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Eine Synagoge für Magenza

Das jüdische Mainz soll ein repräsentatives Gemeindezentrum erhalten

Von Jens Bayer-Gimm

Mainz (epd). Sie war Jahrhunderte lang das geistige Zentrum des Judentums in Deutschland. Doch die Stadt Mainz weist eine schmerzliche Lücke auf. Seit der Zerstörung der Synagogen durch die Nationalsozialisten im Jahr 1938 gibt es in der Innenstadt kein repräsentatives jüdisches Gotteshaus mehr. Das soll sich ändern. Nach der Eröffnung jüdischer Gemeindezentren in München und Würzburg und dem Bau in Leipzig und Krefeld soll es auch in Mainz einen Neubau geben.

„Der Start nimmt konkrete Form an“, sagt die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, Stella Schindler-Siegreich. Der Verein „Eine neue Synagoge für Mainz“ wird am Donnerstag, 7. Dezember, die „Magenza-Stiftung für jüdisches Leben in Mainz“ gründen und hat dafür Prominente gewonnen, wie den rheinland-pfälzischen Landtagspräsidenten Joachim Mertes (SPD). Die künftig vom Zentralrat der Juden in Deutschland beaufsichtigte Stiftung soll zum Unterhalt des geplanten Gemeindezentrums beitragen.

„Das Bauvorhaben befindet sich jetzt in der heißen Phase“, stimmt der Vorsitzende des „Kuratoriums zur Förderung eines jüdischen Gemeindezentrums in Mainz“, Herbert Heidel, zu. Die Vereinigung von Honoratioren wirbt um Unterstützung des Landes und des Bundes. Denn klar ist: Die finanziell klamme jüdische Gemeinde kann die für den Neubau erforderlichen Mittel nicht aufbringen.

Bereits 1998 hatte die jüdische Gemeinde einen Wettbewerb ausgeschrieben. Den ersten Preis gewann der Kölner Architekt Manuel Herz. Sein Entwurf erinnert an die dekonstruktivistische und symbolhafte Gestaltung des Jüdischen Museums in Berlin. Die gezackten Gebäudeteile ahmen die fünf hebräischen Buchstaben des Wortes „Kaduschah“ (Segensspruch) nach. Die Baugenehmigung wurde 2000 rasch erteilt. Seither aber ruht das Vorhaben.

Grund dafür sind die ambitionierten Baukosten und die bisher anderweitige Nutzung des ausgewählten Grundstücks. Ursprünglich wurden die Kosten auf zehn Millionen Euro beziffert. Teile der jüdischen Gemeinde sowie der frühere Vorsitzende Mark Soibelmann lehnten den Neubau daher ab. Priorität solle die soziale Unterstützung der zumeist älteren Einwanderer haben. Die Uneinigkeit der Gemeinde frustrierte selbst wohlgesonnene Förderer.

Das neue Gemeindezentrum sollte nach dem Wunsch der Gemeinde dort errichtet werden, wo die Neue Hauptsynagoge bis 1938 stand. Das Grundstück ist jedoch bebaut und gehört dem Bund. Im nächsten Jahr soll das Bürogebäude frei werden. Die jüdische Gemeinde überlässt die Verhandlungen zunächst dem Kuratorium. Das will sich zu Jahresbeginn darum kümmern, dass das Land eine Fördersumme beiträgt und den Bund zur Übergabe des Grundstücks bewegt.

Die hochverschuldete Landeshauptstadt hat schon für die kommenden Jahre insgesamt 3,5 Millionen Euro an Fördermitteln für die Synagoge vorgesehen. Inzwischen steht die jüdische Gemeinde hinter dem Bauvorhaben, wenn auch noch über die Dimension nachgedacht wird. „Es ist an der Zeit, dass die Gemeinde mit ihrer geschichtlichen Bedeutung und der wachsenden Mitgliederzahl ein neues Gemeindezentrum erhält“, sagt Schindler-Siegreich.

Die Gemeinde leidet unter beengten Verhältnissen. Der gegenwärtig genutzte Saal bietet hundert Plätze, die an hohen Feiertagen nicht mehr ausreichen. Die Einwanderung von Juden aus den Staaten der früheren Sowjetunion hat die Mitgliederzahl der jüdischen Gemeinde Mainz, zu der auch Worms gehört, vervielfacht. Zählte die Gemeinde vor dem Fall der Berliner Mauer nach eigenen Angaben 140 Mitglieder, so sind es heute 1.050 Mitglieder.

„Der jüdische Name für Mainz im Mittelalter, Magenza, ist in der jüdischen Welt bis heute berühmt und gilt als Ideal von Gelehrsamkeit“, erläutert der Mainzer Judentumsforscher Andreas Lehnardt. In Mainz gründete Gerschom ben Jehuda im 11. Jahrhundert eine berühmte Talmudhochschule, Maharil legte im 15. Jahrhundert alltägliche Bräuche fest und Sigmund Saalfeld war im 19. Jahrhundert ein Wegbereiter der wissenschaftlichen Judentumskunde. Eine würdige Synagoge wäre ein Sinnbild für Magenzas Fortbestand. (06.12.06-02)


© Jüdische Gemeinde Mainz