Kleiner Stein vom Berg Sinai
Weihbischof besucht Synagoge / Sorge um Weitergabe des Glaubens
5.7.2006 - Allgemeine Zeitung
rnr. BAD KREUZNACH Zum ersten Mal in seiner Amtszeit
hat der Trierer Weihbischof Jörg Michael Peters eine jüdische
Gemeinde besucht. In Bad Kreuznach suchte er das Gespräch mit Nicolaus
Blättermann, dem Zweiten Vorsitzenden und Geschäftsführer
der Jüdischen Kultusgemeinde Bad Kreuznach/Birkenfeld.
Der 85-Jährige formulierte im Gespräch mit
Peters seine Sorge um die Weitergabe des jüdischen Glaubens. Viel
Engagement sei notwendig, damit die Familien, die überwiegend aus
osteuropäischen Ländern nach Deutschland gekommen sind, wieder
ihre Identität fänden. Es gehe darum, die jüdischen Sitten
und Gebräuche nicht nur wieder neu kennen zu lernen, sondern auch
das jüdische Brauchtum das ganze Jahr über zu pflegen. Hier
sei noch viel zu tun.
Die Gemeinde zählt rund 200 Mitglieder, darunter
38 Kinder und Jugendliche, von denen ein Großteil den Religionsunterricht
der Gemeinde besucht. "Mein Herzensanliegen ist es, dass es uns gelingt,
die alten Gemeindestrukturen wieder aufzubauen", sagte Blättermann.
Ein großes Problem sieht der Gemeindevertreter
darin, dass nur knapp 20 bis 30 Prozent der Gemeindemitglieder deutsch
sprechen, was die Integration sehr erschwere. Besonders den älteren
Menschen falle das Erlernen der deutschen Sprache schwer.
Blättermann führte den Gast und seine Begleitung
durch das Synagogenzentrum, informierte über die Geschichte der Gemeinde
und öffnete schließlich den Thoraschrein. In ihm werden zwei
wertvolle, von Familien gestiftete und kostbar verzierte Thorarollen aufbewahrt,
von denen die eine 200, die andere 90 Jahre alt ist.
Der Weihbischof dankte Blättermann für diese
Begegnung und den ersten Kontakt mit den "jüdischen Schwestern
und Brüdern". "Gebe Gott, dass wir aufgrund des Glaubens,
der uns beseelt und geschenkt worden ist, die Menschen dahin führen,
dass sie ihre eigentliche Bestimmung entdecken", sagte er. Zur Erinnerung
überreichte er Blättermann einen kleinen Stein vom Berg Sinai:
"Weil ich um die Symbolkraft des Steines in ihrer Religion und Kultur
weiß, gebe ich ihn von Herzen an Sie weiter."
Begleitet wurde Peters von Dechant Ludwig Unkelbach und
Pastoralreferentin Renate Thesing. Sie ist die Beauftragte des Dekanates
Bad Kreuznach für den christlich-jüdischen Dialog und Vorsitzende
der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit (GCJZ)
Bad Kreuznach, die seit ihrer Gründung 1998 die Jüdische Kultusgemeinde
in ihrem Bemühen um eine eigene Synagoge unterstützt.
An der von der GCJZ initiierten Spendenaktion hatten
sich die christlichen Kirchen großzügig beteiligt. Nach der
Aufgabe des US-Standortes in Kreuznach war es der Gemeinde mit Unterstützung
von Land, Kreis und Stadt gelungen, die US-Kapelle zu erwerben. 2002 konnte
das zur Synagoge umgestaltete Gotteshaus feierlich eingeweiht werden.
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