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![]() Das Grabmal auf dem Mainzer Hauptfriedhof: Hier wird das Holocaust-Opfer Charlotte Guthmann-Opfermann am Freitag zur letzten Ruhe gebettet. Foto: Sascha Kopp |
![]() Eine beeindruckende Frau: Charlotte Opfermann verstand es, mit Menschen ins Gespräch zu kommen. Foto: Archiv/Windolf |
![]() Charlotte als 17-jähriges Mädchen - kurz bevor sie ins Konzentrations- lager Theresienstadt verschleppt wurde. Foto: privat |
Holocaust-Opfer findet auf Mainzer Hauptfriedhof seine letzte Ruhe
4.05.2006 - Von Kirsten Strasser, Allgemeine Zeitung
MAINZ Es ist eine Rückkehr in die geliebte, gehasste Heimat, die Erfüllung eines letzten Wunsches. Die Urne der Holocaust-Überlebenden Charlotte Guthmann-Opfermann, die am 22. November 2004 in Houston/Texas starb, wird in Mainz beigesetzt - im Grab ihrer Schwiegereltern.
"Wenn du mal nicht mehr lebst", sagte einmal ein guter Freund zu ihr, "wenn du mal nicht mehr lebst, wirst du bei Theresienstadt beerdigt. Das willst du im Grunde doch." Charlotte Guthmann-Opfermann widersprach damals nicht. Vielleicht, weil dieser Satz Sinn machte. Weil ein Teil von ihr doch schon gestorben war, damals in Theresienstadt. Mit den anderen Opfern des Holocaust.
Doch als ihr Ende dann nahte, entschied sie sich anders. Kurz vor ihrem Tod im November 2004 sagte sie ihren Töchtern, dass sie im Grab der Opfermanns bestattet werden wolle - dem Familiengrab ihres Ex-Mannes. Dieser letzte Wunsch wird ihr jetzt bald erfüllt. Am Freitag, 5. Mai, wird die Urne der Verstorbenen auf dem Mainzer Hauptfriedhof beigesetzt.
Warum? Das mag man sich fragen. Ihr Verhältnis zur deutschen Heimat - Charlotte Guthmann-Opfermann wurde 1925 in Wiesbaden geboren - war zwiespältig, von Hassliebe geprägt. Und: Die Mainzer Familie Opfermann war katholisch, Charlotte war Jüdin; fast alle ihre Angehörigen wurden von den Nazis umgebracht. Und doch ist ihr Schicksal mit dem der Opfermanns eng verwoben - und das nicht nur, weil Charlotte als junge Frau einen Sohn der Opfermanns heiratete. Beide Familien eint, dass sie unter Hitlers Terror litten.
Charlotte Guthmann-Opfermanns Schicksal ist vielen hier bekannt. Obwohl sie ein Jahr nach Ende des Zweiten Weltkrieges nach Amerika auswanderte und dort bis zu ihrem Tod lebte, besuchte sie Deutschland und insbesondere die Rhein-Main-Region regelmäßig. Zeitlebens war sie um Verständnis und Verständigung bemüht, hielt Vorträge, diskutierte mit Schulklassen, las aus ihren Büchern. Sie erzählte immer wieder ihre Überlebensgeschichte - zumindest das, was erzählbar war. Manches Grauen war unaussprechlich.
Charlotte, genannt Lotte, wuchs in Wiesbaden als Tochter eines hoch geachteten jüdischen Anwalts auf. Ihre Wurzeln hatte sie auch im rheinhessischen Dörfchen Eich. Das galt als eines der ersten als "judenrein", nachdem man Charlottes Großvater hinausgeprügelt hatte. Der alte Mann starb später in einem Konzentrationslager. Genauso wie Charlottes Vater, ermordet in Auschwitz, und ihr Bruder Paul, ermordet in Mauthausen.
Charlotte überlebte das KZ Theresienstadt. Sie betrat die Hölle mit 17 und kam mit 20 wieder heraus. Um sie herum sei "ein ewiges Sterben" gewesen, sagte sie später einmal; immer wieder wachte das junge Mädchen neben Toten auf. Auch die "Befreiung" durch die Russen überlebte sie. "Die vergewaltigten uns ausgemergelte Jammergestalten."
1946 verließ die junge Frau Deutschland, ein paar Jahre später heiratete sie ihren Jugendfreund aus Mainz: Heinz Rudolf Opfermann. Der nannte sich in der neuen Heimat Amerika William Henry Opfermann und wollte von der Vergangenheit nichts mehr wissen. Seiner Frau erlaubte der ehemalige Wehrmachtsoldat nicht, über das Erlebte, Erlittene zu sprechen - auch nicht mit den Töchtern. Daran sei letztlich die Ehe zerbrochen, sagte Charlotte Opfermann-Guthmann einmal - viel später, als sie ihr Schweigen längst gebrochen hatte.