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"Wir brauchen nachhaltigen Frieden"

Mainz unterstützt israelische Partnerstadt Haifa/OB bittet um Spenden für humanitäre Hilfe

17.8.2006 - von Werner Wenzel, Allgemeine Zeitung


Rund ein Drittel der Bevölkerung Haifas soll in den Süden des Landes geflohen sein.
Manche Bewohner werden bei der Rückkehr ihre Wohnungen in diesem Zustand vorfinden.


Durch Raketen zerstörte Gebäude gehörten bisher in der Mainzer Partnerstadt Haifa nicht zum Stadtbild, doch nun sind dort auch Tote und Verletzte zu beklagen.
Die Stadt Mainz will ihren Freunden beim Wiederaufbau in Israel helfen.
Fotos: privat

Die Stadt Mainz schickt ihrer Partnerstadt Haifa in Israel 25000 Euro für humanitäre Soforthilfe. Das hat gestern der Hauptausschuss als Ferienparlament einstimmig beschlossen. In einem Brief hatte sich am Sonntag Haifas Oberbürgermeister Yona Yahav an seinen Mainzer Kollegen Jens Beutel gewandt.

Haifas OB Yona Yahav bedankt sich in dem Brief zum einen für die Unterstützung, "die wir von vielen Menschen in Mainz zur Zeit erfahren". Diese Zeichen der Freundschaft seien "für uns von besonderer Bedeutung", schreibt Yahav.

Zum anderen will er seinem Mainzer Kollegen Beutel "und den Bürgerinnen und Bürgern unserer Partnerstadt" seine Sicht des Krieges zwischen der israelischen Armee und den Hisbollah-Milizen im Südlibanon erläutern und nahe bringen. "Die verzweifelte Lage schildern", in der sich Israel "und Haifa zur Zeit befinden".

Der mittlerweile zehnte Krieg, den seit Gründung des Staates Israel die Menschen in Haifa durchleiden müssen, werde von der Hisbollah "ausschließlich gegen alle Zivilisten geführt, die im Norden Israels leben". Begonnen habe dieser Krieg de facto 2000 mit dem Rückzug Israels aus dem Südlibanon, wo dann die Hisbollah ein "riesiges Waffen- und Raketenarsenal" aufgebaut habe. Dort sei "ein autonomer Terroristenstaat" entstanden, so Yahav, aus dem heraus immer Soldaten entführt und die Menschen in Nordisrael "ohne Anlass mit Raketen" beschossen worden seien, besonders in Kiriat Schmona.

OB Beutel teilt Yahavs Beschreibung von Haifa als "tolerante multikulturelle Stadt", in der Menschen vieler Kulturen und Religionen "friedlich und vorbildlich zusammenleben - seien es Juden, Araber oder Christen". Mehr als eine Million Israelis aus dem Norden befänden sich auf der Flucht, wenn auch "nicht medienspektakulär", schreibt Yahav. "Vielmehr haben sie sich leise in den Süden unseres Landes zurückgezogen, wo sie das Ende der Kampfhandlungen herbeisehnen".

Die Städte im Norden seien "schwer getroffen und beschädigt", schreibt das Stadtoberhaupt. Bei der Stadt Mainz war ebenfalls dieser Tage eine E-Mail eingegangen mit Fotos der Schäden, die von den Katjuscha-Raketen der Hisbollah im Norden Israels angerichtet wurden, von Verletzten auf Bahren, von öffentlichen Gebäuden, die in Trümmern liegen, von Häusern, in deren Wände die Raketen Löcher gerissen, von Wohnzimmern und Küchen, in die mit den Raketen Tod und Zerstörung kamen. "Wenn ich in den Medien die schrecklichen Bilder aus Haifa sehe, bin ich schockiert", sagte der Mainzer OB Beutel dazu gestern. "In den vergangenen fast fünf Wochen schlugen Tausende von Raketen in Haifa und seiner Umgebung ein, eine neue Stufe der terroristischen Bedrohung", so Beutel. Er betonte, dass die Mainzer Hilfe Opfern der Raketenangriffe zukommen solle.

"Wir sehnen nichts mehr herbei als den Frieden", schreibt Yona Yahav - "für uns und die Unschuldigen im Libanon". Der aber müsse länger währen als eine Woche, einen Monat oder ein Jahr. "Wir alle brauchen einen nachhaltigen Frieden. Diesen kann es aber mit Terroristen nicht geben." Deshalb dürfe dieser Krieg nicht mit einem "Unentschieden" enden, so der OB von Haifa. Das wäre ein "Ansporn für den internationalen Terror" in der ganzen Welt.

Angesichts der geplanten Attentate von London durch El Kaida, "eine Bruderorganisation der Hisbollah", schreibt Haifas OB: "Wir erleben also stellvertretend für Sie einen Krieg, der alle ereilen könnte." Yahav: "Wir können nur gemeinsam diesen Krieg gegen den Terror und seine Unterstützer gewinnen."


© Jüdische Gemeinde Mainz