Home - Gemeinde - Aktuell - Geschichte - Rabbinat - Synagogenprojekt - Links - Gästebuch - Kontakt - Führung

 


Sargwagen stammt aus dem Jahr 1912


Nach der Trauerhalle auf dem neuen jüdischen Friehof Hochheimer Höhe wurde jetzt auch ein historischer Sargtransportwagen aus dem Jahr 1912 restauriert. Er kann künftig bei Trauerfällen genutzt werden.
Foto: Uwe Feuerbach

Historisches Transportmittel des jüdischen Friedhofs restauriert / Kein Museumsstück

20.12.2006 - von Susanne Müller, Wormser Zeitung

HOCHHEIM Die Trauerhalle auf dem neuen jüdischen Friedhof Hochheimer Höhe ist restauriert, das zwischen 1926 und 1928 errichtete Ehrenmal erstrahlt in neuem Glanz - nun wurde ein historischer Sargtransportwagen restauriert.

Der original erhaltene Sargtransportwagen stammt aus dem Jahr 1912, hat alle Zeitenwirren überstanden und ist jetzt wieder in vorbildlichem Zustand. Der Wagen hatte seit Jahrzehnten unbenutzt in einer Nebenkammer der Trauerhalle des jüdischen Friedhofes gestanden. "Schon vor 25 Jahren ist mir das historische Utensil aufgefallen", erläuterte der Chef des Friedhofsbetriebs, Ralf-Quirin Heinz, in Hochheim. Irgendwann, so habe er gedacht, "werden wir das auch einmal wiederherstellen".

Nun war es soweit, im Rahmen der Restaurierungsarbeiten der Außenhülle und des Innenraumes der Friedhofshalle nahmen sich Experten der Instandsetzung des alten Sargtransportwagens an. Das Wormser Restaurierungsatelier Sebastian Béla Keil hat die Arbeiten in den letzten Wochen ausgeführt, vier Wochen dauerte es, bis der Wagen wieder in frischem Glanz erstrahlte. Die Gesamtkosten von 3 620 Euro wurden je zur Hälfte vom Friedhofsbetrieb der Stadt sowie vom Verein Warmaisa übernommen.

Im Zuge der Restaurierungsarbeiten wurden sämtliche Holzteile des Wagens demontiert, der Holzrahmen neu verleimt sowie tiefschwarz lackiert. Die gedrechselten Quergriffe aus Eichen- und Buchenholz wurden abgebeizt, abgeschliffen und mit Hartöl behandelt. Sämtliche Stahlteile sind nun entlackt, grundiert und neu lackiert, außerdem wurden von einer Fachfirma ein neuer Behang und Katafalk - ein Tuch zur Abdeckung des Sarges als Sonderanfertigung, in Absprache mit der Jüdischen Gemeinde - neu angefertigt. Die Decken sind aus edlem Samt, von Hand aufgestickt sind Davidsterne.

Der Wagen, so informierte Restaurator Sebastian Béla Keil, sei offenbar in den 60er Jahren schon einmal überholt worden - allerdings nicht so fachgerecht wie nun aktuell. So seien wohl die Holzaufbauten noch im Original erhalten, "insgesamt ist der in dieser Form recht seltene Wagen eine solide und handwerklich gut ausgeführte Arbeit".

Der Wagen sei kein Ausstellungsstück, betonte Friedhofschef Ralf-Quirin Heinz, er kann auf Nachfrage bei Trauerfällen genutzt werden.


© Jüdische Gemeinde Mainz