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Reste aus der Schreckensnacht


Charlotte Sailer und Dr.
Gerold Bönnen vor den Vitrinen mit den Überresten von Kultgegenständen, die beim Brand der Synagoge 1938 in Flammen aufgegangen waren.
Die Ausstellung im Raschihaus dokumentiert dieses Ereignis.
Foto: Uwe Feuerbach

Foto-Ausstellung im Raschihaus dokumentiert Brand der Synagoge

14.11.2006 - Bürstädter Zeitung

us. WORMS In Erinnerung an die Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 eröffnete im Raschihaus eine Ausstellung, die den Brand der Synagoge dokumentiert.

In der Pogromnacht erlebte die Verfolgung der Juden in Deutschland einen ersten Höhepunkt. Wenn auch schon sehr früh begonnen worden war, die Juden Schritt für Schritt auszugrenzen und ihnen die Existenzgrundlage zu entziehen, so wurden in dieser Nacht endgültig alle Schranken niedergerissen, die Geschäfte und Wohnungen der Juden zerstört, die verängstigten Menschen gedemütigt und gequält, die Synagoge, Zentrum ihres Glaubens und ihre Zuflucht, ging in Flammen auf. Ein Brandstifter wurde nie dingfest gemacht.

Aus Anlass dieser Ereignisse wurde im Raschihaus eine Ausstellung eröffnet, die Fotos des Synagogenbrands zeigt. Aufgenommen wurden sie von Friedrich Arnold. Seine Tochter Maria hatte die Abzüge 1983 dem Stadtarchivar Fritz Reuter zur Verfügung gestellt. Ein einziges Bild soll allerdings schon 1954 in dem Institut eingegangen sein. 1986 wurden Abzüge der Aufnahmen gemacht, aber sie wurden, wie Dr. Gerold Bönnen, Leiter des Instituts für Stadtgeschichte, bei der Ausstellungsöffnung erwähnte, bisher nie ausgewertet. Nachdem sie nun vom Fotoarchiv eindrucksvoll vergrößert wurden, lässt sich der Ablauf der Ereignisse ziemlich genau rekonstruieren. Der Brand, so zeigte Bönnen anhand der Fotos, muss am Nordportal gelegt worden sein. Dort sieht man auf einer der ersten Aufnahmen eine Feuersäule lodern. Bild für Bild lässt sich die Zerstörung des Gotteshauses nachvollziehen. Einige Fotos sind im Inneren der Synagoge aufgenommen. Bönnen schließt daraus, dass der Fotograf nicht nur zufällig und privat tätig war, sondern ganz offensichtlich mit Erlaubnis dort fotografierte. Ein Blick auf die Lebensgeschichte des Fotografen zeige, so Bönnen, dass er er Ingenieurswesen studiert hatte. Nirgendwo sei belegt, dass er der NSDAP nahe stand, sein Austritt aus der evangelischen Kirche 1936 lege es allerdings nahe. Weitere Recherchen, so Bönnen, können hier Klarheit bringen.

Auf beklemmende Weise zeigen die Bilder - was allerdings auch schon früher zu sehen war - dass die Menge der Zuschauer von Foto zu Foto wuchs, und dass die Feuerwehr nicht eingriff. Sie versuchte lediglich mit Erfolg zu verhindern, dass das Feuer auf die angrenzenden Häuser übergriff. Fotos über die Enttrümmerung des Synagogengeländes 1957 ergänzen die Ausstellung. Fast kreatürlich muten die verkohlten Torareste in der Tischvitrine an und sprechen eine beredte Sprache. Allerdings hätte man sich doch gewünscht, dass bei dieser Ausstellungseröffnung, an der viele Wormser teilnahmen, über die Information hinaus wie in früheren Jahren auch der Opfer dieses Tages und ihrer Leiden gedacht worden wäre.


© Jüdische Gemeinde Mainz