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Jüdische Kultur präsent gemacht

Warmaisa ist in vielen Bereichen aktiv/ Hören, lernen, gedenken und feiern / Zahlreiche Projekte


Roland Graser


Die gut besuchte Lehrhausreihe war einer der Warmaisa-Beiträge im vergangenen Raschijahr: Aufmerksam lauscht Roland Graser in der Raschi-Jeschiwa den interesssanten Ausführungen Stella Schindler-Siegreichs.
Schäfer

20.5.2006

Zehn Jahre alt wurde der Verein zur Förderung und Pflege jüdischer Kultur in Worms, kurz Warmaisa, im letzten Jahr. Die Bilanz, die der gerade im Januar erst wieder gewählte Vorsitzende Roland Graser vorweisen kann, ist beachtlich. Das zeigte sich gerade auch im verangenen Raschijahr.

Im Dezember waren es 10 Jahre, dass der Verein Warmaisa gegründet wurde. Damals hieß er noch etwas sperrig: "Gesellschaft zur Pflege und Förderung jüdischer Kultur in Worms". Was hat dich damals bewogen, einen solchen Verein zu gründen?

Graser: Ich habe mich schon ziemlich früh für jüdische Kultur interessiert, für Musik, Filme, Literatur und habe mit meinem Freund Albert Bentrup entsprechende Veranstaltungen in der engeren und weiteren Region besucht. Dabei ist uns aufgefallen, dass in Worms, der alten heiligen Gemeinde des europäischen Judentums, kaum etwas in dieser Art angeboten wurde. Ich habe mich bei Freunden und Bekannten umgehört, und alle waren meiner Meinung. So kam es zur Gründung des Vereins. Bei der Gründungsversammlung sind 40 Personen eingetreten. Heute hat der Verein 117 Mitglieder.

Mit kulturellen Veranstaltungen ging´s auch gleich los!

Graser: Ja, unsere erste Veranstaltung war mit Helmut Eisel & Jem. Wir hatten damals einen unglaublich guten Zuspruch. Bei unserem ersten Vortrag mit Esther Alexander-Ihme, ebenfalls gut besucht, ging es um die jidische Sprache.

Diese Mischung aus Musik, Lesungen und Vermittlung jüdischer Traditionen wurde bis heute beibehalten, aber es haben sich ja auch einige unvorhergesehene Aufgaben ergeben.

Graser: Du spielst auf die Trauerhalle an. Als unser Mitglied, Pfarrer Hannes-Dietrich Kastner, meinte, wir sollten uns doch darum kümmern, weil die Stadt eigentlich nicht zuständig war und die jüdische Gemeinde Mainz als Eigentümerin kein Geld für eine Renovierung hatte, bin ich erst zurückgezuckt. Das war mir zuviel Verantwortung. Wir ließen erst die vordere, dann die hintere Tür restaurieren, und dann folgte eins aufs andere. Jetzt ist die Trauerhalle - natürlich mit Unterstützung der Stadt, des Landesamtes für Denkmalpflege, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, Toto Lotto und vieler privater Spender - fertig, und ich bin stolz, dass wir das durchgehalten haben. Ich bin vor allem Albert Bentrup dankbar, der das Projekt mit viel Einsatz betreut hat.

Es haben sich noch mehr Aufgaben entwickelt!

Graser: Ja, wir haben beispielsweise 120 Stühle für die Frauensynagoge angeschafft, um unsere Veranstaltungen durchführen zu können. Daneben haben wir uns der Gedenkarbeit angenommen. Seit mehreren Jahren bieten wir regelmäßig am 9. November und am 27. Januar Erinnerungsveranstaltungen an. Das habe ich anfangs gar nicht so sehr als unser Thema angesehen, mir ging es ja um die Sichtbarmachung des kulturellen Reichtums der jüdischen Welt, aber einigen Vorstandsmitgliedern, vor allem der Zweiten Vorsitzenden, Stella Schindler-Siegreich lag viel daran. Heute bin ich froh, dass wir das tun.

Auch im Raschijahr war Warmaisa sehr aktiv.

Graser: Frau Schindler hat den Zug ja eigentlich erst ins Rollen gebracht. Sie erinnerte an Raschis 900. Todestag. Wir haben dann nicht nur bei der Programmgestaltung mitgewirkt, sondern auch wesentliche Programmpunkte wie die sehr gut besuchte Lehrhaus-Reihe beigetragen. Von uns stammt übrigens auch die Anregung, die SchUM-Städte auf die Liste des Weltkulturerbes setzen zu lassen.

Der Verein verleiht schon seit Jahren den Warmaisa-Preis, um Jugendliche für das Thema zu interessieren, hat einen Arbeitskreis für Museumspädagogik und sich sogar jüngst als Verleger des Buchs "Wundergeschichten aus Worms" betätigt. Weitere Projekte laufen. Wie ist eigentlich das Verhältnis zur jüdischen Gemeinde?

Graser: Eine eigenständige Gemeinde ist es ja noch nicht. Die Wormser Juden, etwas über 130 Leute, gehören nach wie vor zur jüdischen Gemeinde Mainz, deren Stella Schindler-Siegreich, unsere Zweite Vorsitzende, ist. Wir haben vor drei Jahren erstmals die Feier von Sukkot, dem Laubhüttenfest, angeregt und sie auch mit vorbereitet. Seither wird es regelmäßig gefeiert. Im Raschijahr haben wir ein gemeinsames Synagogenfest auf die Beine gestellt, das sehr gut gelungen war. Natürlich gibt es auch sonst immer mal wieder Berührungspunkte, und wir halten bei unseren Veranstaltungen immer ein gewisses ermäßigtes Kontingent für jüdische Besucher vor. Wir möchten den Kontakt auch gerne weiter intensivieren; allerdings sind die sprachlichen Barrieren oft sehr hinderlich.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Graser: Es liegt mir sehr am Herzen, dass das jüdische Museum erweitert und aufgewertet wird. In Hinblick auf die bedeutende jüdische Geschichte von Worms, aber auch auf unseren Antrag auf Weltkulturerbe sollte es ein Landesmuseum werden, das als solches auch entsprechend gefördert wird.

Und sonst?

Graser: Bin ich froh, wenn alles so läuft wie bisher. Ich habe allen Grund, zufrieden zu sein!

Das Interview führte Ulrike Schäfer


© Jüdische Gemeinde Mainz