Seltenes Konzert in der Synagoge
Kantorin Avitall Gerstetter trägt Lieder vor und singt Gebete /
Stefan Paul am Klavier
9.05.2006 - Von Frank Gottschald, Allgemeine Zeitung
Avitall Gerstetter aus Berlin eilt der Ruf voraus, in
Deutschland "Die jüdische Stimme" schlechthin zu sein.
So versammelte sich die jüdische Gemeinde von Bad Kreuznach mit andersgläubigen
Musikfreunden in der Synagoge Alzeyer Straße, um dem Konzert dieser
Sopranistin zu lauschen.
Synagogale Gesänge standen auf dem Programm, dazu
hebräische und jiddische Lieder. Schon das erste Lied nach dem Psalm
23 "Der Herr ist mein Hirte" verzauberte die etwa 80 Zuhörer.
Gerstetter verfügt über eine Stimme, deren warme Klangfarbe
die Schwermut der sehr melodiösen jüdischen Gesänge unterstreicht.
Ausgebildet wurde sie an der Akademie der Künste in Berlin während
der 90er Jahre. Geformt ist sie von der Erfahrung intensiver Tätigkeit
in den zwei großen Synagogen der Hauptstadt Berlin.
Avitall Gerstetter ist dort Kantorin, singt die Haupt-
und Nachmittagsgebete. Dies tat sie auch in Bad Kreuznach. So beim Eli
Eli, "Mein Gott, lass die Erde nie vergehen," beim Lied über
Jerusalem oder beim "Shalom Rav", bei dem um Frieden für
das geprüfte Israel gebetet wird. Die Kantorin singt aber nicht nur
in Synagogen, sondern auch in christlichen Gotteshäusern im Rahmen
der jüdisch-christlichen Zusammenarbeit.
Mit dem bekannten deutschen Liedermacher Konstantin Wecker
hat sie die CD "Sage Nein zu Antisemitismus" aufgenommen. Beide
werden dieses Jahr noch ein großes Konzert in der Berliner Gethsemanekirche
geben.
Bei den 20 liturgischen Gesängen und Volksliedern
wurde sie einfühlsam von Stefan Paul am Klavier begleitet. Dass "Die
jüdische Stimme" in Bad Kreuznach voll aus sich herausging und
den Zuhörern einen so eindrucksvollen Hörgenuss verschaffte,
lag wohl auch daran, dass sie die Innenausstattung der Synagoge in der
Alzeyer Straße "wunderschön" fand.
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