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In Pogromnacht gerettet

Ausstellung im Raschihaus zeigt Fotos von Archivalien


Auf reges Interesse stößt die Ausstellung "Beschlagnahmt, geborgen, ausgeliefert" im Raschihaus.
Foto: Jens Kowalski

20.5.2006 - von Ulrike Schäfer, Wormser Zeitung

"Beschlagnahmt, geborgen, ausgeliefert" heißt die Ausstellung, die zurzeit im Raschihaus zu sehen ist. Gezeigt werden vor allem Fotos wertvoller Archivalien.

Es war ein glücklicher Zufall, dass 1877 auf dem Dachboden der Synagoge ein reicher Bestand an Archivalien entdeckt wurde. Sie stammten zum Teil noch aus der Zeit Anfang des 16. Jahrhunderts und enthielten Gemeindeordnungen, Akten zum Judenschutz, zu Abgaben und Kriegsleistungen der Gemeinde, aber auch über Streitigkeiten und Gerichtsentscheide. Dass viele dieser wertvollen Unterlagen heute noch existieren, ist dem ehemaligen Leiter der früheren Städtischen Kulturinstitute, Dr. Friedrich Maria Illert, zu verdanken, der einen Großteil dieser Urkunden in der Reichspogromnacht rettete und in einen Turm des Doms brachte.

Heute werden die meisten dieser Archivalien wie auch die übrig gebliebenen Wertstücke des einstigen jüdischen Museums in Israel aufbewahrt. In Worms sind diese wichtigen Zeugnisse jüdischen Lebens inzwischen digitalisiert vorhanden wie auch ein Faksimile des Wormser Machsors.

Dies ist in groben Zügen der Inhalt des Vortrags von Dr. Gerold Bönnen, den er zum Auftakt der Ausstellung hielt. Sie zeigt Fotografien verschiedener Schriftstücke, darunter auch prächtige Urkunden der Kaiser Leopold I. von 1701 und Ferdinand von 1776, des Machsors sowie alte Bilder des jüdischen Friedhofs und schließlich die Fotos von Samson Rotschild und Georg Maria Illert, die sich beide um die Bewahrung des jüdischen Erbes verdient gemacht haben. Der eine, indem er die Archivalien so sorgfältig aufarbeitete, der andere, weil er nicht nur Teile der verbrannten Synagoge, sondern auch die wertvollen geschichtlichen Zeugnisse rettete. So unbestritten seine Leistung nun sei, so Dr. Bönnen, so unklar seien seine Beweggründe. So könne der national-konservative Archivar zwar nicht als Nationalsozialist eingestuft werden, aber er sei eine ambivalente Figur. Jahrelang stritt die Stadt mit dem Jewish Trust of Cooperation for Germany um die Herausgabe der Archivalien und der wenigen Restbestände aus dem jüdischen Museum. Später meldete die jüdische Gemeinde Mainz Ansprüche an, und da OB Heinrich Völker sehr am Aufbau guter Beziehungen zu dem jungen Staat Israel gelegen gewesen sei, habe man schließlich die geretteten Dokumente abgegeben.


© Jüdische Gemeinde Mainz