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Jüdische Trauerhalle nach Außensanierung gerettet

Innen noch "unwürdiger Zustand"/Spender für acht "Zwiebeln" gesucht

5.8.2006 - von Bernd Funke, Allgemeine Zeitung


Die jüdische Trauerhalle in der unteren Zahlbacher Straße. Die Außensanierung ist abgeschlossen, aber noch fehlen die charakteristischen "Zwiebeln" auf den acht "Türmchen".
Fotos: Sascha Kopp


Der Innenraum der Trauerhalle ist Baustelle. Mindestens zwei Jahre wird die Restaurierung wohl noch dauern.

Die jüdische Trauerhalle in der Unteren Zahlbacher Straße, 1881 durch den damaligen Stadtbaumeister Eduard Kreyßig im "orientalischen Stil" errichtet, ist wieder zum Blickfang geworden - wenngleich sie ohne die charakteristischen "Zwiebel"-Aufsätze auf den acht "Türmchen" des Backsteingebäudes noch sehr fremd aussieht. "Für diese `Zwiebeln`, die jeweils etwa 16000 Euro kosten werden, suchen wir noch händeringend nach Stiftern", appellieren Landesdenkmalpfleger Dr. Joachim Glatz und die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Stella Schindler-Siegreich an potentielle Spender. In Kürze soll durch ein Faltblatt, das die Geschichte der Trauerhalle erzählt, auch um "Kleinspender" geworben werden. Für Kulturdezernent Peter Krawietz steht es außer Frage, dass die Trauerhalle wieder in Originalzustand versetzt werden muss: "Sie ist ein wichtiges Denkmal für das geschichtliche und kulturelle Bewusstsein dieser Stadt, zu der die jüdische Kultur seit Jahrtausenden unlösbar gehört." Und die Gemeinde-Vorsitzende dankt für die Hilfe von vielen Seiten: "Es war eine Freude, mit der Denkmalpflege zusammen dieses Projekt zu meistern."

Nachdem 1997 durch "Dauerfeuchtung" entstande Schäden festgestellt worden waren, die den Bestand des Gebäudes gefährdeten, lief eine große Hilfsaktion an. Die Sanierungskosten sind beachtlich. Von den errechneten 432000 Euro trägt die Stadt 100000, das Land 262000 und die Jüdische Gemeinde 70000 Euro. "Im jetzigen Zustand ist zumindest der Bestand gesichert", zeigt sich Kulturdezernent Krawietz erleichtert. Architekt Thomas Stahlheber (Stadecken-Elsheim) verweist auf eine völlig marode Dachkonstruktion und Bausünden aus dem Jahre 1928, als die Trauerhalle erstmals renoviert wurde. Auf dem jetzt durch eine Aluminiumkonstruktion ersetzten Zinkdach beispielsweise waren Löcher mit Klebebändern verschlossen worden, die "Zwiebeln", so Denkmalpfleger Glatz, "hielten nur noch sich selbst, aber keinem Windstoß mehr stand". Auch die Steinsanierung im Außenbereich ist abgeschlossen.

Jetzt muss die Innensanierung folgen. Die Bamberger Restauratoren der Firma Schmuck haben unter dem Ölfarbenanstrich, der das Mauerwerk nicht mehr atmen ließ und nun schollenflächig abblättert, weitere vier Farbfassungen entdeckt. Ursprungsfarbe war vermutlich ein Rotbraun. Schmuck will behutsam und mit alter Technik die Trauerhalle, die in der Gruppe der "orientalischen" jüdischen Trauerhallen weit über Mainz hinaus von Bedeutung ist, wieder in den Stand von 1881 versetzen. "Aber das wird aufgrund der Finanzierung bestimmt zwei Jahre dauern", schätzt Architekt Stahlheber.

Trauerfeiern müssen derzeit inmitten der Baustelle stattfinden, der Waschraum ist in einem völlig desolaten Zustand, Schimmel hat die beiden angrenzenden "Wohnungen" unbewohnbar gemacht. "Ein unwürdiger Zustand", befindet Stella Schindler-Siegreich. Eine Einschätzung, mit der sie nicht allein steht.


© Jüdische Gemeinde Mainz