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"…Und ich wurde ihnen zu einem kleinen Heiligtum ..." - Synagogen in Deutschland

Ausstellung zeigt Architekturmodelle von in der Reichspogromnacht zerstörten Synagogen

10. - 30. November 2006
Mo-Fr 8.00 - 18.00 Uhr
Westdeutsche ImmobilienBank,
Große Bleiche 46, 55116 Mainz

 

Gemeinsame Pressemitteilung der Bet Tfila-Forschungsstelle für jüdische Architektur in Europa und der Jüdischen Gemeinde Mainz KdöR

Mainz, 9. November

"…Und ich wurde ihnen zu einem kleinen Heiligtum ..." - so heißt eine Ausstellung, die Synagogen in Deutschland und ihre Architektur vorstellt und die ab 9. November in der Westdeutschen ImmobilienBank, Große Bleiche 46 in Mainz zu sehen ist.

Jüdische Ritualbauten waren zwischen dem 18. Jahrhundert und dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts mit über 3.000 Lehr- und Bethäusern ein integraler Bestandteil des deutschen Städtebildes. Fast sämtlich wurden sie unter der nationalsozialistischen Diktatur, einige auch erst nach 1945, zerstört, abgerissen oder umgebaut.

Die Ausstellung führt den einstigen Reichtum dieser heute zumeist verlorenen Architektur vor Augen und macht Synagogen als wichtige Baudenkmale und wesentlichen Bestandteil des deutsch-jüdischen kulturellen Erbes erfahrbar.

Rund 20 detailreiche Holzmodelle beispielhafter Synagogenbauten zeigen deren Entwicklung: Beginnend mit der mittelalterlichen Synagoge in Worms, wird die Architekturgeschichte jüdischer Gotteshäuser von den in Hinterhöfen versteckten Bauwerken des Barock über die ersten im Städtebild sichtbaren klassizistischen und späteren eklektizistischen Bauten bis hin zu den monumentalen Bauwerken der Moderne verdeutlicht. Text- und Bildtafeln informieren anschaulich über die Geschichte und die architekturhistorische Bedeutung der einzelnen Bauten, wobei auch Mainzer Synagogen vorgestellt werden.

Die Ausstellung mit dem Titel "…Und ich wurde ihnen zu einem kleinen Heiligtum ..." - Synagogen in Deutschland ist ein Ergebnis der deutsch-israelischen Kooperation Bet Tfila-Forschungsstelle für jüdische Architektur in Europa zwischen dem Fachgebiet Baugeschichte der Technischen Universität Braunschweig und dem Center for Jewish Art an der Hebrew University of Jerusalem.

Die Bet Tfila - Forschungsstelle für jüdische Architektur in Europa und die Jüdische Gemeinde Mainz präsentieren die Ausstellung in Mainz unter Schirmherrschaft von:

S.E. Shimon Stein, Botschafter des Staates Israel;
Kurt Beck, Ministerpräsident des Landes Rheinland-Pfalz;
Jens Beutel, Oberbürgermeister der Stadt Mainz.

Die Präsentation der Ausstellung wird ermöglicht durch die freundliche Unterstützung des Zentralrats der Juden in Deutschland.

Eröffnung: Donnerstag, 9. November 2006, 18.00 Uhr

Begrüßung durch Frau Stella Schindler-Siegreich, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Mainz

Grußworte
Prof. Dr. Joachim Hofmann-Göttig, Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung, Forschung und Kultur
Jens Beutel, Oberbürgermeister der Stadt Mainz

Einführung in die Ausstellung: Prof. Dr. Harmen Thies, Bet Tfila - Forschungsstelle, TU Braunschweig

Ausstellung: 10. November bis 30. November, Mo-Fr 8.00 - 18.00 Uhr
Ort: Westdeutsche ImmobilienBank, Große Bleiche 46, 55116 Mainz

Pressekontakt
Jüdische Gemeinde Mainz, Janusz Kuroszczyk, Forsterstr. 2, 55118 Mainz
Tel. +49 (0) 6131 / 61 39 90, Fax +49 (0) 6131 / 61 17 67, jk@jgmainz.de

Bet Tfila - Forschungsstelle für jüdische Architektur in Europa, Technische Universität Braunschweig,
Dipl.-Ing. Mirko Przystawik, Pockelsstr. 4, 38106 Braunschweig,
Tel. +49 (0) 531 / 391 - 25 25, Fax +49 (0) 531 / 391 - 82 05, info@bet-tfila.org


Pressemitteilung des Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung, Forschung und Kultur, Rheinland-Pfalz

Hofmann-Göttig: Ausstellung erinnert an schmerzhaften kulturellen Verlust

09.11.2006

Den einstigen kulturellen und baulichen Reichtum jüdischer Kultur führt die seit heute in den Räumen der Westdeutschen Immobilien-Bank zu sehende Ausstellung „Und ich wurde ihnen zu einem Heiligtum…“ der Jüdischen Gemeinde Mainz vor Augen.

Dass die Präsentation der deutsch-israelischen Forschungskooperation „Bet Tfila – Forschungsstelle für jüdische Architektur in Europa“ aber bewusst über die Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen hinausgehe, machte Kultur-Staatssekretär Professor Dr. Joachim Hofmann-Göttig in seinem Grußwort deutlich. „Es geht nicht nur um Vergangenheit, nicht um Schuldzuweisungen, sondern um die Verantwortung in der Gegenwart und für die Zukunft und um ein Erinnern an einen unwiederbringlichen kulturellen Verlust“, sagte Hofmann-Göttig, der auch die Grüße des Ministerpräsidenten Kurt Beck überbrachte.

Hofmann-Göttig wies darauf hin, dass im ersten Drittel des 20. Jahrhundert mehr als 3.000 jüdische Lehr- und Bethäuser zum festen Bestandteil der Architektur in den deutschen Städten und Gemeinden gehört hätten. Nahezu alle seien in der NS-Diktatur geschändet und zerstört worden. Nach 1945 seien noch vorhandene Synagogengebäude abgerissen oder für andere Zwecke umgebaut worden. „Synagogenbauten wurden damit durch die im NS-Staat herrschende und auch in der Nachkriegszeit noch häufig weiter geführte antisemitischen Geisteshaltung der Mehrheit der Deutschen zu einer verschollenen Architektur“, sagte der Kultur-Staatssekretär.

Umso wichtiger sei eine solche Ausstellung oder auch das Projekt von Studierenden der TU Darmstadt, die 1994 mit der virtuellen Rekonstruktion der in der Reichspogromnacht zerstörten Synagogen begonnen hätten. „Dieses Projekt orientiert sich an der Frage, wie mit Hilfe der modernen Informations- und Kommunikationstechnologien neue Formen des kulturellen Gedächtnisses gebildet werden können“, so Hofmann-Göttig.

Er drückte seine Freude darüber aus, dass die Grundzüge der jüdischen Kultur erhalten, wieder aufgegriffen und von neuen, jungen Generationen in die Zukunft weiter getragen würden. „Auf diese Weise wird deutlich, dass die Nationalsozialisten ihr Ziel nicht erreicht haben und dass Neonazis ihr Ziel verfehlen werden, das Leben in kultureller, religiöser und gesellschaftlicher Vielfalt zu vernichten“, sagte der Staatssekretär.


© Jüdische Gemeinde Mainz