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Jüdische Musik für Trauerhalle

Pianist Nemtsov gestaltet Benefizkonzert als humorvolles Soloprogramm

5.9.2006 - Von Andrea Amerland, Allgemeine Zeitung

So hatte es sich der russisch-jüdische Pianist aus Berlin, Jascha Nemtsov, sicher nicht träumen lassen, dass aus dem Gesprächskonzert mit Synagogengesang und Klavier krankheitsbedingt ein Soloprogramm wird, das ihn zum Moderator und Interpreten in Personalunion machte. Infolgedessen arbeitete er bei dem Konzertabend anlässlich des "Europäischen Tags der Jüdischen Kultur" auf sich gestellt heraus, dass das Zentrum der jüdischen nationalen Bewegung in der Musik zu Beginn des 20. Jahrhunderts insbesondere Russland war.

Der Pianist erklärte informativ und humorvoll, aber nie belehrend, am Beispiel von Juliusz Wohlfsohn, Joseph Achron, Alexander Krejn oder Joachim Stutschewsky, wie die jüdischen Komponisten Elemente aus alten jiddischen Volkswaisen und der liturgischen Musik miteinander verbanden, um daraus eine eigenständige jüdische Kunstmusik zu schaffen. Kurze Anekdoten, biographische Skizzen oder auch ein eingestreuter Witz lockerten das anspruchsvolle Musikprogramm auf. So lernte das Publikum frei nach Wolfsohn: Wer fröhlich sein will, sollte keinen Wein, sondern Wodka trinken!

Doch bei allem augenzwinkernden Humor verlor man den ernsten Anlass des Konzerts nicht aus dem Blick. Die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Mainz, Stella Schindler-Siegreich, freute sich über die große Zahl der Besucher und erklärte, dass es sich bei der Sanierung der Jüdischen Trauerhalle auf dem Hauptfriedhof um das größte Finanzierungsprojekt jüdischer Kultur in Mainz nach dem Zweiten Weltkrieg handele. Die Jüdische Trauerhalle in der Unteren Zahlbacher Straße wurde 1881 durch den damaligen Stadtbaumeister Eduard Kreyßig im orientalischen Stil errichtet. Der Erlös des Konzertes soll in die Instandsetzung der charakteristischen Zwiebeltürme und des Innenraums fließen.

Staatsekretär Michael Ebling unterstrich den archetektonischen Stellenwert des Bauwerks, das in Rheinland-Pfalz nur mit der Wormser Trauerhalle vergleichbar sei. Oberbürgermeister Jens Beutel hob die besondere Bedeutung der Trauerhalle hervor, die als einziges jüdisches Baudenkmal neben der Weisenauer Synagoge in Mainz die Nazi-Zeit überdauert habe und zu insgesamt 17 jüdischen Trauerhallen in ganz Rheinland-Pfalz gehöre.


© Jüdische Gemeinde Mainz