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Auf den Pfaden der Vergangenheit

Nachfahren jüdischer Emigranten zu Besuch in Bodenheim / Beleg für frühe Weinvermarktung


Gedankenaustausch auf dem jüdischen Friedhof in Bodenheim.
Heimatforscher Horst Kasper mit Alex und Roberto Blum (v.l.), den Nachfahren einer Bodenheimer Familie.
Im Jahre 1936 war Roberto Blums Vater aus Nazi-Deutschland nach Chile emigriert.
Fotos: privat

16.8.2006 - Allgemeine Zeitung

hk. BODENHEIM/NACKENHEIM Freude über ein Wiedersehen, nachdem im Februar 2005 erste freundschaftliche Bande geknüpft worden waren: Dr. Roberto Blum aus Santiago de Chile besuchte in Begleitung seines Sohnes Alex (19) erneut Horst Kasper, der seit 25 Jahren die Schicksale und die Geschichte der ehemaligen jüdischen Bürgerinnen und Bürger von Bodenheim und Nackenheim erforscht. Es war ein herzliches Wiedersehen, auch die Verständigung klappte problemlos, da Blum sehr gut deutsch spricht.

Deutsch wurde auch im Elternhaus mit Vater Rudi und insbesondere bei den Großeltern Adolf und Klara Blum gesprochen. Auch Alex verbessert seine Deutschkenntnisse zusehends, nachdem er nach seinem Abitur in Chile für zwei Monate am Goethe-Institut in Freiburg die deutsche Sprache studiert hatte.

Roberto Blums Vater wurde am 11. März 1914 in Bodenheim geboren und emigrierte im April 1936 nach Chile, wo sein älterer Bruder Willi bereits seit 1935 lebte, nachdem er vor dem deutschen Naziregime geflüchtet war. Die Großeltern Adolf und Klara Blum sind ihren Söhnen im Jahre 1937 über Frankfurt/Main und die Schweiz gefolgt.

Neben dem Akten- und Bilderstudium war der Besuch des jüdischen Friedhofes eine Selbstverständlichkeit. Haben doch auf dem Friedhof viele Vorfahren der Familie Blum ihre letzte Ruhe gefunden. Die Vorfahren konnte Horst Kasper bis zum Händler Simon Salomon Blum (geboren 1748) nachweisen. Sohn Alex wollte unbedingt wissen, ob auch schon vor dieser Zeit die Vorfahren in Bodenheim lebten. Dies lässt sich leider nicht klären, da alle Standesamtsunterlagen der israelitischen Religionsgemeinde Bodenheim nicht mehr existieren. Auch in den Landesarchiven in Koblenz und Speyer war hierüber bislang nichts zu finden.

Außerdem wurden das Bürgerliche Recht, die gesetzlich vorgeschriebene Zivilgerichtsbarkeit und anderes auch in Rheinhessen durch den Code Civil, auch "Code Napoléon" genannt, erst im März 1804 eingeführt. Vorher gab es keine Standesamtsaufzeichnungen.

Im Rahmen des Besuches übergab Blum Bilder von einer Weinflasche des Weingutes "Gebrüder Blum" (Adolf und Sally Blum) aus dem Jahre 1935. Bisher war wohl die Existenz einer Landprodukte- und Pferdehandlung bekannt, aber nichts von einem Weingut. Nicht auszuschließen, dass es noch Kaufverträge von Bodenheimer Winzerbetrieben gibt, die von Adolf Blum Weinberge gekauft hatten. Horst Kasper bekundete großes Interesse an diesen Unterlagen im Rahmen seiner Forschungsarbeit.

In seinem Archiv befindet sich ein Bild von der 40-jährigen Gedenkfeier von Gravelotte am 14. August 1910 - Erinnerung an die Schlacht im deutsch-französischen Krieg 1870/71. Dank der großzügigen Unterstützung von Fritz Nacke (Weingut Oberstleutnant Liebrecht) wurden Alex Blum zwei Flaschen 1987er Bodenheimer Qualitätswein als Gastgeschenk übergeben. Es handelt sich hierbei um zwei Unikate. 1987 ist sein Geburtsjahr.

Leider war der Besuch zu kurz, und die Zeit verging im Nu. Alex Blum flog am selben Tag noch nach Chile zurück, sein Vater am nächsten Tag. Beim Abschied versprach er, bald mit seiner Ehefrau und seinem jüngsten Sohn Michael erneut zu Familie Kasper nach Bodenheim kommen zu wollen.


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