quadratischem Grundriss war nach Osten (Jerusalem) orientiert. In der Ostwand war die Aronnische, in der die Thora aufbewahrt wurde. Flankiert war die Nische von Säulen, von denen die Kapitelle und Basen noch erhalten sind. Die Nische ist im Erdgeschoss zugemauert, während sie im Dachgeschoss noch sichtbar ist. Oben befand sich im westlichen Teil die vergitterte Frauenempore, deren Anlage heute noch nachvollziehbar ist. Drei hohe Bogen-Fenster auf jeder Seite des Gebäudes spendeten das Licht für den Synagogenraum.

Das Synagogengebäude erlebte seit 1941 eine wechselvolle Nutzung: Es ging in den Besitz eines Landwirts über, der eine Beton-Zwischendecke einzog und das Erdgeschoss als Schweinestall nutzte. Im Obergeschoss war ein Getreidespeicher eingerichtet. Durch Verlängerung des mittleren Bogenfensters wurde auf der Südseite der neue Eingang zum Schweinestall geschaffen. Um 1980 wurde nach einem Besitzerwechsel im Erdgeschoss eine Weinprobierstube eingerichtet. Heute wird der einstige Synagogenraum zu kleineren Veranstaltungen genutzt, wobei auch der blumengeschmückte Hofraum mit einbezogen werden kann.

Die Geschichte der Juden in Pfeddersheim geht bis in das 15. Jahrhundert zurück. Die ersten Juden wurden bewusst angesiedelt, damit die Pfeddersheimer für ihre Geldgeschäfte nicht zu Wormser Juden gehen mussten. Die erste Erfassung der Namen erfolgte 1808 durch Anordnung von Napoleon, als Pfeddersheim französische Kantonalstadt war. Sie legten sich landesübliche Vor- und Zunamen zu. Damals wurden 32 Personen erfasst, die vor allem die Namen Hesselberger, Mann, Mayer, Michel und Leopold trugen. Am 15. Februar 1834 beantragte die jüdische Gemeinde die Bildung eines Gemeindevorstandes, nachdem sie zuvor am 14. Juni 1832 ein Grundstück zur Anlage eines Friedhofs erworben hatte. Dieser wurde am 12. August 1833 mit der Maßgabe genehmigt, dass der nicht genehmigte Friedhof aufgegeben wurde.


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