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Historische Kostbarkeiten verbaut

Grabdenkmalstätte am Judensand vermittelt 1000-jährige Geschichte/AZ-Serie Teil 3

28.7.2006 - von Bernd Funke, Allgemeine Zeitung


Die Grabdenkmalanlage des alten Jüdischen Friedhofs an der Mombacher Straße.
Fotos: privat


Ein Plan des alten Jüdischen Friedhofs aus dem Jahre 1779.

Der "Tag des offenen Denkmals" am 10. September steht unter dem Motto "Rasen, Rosen und Rabatten - Historische Gärten und Parks". Landesdenkmalpfleger Dr. Joachim Glatz und Ehefrau Ulrike haben sich der vergangenen "Gartenkunst in Mainz" (so ein bei Zabern erschienener Kalender) angenommen. Die AZ stellt die Gärten in einer Serie vor.

Eingezäunt und nur nach Rücksprache mit der Jüdischen Gemeinde zugänglich liegt der alte Jüdische Friedhof an der Mombacher Straße. Dort, wo schon in spätrömischer Zeit an einer der Ausfallstraßen von Moguntiacum ein Begräbnisplatz angesiedelt war.

Wohl schon vor dem frühen 10. Jahrhundert existierte eine Jüdische Gemeinde in Mainz, als sie 1438 vertrieben wurde, wurden auch alle Grabsteine entfernt und als Baumaterial missbraucht. Zwar erhielten die Juden das Gelände 1449 wieder zurück, doch erst im 17. Jahrhundert gewann die Gemeinde wieder an Bedeutung. Davon zeugen heute mehr als 1500 Grabsteine des 17. bis 19. Jahrhunderts.

Als der französische Präfekt Jeanbon de Saint André 1803 verfügte, dass alle Toten (also auch die Juden) künftig auf dem Hauptfriedhof zu bestatten seien, liefen die Mainzer Sturm. Die Weiterbelegung des Judensands wurde geduldet, rund hundert schon auf dem Hauptfriedhof bestattete Juden mussten umgebettet werden. In dieser Zeit (also im frühen 19. Jahrhundert) wurden immer wieder bei Abbrucharbeiten historisch bedeutsame Funde gemacht: Jüdische Grabsteine vor allem aus dem Mittelalter. 1925 stellte die Stadt der Jüdischen Gemeinde die rund 5000 Quadratmeter große Fläche zur Verfügung, die Rabbiner Dr. Sali Levi als "Grabdenkmalstätte" einrichtete. Levi hatte 180 Steine aufstellen lassen, weitere kamen später hinzu.

Dr. Joachim Glatz: "Die Grabdenkmalanlage wirkt wie ein alter jüdischer Friedhof. Um anzudeuten, dass die Grabsteine nicht auf den dazu gehörenden Gräbern stehen, wurden sie nicht, wie es sonst religiöser Brauch ist, nach Osten ausgerichtet."

Das Landesamt für Denkmalpflege hat nicht nur die Steine des großen Friedhofs, sondern auch die des Denkmalfriedhofs dokumentiert. Glatz: "Es handelt sich um außerordentlich wichtige Quellen für die mittelalterliche Geschichte der Juden im Rheinland." Unter den Steinen befand sich auch der älteste datierbare Grabstein Westeuropas, der des Jehuda aus dem Jahre 1049. Der Stein steht heute im Landesmuseum. Glatz urteilt: "Die Grabdenkmalstätte ist eine im doppelten Sinn historische Gartenanlage. Die Gestaltung von 1926 vermittelt über ihre ganz eigene Atmosphäre hinaus rund 1000 Jahre jüdisch-deutscher, ja, europäischer Geschichte."


© Jüdische Gemeinde Mainz