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Segenswünsche auf Thora-Wimpel

Beim Synagogenfest lebt mit Übergabe des Bandes ein alter Wormser Brauch wieder auf

5.7.2006 - von Ulrike Schäfer, Wormser Zeitung


Stella Schindler-Siegreich, Irene Kaufmann und Polina Pikmann (von rechts) überreichen beim inzwischen zweiten Wormser Synagogenfest den Thora-Wimpelband an den jungen Vater Janusz Kuroszczyk.
Foto: privat

Das zweite Wormser Synagogenfest, Höhepunkt der jüdischen Kulturtage, musste sich gegen eine Reihe anderer Feste behaupten. James McDowell, der für die Stadt das organisatorische Zepter schwang, registrierte Besucherzahlen wie im Vorjahr. "Wir haben alles verkauft", freute er sich und meinte orientalische Speisen und deutsche Kuchen, die Freiwillige von den Mitveranstaltern Jüdische Gemeinde Mainz, jüdisches Museum Worms und Verein Warmaisa zubereitet hatten. Für musikalische Unterhaltung sorgten das Klezmertrio "Django Beinhart" und der jüdisch-russische Chor. Spaß machte es, wenn Tanzpädagogin Iris Lazimi und ihre Tänzerinnen die Besucher an die Hand nahmen und zum Mitmachen animierten. In der Synagoge erläuterte Stella Schindler-Siegreich, Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Mainz/Worms, die Bedeutung der Thora-Wimpel, die aus der Beschneidungswindel hergestellt werden, eine Tradition, die auf den Wormser Gelehrten Maharil zurückgeht. Schindler-Siegreich schilderte die Rituale der Beschneidung und Windelübergabe, zeigte, was auf einem Wimpelband geschrieben steht, der Name des Kindes und Vaters, das Geburtsdatum nach jüdischer Zeitrechnung und Segenswünsche. 600 Wimpel gab es vor dem Krieg im jüdischen Museum, das Isidor Kiefer eingerichtet hatte. Jetzt konnte Schindler-Siegreich nur noch einen kleinen Bestand zeigen, aber auch einen brandneuen Wimpel, den Irene Kaufmann von der Heidelberger Hochschule für Jüdische Studien mit Frauen der Gemeinde auf Anregung der Heidelberger Professorin Annette Weber nach alten Vorbildern bestickt hatte. Feierlich wurde er einem Vater übergeben, der damit den alten Brauch in Worms aufleben ließ. Im Rahmen der jüdischen Kulturtage hatte Gästeführerin Traudel Mattes über jüdische Festbräuche erzählt, eine Führung durchs jüdische Worms angeboten, Dr. Irene Spille hatte Sehenswürdigkeiten des Museums erläutert. Darüber hinaus ging sie auf Tour zu fünf Gotteshäusern unterschiedlicher Konfessionen und Religionen. Begeistert waren die Besucher von der Gastfreundschaft in der Moschee und luden Hodscha Fahri, Ahmet Cengelköy und andere Mitglieder des Deutsch-Islamischen Kulturvereins zum Synagogenfest ein. Die fanden sich zum längeren Besuch im Synagogengarten ein.


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