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"Leben mit Juden ist gewollt"


Rund 150 Menschen kamen gestern zur Gedenkfeier der Jüdischen Gemeinde an den Standort der ehemaligen Synagoge in die Hindenburgstraße.
Foto: Sascha Kopp

Gedenkfeier der Jüdischen Gemeinde in der Hindenburgstraße

10.11.2006 - Von Michael Heinze, Allgemeine Zeitung

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 brannten in Deutschland die Synagogen. Rund 150 Menschen waren gestern der Einladung der Jüdischen Gemeinde gefolgt, am Standort der ehemaligen Synagoge in der Hindenburgstraße der Zerstörung der Gotteshäuser zu gedenken.

"Auch in Mainz brannten Häuser, Geschäfte und Synagogen", sagte Oberbürgermeister Jens Beutel mit ernster Miene. "Unter der Fahne von Rassenhass und Zerstörungswut wurden Menschen gehetzt, gedemütigt, verletzt und getötet." Hauptziel des Nazi-Terrors sei die Hauptsynagoge gewesen, die seit ihrer Einweihung im Jahre 1912 die zentrale Heimstatt der Jüdischen Gemeinde gebildet habe.

Beutel machte keinen Hehl daraus, dass ihn die Nachrichten über zunehmenden Rechtsextremismus beunruhigten. "Auch in unserem unmittelbaren Umfeld dürfen wir die Augen davor nicht verschließen", betonte der OB. "So hat am Montag eine Gruppe Neonazis versucht, sich Zugang zu einer Vortragsveranstaltung von Asta und ,Bündnis 9. November´ zu verschaffen. Auch wenn dies von der Polizei schnell unter Kontrolle gebracht werden konnte, so handelt es sich doch um einen Vorfall, der uns Sorgen machen muss." Daher begrüße er es, dass sich Uni-Präsident Prof. Jörg Michaelis persönlich der Angelegenheit annehme.

Stella Schindler-Siegreich, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, sagte, die Zeit um den 9. November sei für sie auch eine Zeit der Erinnerung an das Leid, das über die eigene Familie hereingebrochen sei. Diesmal habe sie "große Hemmungen" gehabt, ihre Rede zu formulieren. "Wenn ich jedoch das Hochzeitsbild meiner Eltern von 1932 ansehe - was in dieser Zeit der Erinnerung häufig geschieht - so gucken mich 15 Menschen an, die ihre Träume vom Glück hatten, von denen jedoch nur vier das Glück hatten, die Endlösung zu überleben. Sie mahnen mich, nicht zu schweigen."

In Mainz sei es "bis heute nicht gelungen, den Juden eine der Würde und Größe ihrer Gemeinde angemessene Synagoge zu bauen. Erinnern kann und darf sich nicht nur auf Gedenktafeln beschränken. Vielmehr verpflichte die Erinnerung, "neue Lebensräume zu bauen und damit zu bekräftigen, dass Leben mit Juden in Mainz gewollt ist".


© Jüdische Gemeinde Mainz