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Nur Gedenktafel erinnert an Synagoge

Erste Einweihung des Essenheimer Bethauses im Jahr 1857 / Bau blieb in der Pogromnacht verschont

25.8.2006 - Von Klaus Mümpfer, Allgemeine Zeitung

ESSENHEIM Auf fast 500 Seiten hat Pfarrer Stefan Fischbach für das Landesamt für Denkmalpflege erstmals eine vollständige Dokumentation über die Synagogen in Rheinland-Pfalz und im Saarland erstellt. Wir stellen in loser Folge seine Recherchen in Rheinhessen vor.

Heute erinnert nur noch eine Gedenktafel an einem kleinen Platz in der Klappergasse an die frühere Synagoge in Essenheim (Kreis Mainz-Bingen). Das Bethaus wurde 1978 abgebrochen, an seiner Stelle ein Wohnhaus gebaut. "Das Gebäude war nur noch eine Ruine. Da war nichts zu retten", sagt Bürgermeister Hans-Erich Blodt. Eine Abrissgenehmigung war deshalb nicht notwendig und auch das Landesamt für Denkmalpflege hatte keine "Hausakte" zum Schutz des Baus angelegt.

Am 28. April 1854 hatten Essenheimer Juden ein Wohnhaus in der Klappergasse gekauft und begonnen, es zu einer Synagoge umzubauen, schreibt Pfarrer Stefan Fischbach in der Dokumentation über die Synagogen in Rheinland-Pfalz. Der zweigeschossige Bau aus Backsteinen mit den Rundbogenfenstern und dem Portal wurde am 12. September 1857 eingeweiht. Eine Gesamtansicht ist nach Recherchen Fischbachs nicht bekannt. Er verweist jedoch auf die Sammlung Arnsberg im Jüdischen Museum in Frankfurt, die zwei Fotos mit Teilansichten enthält.

Die Stiftertafel in deutscher Sprache neben dem Portal kündete vom Stifter und einer späteren Renovierung: "Jacob Lehmann/von hier stiftete dieses Haus/der Verehrung des höchsten Wesens/renoviert 1889". Die Kosten für die Einrichtung der Synagoge betrugen 4000 Gulden. Die Hälfte spendete der nach Amerika ausgewanderte Essenheimer Jude Jacob Lehmann. Die auf der Tafel erwähnte Reparatur begann 1888. Sie war notwendig geworden, weil die Fundamente nachgegeben hatten, schreibt Fischbach. Am 13. Juni 1889 wurde die Synagoge dann erneut eingeweiht.

Mit dem Wegzug der Juden aus Essenheim wurde das Gebäude nach Angaben Arnsbergs 1935 oder 1936 verkauft und blieb nach Einschätzung von Fischbach deshalb vor einer Zerstörung in der Pogromnacht des November 1938 verschont.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt die regionale jüdische Nachfolgegemeinde das Bethaus zurück, berichtet Fischbach. Diese verkaufte das Bethaus offensichtlich, denn letzter Besitzer vor dem Abriss war nach der Erinnerung von Blodt das Weingut Wagner, das die Haus vermietete. Der jüdische Friedhof der Gemeinde soll im frühen 19. Jahrhundert angelegt worden sein. Die letzte Bestattung ist für das Jahr 1934 dokumentiert.


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