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Deutsch mit Renaissance in Israel

5.9.2006 - Allgemeine Zeitung

fwa. Johannes Gerster, bis Januar 2006 Landesbeauftragter der Konrad-Adenauer-Stiftung in Israel, hat die deutschstämmigen Juden in Israel, die so genannten Jeckes, als "Brückenbauer zwischen Deutschland und Israel" gewürdigt. Bei einem Vortrag im Stadthistorischen Museum referierte er die Geschichte der deutschsprachigen Juden in Israel von 1933 bis heute. Während des Holocaust und in den Jahren danach sei es in Palästina beziehungsweise dem seit 1949 bestehenden Staat Israel "politisch nicht korrekt" gewesen, in der Öffentlichkeit deutsch zu sprechen, sagte Gerster. "Man hat die vor den Nazis geflohenen deutschen Juden in Mithaft dafür genommen, dass sie nicht in Deutschland geblieben sind, um Hitler zu verhindern." So habe die zweite Generation in Israel häufig kein Deutsch gelernt. In der dritten Generation habe es jedoch eine "Renaissance" der deutschen Sprache und des Interesses an der deutschen Kultur gegeben. Vor allem Berlin sei unter jungen deutschstämmigen Israelis ein beliebtes Reiseziel.

Die "Jeckes" seien in mehr als 20 Landsmannschaften organisiert, "weil sie die deutsche Sprache sprechen und jüdische Kultur auf Deutsch erleben wollen", sagte Gerster. Im Sprachgebrauch der Jeckes seien ihm immer wieder Wörter aufgefallen, "die bei uns aus der Mode gekommen sind". Zum Beispiel bezeichneten sie Maler als "Weißbinder". Besonders bei der ersten Generation derer, die noch in Deutschland geboren wurden und dort vor dem Holocaust eine glückliche Kindheit hatten, sieht Gerster eine "unheimlich große Zuneigung" zu Deutschland.

In Israel leben laut Gerster heute 300000 Juden deutscher Abstammung. Eine von ihnen war Trude Fraenkel, geborene Mainzerin und spätere Ehrenbürgerin von Jerusalem, wo sie mit 107 Jahren starb. "Trude Fraenkel - das war ein Kaliber", sagte Gerster. So habe sie noch an ihrem 106. Geburtstag zu Gersters Frau gesagt: "Bleiben Sie gesund, dass Sie nächstes Jahr wieder zu meinem Geburtstag kommen können."


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